Was wir wissen, was wir nicht wissen

Terroranschlag: Täter könnte nach Deutschland fliehen

Straßburg - Die deutschen Sicherheitsbehörden sind nicht nur an der Suche nach dem Attentäter von Straßburg beteiligt, sondern fahndeten auch nach dessen Brüder. Die beiden französischen Staatsbürger wohnten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuletzt in Straßburg. Im Zusammenhang mit dem Anschlag hat es bereits fünf Festnahmen gegeben. Nach Informationen der französischen Zeitung "Le Figaro" sollen auch zwei Brüder des Verdächtigen Chérif C. unter den Festgenommenen sein. Die Brüder würden in Frankreich als radikalisiert eingestuft und dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Berliner "Tagesspiegel" am Mittwoch. In Deutschland tauchen die Namen des mutmaßlichen Attentäters Chérif C. und seines Bruders Sami C. allerdings nach dpa-Informationen nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Der mutmaßliche Attentäter könnte aber nach Deutschland fliehen bzw. geflohen sein.

WAS WIR WISSEN

- Die Tat: Am Dienstagabend eröffnete ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer. Dabei werden drei Menschen getötet und dreizehn weitere verletzt. Medienberichten zufolge soll es sich bei der Tatwaffe um ein automatisches Gewehr handeln.

- Der Täter: Der mutmaßliche Angreifer ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein französischer Staatsbürger aus Straßburg mit nordafrikanischen Wurzeln. Der 29-Jährige Chérif C. wurde nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits wegen etlicher Diebstähle in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland verurteilt. Vom Amtsgericht Singen wurde er wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Deutschland in Haft. Nach dem Verbüßen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben.

In dem Urteil aus Singen heißt es, der Mann sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht.

Nur Stunden vor den Schüssen waren Medienberichten zufolge bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am Dienstagmorgen Granaten gefunden worden. Eigentlich hätte der Mann am Dienstagmorgen wegen eines versuchten Tötungsdelikts verhaftet werden sollen. Er befindet sich derzeit auf der Flucht.

- Das Umfeld: Die Sicherheitsbehörden gehen nach dpa-Informationen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter von Straßburg zusammen mit seinem 34 Jahre alten Bruder Sami C. auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert. Laut Berliner "Tagesspiegels" wohnten sie in Straßburg. Die Brüder würden dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte der Zeitung.

- Die Opfer: Eines der Todesopfer ist ein Tourist aus Thailand. Laut dem Außenministerium in Bangkok handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Frau zu einem Urlaub in Frankreich war. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Acht Menschen wurden schwer, fünf weitere leicht verletzt. Unter den Verletzten ist auch ein italienischer Radiojournalist, wie ein Sprecher des Außenministeriums der dpa bestätigte. Nach jetziger Kenntnis des Auswärtigen Amtes sind keine Deutschen unter den Opfern.

WAS WIR NICHT WISSEN

- Der Täter: Der Aufenthaltsort des Täters ist nicht bekannt. Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte. Die Bundespolizei kontrollierte mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich.

- Das Motiv: Obwohl Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen im Fall des Anschlags in Straßburg übernommen haben, will sich das französische Innenministerium nicht auf ein terroristisches Motiv des Täters festlegen. Eine terroristischer Hintergrund sei im Moment noch nicht sicher, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez am Mittwochmorgen. Der mutmaßliche Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Er sei mehrfach im Gefängnis gewesen und dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter auf der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden sei - einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte auch Rache gewesen sein, heißt es in Sicherheitskreisen. Möglicherweise habe der 29-Jährige auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

- Die Opfer: Die Identität der weiteren Todesopfers war zunächst nicht bekannt.

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