Freitagmittag war das Dach der ehemaligen Gaststätte „Zur Linde“ schon fast abgeknabbert. Wegen der Abrissarbeiten wurde die Groß-Erkenschwicker-Straße an der Kreuzung „Pieper“ für mehrere Stunden gesperrt.
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Freitagmittag war das Dach der ehemaligen Gaststätte „Zur Linde“ schon fast abgeknabbert. Wegen der Abrissarbeiten wurde die Groß-Erkenschwicker-Straße an der Kreuzung „Pieper“ für mehrere Stunden gesperrt.

Ecke Esseler-/Groß-Erkenschwicker-Straße

Ehemalige Gaststätte "Zur Linde" abgerissen

  • Michael Dittrich
    vonMichael Dittrich
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OER-ERKENSCHWICK - Rudolf Ludbrock (56) knabbert am Freitag mit seiner Baggerschaufel den großen Holzgiebel vom Fachwerkhaus, ohne dass dabei etwas auf die Straße fällt.

Von der anderen Seite der Groß-Erkenschwicker-Straße verfolgen etliche Nachbarn mit etwas Wehmut den Abriss der ehemaligen Gaststätte „Zur Linde“. Waltraud Neumann (77) erinnert sich daran, als das Lokal vor 30 Jahren geschlossen wurde: „Ein Teil des Inventars wurde aufgelöst. Ich habe ein Gemälde mitgenommen, es zeigt das Motiv eines Mannes mit einem Weinglas in der Hand. Es hängt heute noch bei mir zu Hause.“ Alle Nachbarn seien traurig. „Mit dem Abriss des Fachwerkhauses fehlt doch etwas in Oer.“

Auch Winfried van Kempen (75) macht sich so seine Gedanken, was gewesen wäre, wenn: „Ich habe damals ganz ernsthaft überlegt, das Lokal zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Hans-Peter Kalfhaus zu übernehmen. Ich als Koch und er an der Theke.“ Ein Veto seiner Ehefrau sorgte dafür, dass aus den Kneipenplänen nichts wurde. „Sie drohte damit, dass wir dann geschiedene Leute seien“, meinte Winfried van Kempen.

Schon um 7 Uhr in der Früh begann das Abrissunternehmen Ludbrock mit dem Abriss der „Linde“. Im Volksmund wurde das Lokal auch „Pieper“ genannt. Die Garagen waren schon am Mittwoch gewichen, das Gebäude wiurde schon vor zwei Wochen entkernt, Dämmwolle und Styropor getrennt in Säcke verpackt. Um 11 Uhr wurde die Groß-Erkenschwicker- Straße gesperrt. „Der Holzgiebel hätte auch runterfallen können.“, sagt Jonas Ludbrock (23).

Während Investor Oliver Mumme (42) und Sohn Lennard (12) den Abriss von oben mit einer Drohne filmen, sortiert Rudolf Ludbrock mit viel Fingerspitzengefühl an den beiden Steuerknüppeln beim Abriss gleich die Abfälle. Das Holz wandert in einen großen Container. Man kann an den morschen Balken gut sehen, dass der Wurm drin ist. Metalle und Kunststoffe werden ebenfalls getrennt. „Mischabfälle wären fünf Mal teurer als reiner Bauschutt“, sagt Jonas Ludbrock.

Unternehmer Oliver Mumme aus OE hat das 5000 m² große Grundstück an der Ecke Esseler/Groß-Erkenschwicker-Straße gekauft. Dort ist ein Zehnfamilien-Haus mit jeweils vier Wohnungen im Erdgeschoss und ersten Stock und zwei Penthouse-Wohnungen geplant. Dahinter ist noch Platz für acht Doppelhaushälften oder vier Einfamilienhäuser.

Als um 11.35 Uhr der Kamin kippt und durch die Holzdecken kracht, wird das Fachwerkhaus in eine dichte Staubwolke gehüllt. Am späten Nachmittag ist die „Linde“ nur noch Geschichte.

Mehrfamilienhaus entsteht in Oer - warum ein Anwohner dagegen protestiert.

Überdimensioniert oder rechtens?

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