Wolfsgebiet

Wolf springt über Zwei-Meter-Zaun

DINSLAKEN - Im Kreis Wesel sind zehn Stück Damwild gerissen worden. Jetzt fragen sich Nutztierhalter, ob der von Behörden empfohlene Schutz ausreichend ist.

Zehn Stück Damwild sind in der Nacht von Freitag auf Samstag in Dinslaken (Kreis Wesel) gerissen worden. „Ein weiteres Tier ist in der Nacht zu Montag verendet“, sagt Besitzer Klaus Dickmann. Der Zwei-Meter-Zaun half nicht. Insgesamt 30 Tiere befanden sich im 2,5 Hektar großen Gehege, das sich direkt am Hof Dickmann befindet. Jetzt sind es nur noch 19 und Dickmann hat die Befürchtung, dass weitere Tiere durch das Erlebnis so in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass sie ebenfalls verenden.

Ob es die Wölfin „Gloria von Wesel“ war, die im Kreis Wesel heimisch geworden ist, steht noch nicht fest. Zwei Wolfsberaterinnen hätten DNA-Spuren genommen. In rund drei Wochen könnte das Ergebnis der Untersuchung feststehen. Für Dickmann steht fest, dass es ein Wolf war. Die Tiere hätten den Biss an der Kehle gehabt, die Innereien seien rausgerissen gewesen.

Dickmann hatte die Tiere sicher gewähnt. Ein zwei Meter hoher Zaun aus stabilem Draht umgibt das Gehege. Konnte sich der Wolf vielleicht darunter durchgraben? Dickmann verneint das: „Der Draht ist eingewachsen.“ Die Wolfsberaterinnen seien dreimal am 20 Jahre alten Zaun rumgelaufen und hätten wie er selbst keine Beschädigung, kein Loch, nichts gefunden, was keine andere Erklärung zulässt, als dass der Wolf den Zaun überquert haben muss.

Dr. Matthias Kaiser, Fachbereichsleiter für Artenschutz beim Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV), hatte noch vor drei Wochen gesagt, dass Wölfe zwar springen könnten, dies aber lieber vermeiden würden: „Wenn ein Wolf nachts im Dunkeln springt, weiß er nicht, wie und wo er aufkommt.“ Und wenn sich ein Wolf am Bein verletze, „war’s das für ihn“. Es habe aber, so Kaiser, auch Fälle gegeben, in denen Wölfe über Zäune gesprungen seien.

Mit dem Fall in Dinslaken wird die Diskussion unter Nutztierhaltern neuen Zündstoff bekommen, die die vom LANUV empfohlenen 1,20 Meter hohen Strom-Zäune schon vorher als zu niedrig bezeichneten. Kaiser hatte sogar einen Grundschutz schon bei 90 Zentimetern gesehen.

Das Wolfsgebiet

Das ausgewiesene Wolfsgebiet in NRW erstreckt sich auf Teile der Kreise Wesel, Kleve, Borken, Recklinghausen (Stadtgebiet von Dorsten) sowie auf Bottrop und Oberhausen.

Überall dort ist nun „vorbeugender Herdenschutz“ möglich. (Elek-tro-)Zäune, Herdenschutzhunde und weitere Maßnahmen, die den Wolf von Schafen und Ziegen trennen, fördert das Land hier mit bis zu 80 Prozent der Kosten.

Dickmann will seinen Zaun oben mit einem Stromdraht verstärken, der im Winkel von 45 Grad nach außen abstehen soll. Ob er dafür eine Förderung bekommen kann, wisse er nicht. Zunächst müsse der Nachweis geführt werden, dass es sich wirklich um einen Wolf gehandelt habe.

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