Wirtschaft

Europäischer Binnenmarkt ermöglicht Wachstumsschub

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Herten - Die HEPU Pumpen und Maschinen GmbH in Herten erwirtschaftet die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland. Der Firmenchef möchte die EU nicht missen.

Wer auf die Bürokratie in Brüssel schimpft, ist bei Michael Makowka (63) an der falschen Adresse. Seine Firma, die HEPU Pumpen und Maschinen GmbH in Herten, exportiert Produkte in viele Regionen der Welt – bis nach Russland, Kasachstan, Korea oder Taiwan. Geschäfte mit Kunden in diesen Ländern abzuwickeln, „das ist Papierkrieg“, sagt der Unternehmer. Exporte innerhalb der Europäischen Union seien hingegen nur mit geringem Aufwand verbunden. „Ich möchte die EU nicht missen“, betont Makowka. Und das sagt er nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Bürger, der die Grenzen in Europa und das ständige Geldumtauschen noch selbst erlebt hat.

Die HEPU Pumpen und Maschinen GmbH (25 Mitarbeiter) produziert Feststoffpumpen und Maschinen unter anderem für den Kali- und Salzbergbau, für die Kies- und Sandindustrie, für die Chemie und die Zementindustrie. Die Hälfte seines Umsatzes erzielt das Unternehmen im Ausland, ein Drittel davon in EU-Staaten wie Österreich, den Niederlanden, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Polen und Tschechien.

Unternehmen schätzen den Wegfall von Wechselkursrisiken

Der Europäische Binnenmarkt (seit 1993) und die Einführung der Gemeinschaftswährung (1999) haben nicht nur der 1988 gegründeten Hertener Firma einen Wachstumsschub gegeben, sondern der Wirtschaft in der ganzen Region. Die Auslandsumsätze allein der Industriebetriebe im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Region, Münsterland) sind in diesem Zeitraum von sechs auf 18 Milliarden Euro gestiegen. Unternehmen schätzen nach IHK-Angaben den Wegfall von Wechselkursrisiken, den stabilen Euro, Preistransparenz und Vergleichbarkeit. Jeder vierte Arbeitsplatz ist nach einem Gutachten der Fachhochschule Bocholt aus dem Jahr 2012 direkt oder indirekt vom Auslandsgeschäft abhängig.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel sieht auch in der Arbeitnehmer- und Niederlassungsfreiheit von EU-Bürgern ein großes Plus für die heimische Wirtschaft. Im IHK-Bezirk sind knapp 40.000 EU-Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt (davon 13.000 in der Emscher-Lippe-Region). Das seien zwar „nur“ 4,3 Prozent aller Beschäftigten. „Doch die Zuwanderung hat einen spürbaren Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet“, erklärt Jaeckel. Industrie, Handel, Verkehr, Logistik und die Industrie seien die Branchen, in denen EU-Ausländer mithelfen, „dass Unternehmen ihr Auftrags- und damit auch ihr Wachstumspotenzial ausschöpfen können“.

Brexit verursacht Millionen-Aufwand

Der drohende Brexit gibt HEPU-Geschäftsführer Michael Makowka einen Vorgeschmack auf die Folgen einer auseinander driftenden EU. Aus Großbritannien importiert die Firma eine spezielle Pumpe, die in Herten weiter verbaut wird. „Ich sehe da schon erhebliche Dokumentationspflichten und Bearbeitungskosten auf uns zukommen“, sagt er.

Diese Einschätzung teilt auch die IHK Nord Westfalen. Die Kammer prognostiziert für die Wirtschaft im Emscher-Lippe-Raum und im Münsterland einen durch den Brexit verursachten Mehraufwand in Höhe von etwa sechs Millionen Euro pro Jahr. Die anfallenden Zölle seien in dieser Rechnung noch nicht einmal enthalten.

Mit Sorge blickt Unternehmer Makowka auf „nationalistische Bestrebungen“, die sich in vielen EU-Ländern manifestierten. „Wer ein starkes Europa will, der sollte am 26. April unbedingt zur Wahl gehen“, lautet deshalb sein Appell.

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