Die Wildkamera des Halterners Mark Besten machte diese Aufnahme des Tieres. 
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Die Wildkamera des Halterners Mark Besten machte diese Aufnahme des Tieres in Haltern.

LANUV bestätigt erneute Entdeckung

Wird die Emscher-Lippe-Region zum Wolfsgebiet?

  • Randolf Leyk
    vonRandolf Leyk
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Die Emscher-Lippe-Region scheint sich zu einem echten Wolfsgebiet zu entwickeln. Denn erneut ist in der Region ein Wolf gesichtet worden. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat das jetzt sogar bestätigt.

  • Erneut ist in der Region ein Wolf gesichtet worden.
  • LANUV bestätigt die Echtheit der Sichtung.
  • Wölfe haben öfter schon Nutztiere angegriffen.

Erst im Mai hatte eine Wildkamera in Haltern scheinbar einen Wolf aufgenommen: Experten des Landes hatten jetzt die Aufnahmen geprüft.  Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) hatte kurze Zeit später einen Wolfsnachweis bestätigt. Dabei handelte es sich um das Tier, das mehrfach in dem Waldgebiet nahe dem Halterner Ortsteil Lavesum von einer Wildtierkamera erfasst worden war. Nun wurde in Kirchhellen (gehörte bis zum Zusammenschluss mit Bottrop in den 1970er-Jahren noch zum Keis Recklinghausen) ebenfalls ein Wolf gesichtet.

Video zeigt Wolf in der Nähe eines Kornfeldes

An einem Kornfeld in Kirchhellen entdeckte dort Anfang Juli ein Landwirt während einer Traktorfahrt. Das berichteten zunächst die Ruhr Nachrichten/Dorstener Zeitung. Dabei soll es sich aber nicht um die im Schermbecker Gebiet lebende Wölfin „Gloria" handeln. Vielmehr sieht es nach einem Jungtier aus. Das Video, das auch das Tier zeigt, wurde jetzt von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) bestätigt.

In Haltern war der Wolf schnell identifiziert

Den Wolf in Haltern hatte Mark Besten gesichtet. Er veröffentlicht immer wieder Wildtierfilme, die er in seiner Freizeit produziert. Dabei entstehen teils faszinierende Bilder. Für ihn war schnell zu erkennen, dass es sich um einen Wolf handelt. Denn im Vergleich zu einem Fuchs ist dieses Tier viel größer, hat einen anderen Körperbau und nicht diesen buschigen Schwanz. Die Sache ist also längst geklärt. Bekanntlich wurde das erste NRW-Wolfsgebiet rund um Schermbeck bis in den Kreis Recklinghausen ausgewiesen.

Unterdessen bleibt die Wölfin „Gloria“, die im Gebiet von Schermbeck im Kreis Wesel lebt, vorerst unter Beobachtung. Der Kreis Wesel ist in Übereinstimmung mit dem NRW-Umweltministerium zu dem vorläufigen Schluss gekommen, dass eine „Entnahme“ - also eine Tötung - oder Vergrämung (Vertreibung) des Tieres unter den gegebenen Umständen nicht zu rechtfertigen ist.

Wolfsrisse verärgern Bauern und Tierbesitzer

Leider hatte es wohl auch im vergangenen Monat mutmaßliche Wolfsrisse an zwei Schafen in Kirchhellen gegeben. Dabei hat der Naturschutzbund NABU für Tierhalter Schutzmöglichkeiten vor Wolfsattacken gezeigt. In Hamminkeln führte der NABU mehrere Zäune vor, die auch elektronische Sicherungen haben. Die Region um Schermbeck, die in die Kreise Recklinghausen, Kleve, Wesel und Borken reicht, ist eines von drei Gebieten in Nordrhein-Westfalen, in denen sich ein Wolf angesiedelt hat. Aber auch in anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen wurden Wölfe gesichtet.

Wolfsgesetz macht Menschen auch nicht glücklich

Das Gesetz „Lex Wolf“ sollte sie eigentlich ins Gleichgewicht bringen: den Naturschutz und die Interessen der Schafhirten und Bauern. Doch ein halbes Jahr, nachdem eine „Lex Wolf“ den Abschuss der Tiere erleichtert hat, zeigt sich: Zufrieden ist damit kaum jemand. Bauern beklagen die steigende Zahl gerissener Nutztiere, Naturschützer den Fokus auf Abschussgenehmigungen, der den Blick auf andere Hilfen verstelle.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordert weitere Schritte. „Dass die gesetzlichen Änderungen ausreichen werden, glaube ich kaum“, sagte die CDU-Politikerin. Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten. „Die Anzahl der Wolfsangriffe auf Tiere und Herden steigt kontinuierlich, Weidetierrisse nehmen zu.“ Menschen in ländlichen Regionen seien verunsichert. Von einer „Lex Wolf“ könne erst die Rede sein, wenn es ein „Bestandsmanagement“ gebe – also auch vorsorglich gejagt werde.

Das ist verboten, denn Wölfe sind in der EU und in Deutschland streng geschützt. Nun ist es ein halbes Jahr her, dass der Bundesrat den Abschuss dennoch erleichtert hat – jedenfalls ein bisschen. Wenn es Angriffe auf Nutztiere gibt, dürfen seitdem auch Wölfe geschossen werden, wenn nicht klar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafe gerissen hat – so lange, bis die Angriffe aufhören, selbst wenn ein ganzes Rudel sterben muss. Aber es muss weiter jeder einzelne Abschuss genehmigt werden. „Gloria“ aus dem Wolfsgebiet Schermbeck steht nicht auf der Abschussliste. Das hat der Kreis Wesel Ende Juni entschieden. Eine „Entnahme“ sei nicht zu rechtfertigen, hieß es.

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