Zorc: "Sieg des Willens"

BVB nach Gegentor mit Glück und Entschlossenheit

Dortmund - Borussia Dortmund besiegt nach harter Arbeit den VfB Stuttgart mit 3:1, verliert aber die Tabellenführung. Dennoch ist die Erleichterung im BVB-Lager groß.

Jadon Sancho wickelte sich die wärmende Decke einfach eng um den Kopf und zog diesen zwischen die Schultern, als er sich auf den Weg machte, um den Fans im weiten Rund zu danken. Der Regen peitschte über den Rasen des Signal Iduna Parks, ein orkanartiger Wind begleitete die Jubelrunde des Engländers, auf die er trotz der widrigen Bedingungen nicht verzichten mochte.

Nicht nur aus Sancho brach nach dem mühsamen Erfolg gegen einen sehr gut organisierten VfB aus Stuttgart die riesengroße Erleichterung heraus. Als der BVB nach der eigenen Führung mal wieder viel zu leicht ein Gegentor fing und es 1:1 stand, da drohte die Krise der Borussia nach zuvor nur einem Sieg aus den letzten acht Pflichtspielen ihre Fortsetzung zu finden, da drohte Borussia Dortmund vielleicht schon vorentscheidenden Boden im Titel-Zweikampf zu verlieren.

Favre sorgt mit Pulisic-Einwechslung für den entscheidenden Impuls

Am Ende aber feierte der BVB "einen hoch verdienten Sieg", wie Sebastian Kehl meinte, der das 3:1 als "enorm wichtig" einstufte. "Damit wir Ruhe reinkriegen." Anders als in einigen Spielen zuvor ging mit dem Gegentor ein Ruck durch die Mannschaft. "Wir wollten unbedingt gewinnen", freute sich auch Lucien Favre über das Aufbäumen, er selbst sorgte mit der Einwechslung von Christian Pulisic für den diesmal entscheidenden Impuls.

Die späten Treffer von Paco Alcacer (84.) und Pulisic (90.+1) rückten die Kräfteverhältnisse bei extrem schwierigen Bedingungen zurecht. Dortmund war die spielbestimmende Mannschaft, stieß aber gegen das kompakte 5-3-2 der Gäste immer wieder an seine Grenzen. "Einen riesengroßen Bus" hätten die Schwaben vor ihrem Tor geparkt, scherzte Favre, und die Chance, nach dem 1:0 durch Marco Reus' sicher verwandelten Foulelfmeter mehr Räume zu bekommen, verpuffte durch den postwendenden Ausgleich.

Schon zehn Standard-Gegentore für den BVB

"Viel zu leicht", befand Kehl, sei auch dieses Gegentor gefallen, "da müssen wir uns viel cleverer verhalten. Auch wenn wir Raumdeckung spielen, ist jeder dafür verantwortlich, mit seinem Mann zu gehen!" Abdou Diallo ließ Torschütze Marc-Oliver Kempf einfach entwischen. Es war das zehnte Standard-Gegentor in dieser Saison, "deutlich zu viele", wie Kehl anmerkte.

Mit Glück und großem Willen wendete die Borussia die nächste Enttäuschung dann doch noch ab. Alcacer, der vor dem Ausgleich die große Möglichkeit zum 2:0 noch vergeben hatte, stocherte nach Pulisics Dribbling den Ball in den Winkel, nach dem schönsten Spielzug über den wieder besten Dortmunder Mario Götze machte Pulisic den Deckel drauf.

"Es war ein Sieg des Willens", merkte Sportdirektor Michael Zorc an, "aber das ist völlig in Ordnung. Wir wollten Intensität in unser Spiel bekommen. Das ist gelungen."

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