Von Oer-Erkenschwick in die USA: Ein Oer-Erkenschwicker berichtet über Präsidentschaftswahl und Coronakrise.
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Von Oer-Erkenschwick in die USA: Ein Oer-Erkenschwicker berichtet über Präsidentschaftswahl und Coronakrise.

Blick in die USA

Corona, Trump und eine besondere Hochzeit - ein Auswanderer aus Oer-Erkenschwick berichtet

  • Regine Klein
    vonRegine Klein
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Ein 35-Jähriger aus Oer-Erkenschwick zog vor fünf Jahren nach Indianapolis, und erzählt nun von seinen Eindrücken zur Präsidentschaftswahl und der Coronakrise.

Sie trotzten der Coronakrise: Im kleinen Kreis heiratete Bastian Himmeröder seine Verlobte Kelsey.

„Man darf jetzt nicht erwarten, dass sich in kurzer Zeit alles um 180° dreht“, erklärt Bastian Himmeröder. Ein Faible für Politik hatte der 35-Jährige, der vor gut fünf Jahren von Oer-Erkenschwick nach Indianapolis in den USA ausgewandert ist schon zu Schülerzeiten am Willy-Brandt-Gymnasium, als er bei den Jusos einstieg, und später zu den Grünen wechselte. Das Interesse für Politik ist geblieben, auch in seiner neuen Heimat – den USA. Mit der Wahl von Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA verbindet Himmeröder eine Hoffnung: „Dass damit die Schärfe und spalterische Aussagen aus dem Oval-Office verschwinden. Trump ist Ursache und Symptom. Die Spaltung des Landes war es, die ihn ins Amt gebracht hat. Und er wurde genau dafür auch gewählt. Man darf nicht vergessen: Er hat immer noch 70 Millionen Wähler.“ Mit dem Wechsel im Weißen Haus erhofft sich Himmeröder auch eine Besserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Trumps Weigerung ist für Mann aus Oer-Erkenschwick keine Überraschung

Dass Donald Trump seine Niederlage nicht anerkennt, sei aber keine Überraschung. „Das kam mit Ansage. Und er hat viel Unterstützung von seiner Anhängerschaft“, erzählt Himmeröder, der die derzeitige Situation als sehr problematisch für eine Demokratie erachtet. Sollte das nun zur Norm bei jeder Wahl werden, dann habe die Demokratie in den USA ein großes Problem. „Aber ich hoffe, das hat sich in den nächsten Wochen erledigt. Bislang war kein Gerichtsverfahren erfolgreich.“

Hochzeit unter Coronabedingungen

Und dann ächzt das Land auch noch unter der Corona-Krise. Der mittlere Westen der USA, indem auch der Bundesstaat Indiana liegt, blieb lange Zeit weitestgehend verschont, die ersten Coronawellen überrollten New York und die Südstaaten. „Doch jetzt explodieren auch hier die Zahlen. Jeder kennt jemanden, der betroffen ist.“ Im September hat Bastian Himmeröder aus Oer-Erkenschwick seine Verlobte Kelsey geheiratet, unter Coronabedingungen. Eigentlich waren 60 Gäste geladen, gefeiert wurde nun zu Acht in einer Winzerei unter freiem Himmel. Die Gäste aus Kalifornien, Washington D.C., von der Ostküste und Deutschland waren per Zoom-Meeting live im Internet dabei. „Es war eine schöne Hochzeit. Die lokalen Bestimmungen hätten sogar eine größere Feier erlaubt, aber das wollten wir nicht, aus Verantwortungsbewusstsein.“

Dieses Jahr kein Besuch in Oer-Erkenschwick

Das ist auch der Grund, warum Himmeröder seit März nicht nur auf der Arbeit Maske trägt, und auch das Social Distancing sehr ernst nimmt. Zwar habe gerade in den Großstädten das Tragen einer Maske zugenommen, trotzdem werden die Corona-Maßnahmen von großen Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen. „Das Wort Freiheit kennen die Amerikaner nur in Großbuchstaben. Jeder Ansatz von staatlichem Eingriff ins Private oder Ökonomische wird abgelehnt. Man muss aber auch bedenken, dass der Jobverlust durch einen Lockdown für viele auch sofort existenzbedrohend ist, da es kaum soziale, staatliche Hilfen gibt“, gibt Himmeröder zu bedenken. „Trotzdem ist es schade, dass zumindest das Tragen einer Maske nicht auf breiteren Schultern getragen wird.“ Und was wünscht sich Bastian Himmeröder ganz persönlich? „Endlich Familie und Freunde in Deutschland und Oer-Erkenschwick wieder besuchen zu können.“

  • Indianapolis ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Indiana. Bei der Volkszählung 2010 wurden 829.718 Einwohner gezählt, was es zur zweitgrößten Stadt im mittleren Westen der USA macht. Indianapolis wurde 1821 gegründet. Der Bundesstaat Indiana ist eine der Hochburgen der Republikaner: ein Red State im mittleren Westen, geprägt von Landwirtschaft und kleinstädtischer Siedlungsstruktur. Indiana hat bei der Präsidentschaftswahl für Donald Trump gestimmt. Mit einer doppelt so großen Fläche wie Niedersachsen gehört er zu den mittelgroßen US-Bundesstaaten.

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