Das Landgericht Bochum behandelt einen Fall von Unterschlagung durch einen Mann aus Oer-Erkenschwick.
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Das Landgericht Bochum behandelt einen Fall von Unterschlagung durch einen Mann aus Oer-Erkenschwick.

Landgericht Bochum - Jetzt mit Update

51-Jähriger aus Oer-Erkenschwick wegen Untreue vor Gericht - jetzt steht das Urteil fest

  • Werner von Braunschweig
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Rund eineinhalb Jahre nach seiner vorläufigen Festnahme muss sich ein 51-Jähriger aus Oer-Erkenschwick vor Gericht verantworten. Die Anklage skizziert einen dreisten Untreueskandal. Jetzt steht das Urteil fest.

  • Der Angeklagte legt ein Teilgeständnis ab
  • Pflegeverein wurde von Ex-Geschäftsführer aus Oer-Erkenschwick geschädigt
  • Richter drohen Haftstrafe an

Update, 1. September, 15.46 Uhr: Nach dem Untreue-Skandal bei einem Gesundheits- und Pflegeverein ist der ehemalige Geschäftsführer aus Oer-Erkenschwick am Dienstag am Bochumer Landgericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. In der Urteilsbegründung war unter anderem von „niederträchtigem Verhalten“ und „schamloser Bereicherung“ die Rede. Dass sich der Oer-Erkenschwicker trotz seines letztlich doch noch vollumfänglich abgelegten Geständnisses am Ende keine Chance auf eine Bewährungsstrafe verdient habe, begründete die 13. Wirtschaftsstrafkammer mit dem „überdurchschnittlichen Maß an persönlicher Schuld und verfestigter krimineller Energie“. Außerdem sei bis jetzt nicht ein Cent Schadenwiedergutmachung geleistet worden. Das Gericht stellte fest, dass der Oer-Erkenschwicker das Vermögen des Herner Pflegevereins in 261 verbliebenen Untreue-Fällen um mehr als 128.000 Euro geschädigt hat. Ursprünglich waren 337 Taten angeklagt gewesen. Aus prozessökonomischen Gründen waren am vorletzten Prozesstag aber noch alle Einzelfälle mit Schäden unter 100 Euro eingestellt worden.

Mann aus Oer-Erkenschwick kauft mit Vereins-Kreditkarte ein

Laut Urteil hat der Oer-Erkenschwicker jahrelang über die vereinseigene Kreditkarte privat eingekauft, Bargeld vom Bankautomaten abgehoben, bei Amazon bestellt und für Urlaubsreisen, Massagebehandlungen, Bundesligakarten und Weihnachtsgeschenke für den Stiefsohn einfach seinen Arbeitgeber bezahlen lassen. „Die Art und Weise, wie er sich in nahezu allen Bereichen des privaten Lebens bereichert hat, offenbart ein maßloses übersteigertes Gewinnstreben“, sagte Richter Carsten Schwadrat in der Urteilsbegründung. Dass der 51-Jährige aus Oer-Erkenschwick zur Rechtfertigung gegenüber misstrauisch gewordenen Mitarbeitern zum Schluss in seinem Dienstvertrag durch Manipulation eine Art „Selbstbedienungserlaubnis“ verankert hatte, „offenbart zusätzlich eine rechtsfeindliche Gesinnung“, urteilten die Bochumer Richter.

Update, 15. August, 14.54 Uhr: Es gab ein Teilgeständis im Untreue-Prozess gegen einen Ex-Geschäftsführer eines Krankenpflegevereins: Der Angeklagte (51) aus Oer-Erkenschwick hat am Bochumer Landgericht mehr als 300 einzelne Geld- und Sachzuflüsse mit einem Volumen von mehr als 90.000 Euro als „privat veranlasst“ abgenickt. Gleichzeitig verwies der Ex-Vereins-Chef jedoch auch auf eine Art „Selbstbedienungserlaubnis“ - doch die Richter zweifeln. Auch den Vorwurf, ab Oktober 2017 Vorstandbeschlüsse fingiert und sich so unter anderem im Alleingang eine 20-prozentige Gehaltserhöhung, eine einmalige Sonderzahlung sowie den Erlass eines Arbeitgeberdarlehens verschafft zu haben, wies der Oer-Erkenschwicker zurück. Richter Carsten Schwadrat warnte den Angeklagten. „Vielfältige Anhaltspunkte“ in den Akten ließen die von ihm behauptete, angebliche Sachzuwendungs-Zusage seitens des Vereins als ein plump zurechtgelegtes Alibi erscheinen. Sollte er diesbezüglich am Ende als Lügner überführt werden, sei eine Bewährungsstrafe absolut unerreichbar.  

Unsere Erst-Berichterstattung:

Zum Prozessauftakt vor der 13. Wirtschaftsstrafkammer musste sich der Ex-Geschäftsführer von der Staatsanwaltschaft anhören: „Sie haben den Verein ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.“ Die Anklage wirft dem Ex-Geschäftsführer aus Oer-Erkenschwick vor, in der Zeit vom 10. Januar 2014 bis zum 9. September 2018 das Vermögen der Pflegevereins um mindestens 144.728,28 Euro geschädigt zu haben. Der Mann soll unter anderem „regelmäßig und in großem Umfang“ die vereinseigene Kreditkarte „zur Bezahlung privater Zahlungsverpflichtungen und zur privaten Bargeldbeschaffung“ missbraucht haben. Ebenso soll er in Serie für private Urlaubsreisen nach London, Krakau oder Bibione, Bundesliga-Dauerkarten für den FC Schalke 04, Haushaltsgegenstände, Armbanduhren, Streaming-Abos und Anziehsachen den Verein bezahlen lassen haben. Laut Anklage ließ er sich über das Onlinekaufhaus Amazon unter anderem auch eine Waschmaschine, eine Spülmaschine und zwei Taschenfederkernmatratzen auf Vereinskosten zu sich nach Hause in Oer-Erkenschwick liefern.

Oer-Erkenschwick: Monatliches Gehalt aufpoliert

Darüber hinaus soll der 51-Jährige nach dem Ausscheiden dreier Vorstandsmitglieder ab Mitte 2017 den Familien- und Krankenpflegeverein praktisch alleine geführt und schon kurz danach mit einem fingierten Vorstandsbeschluss sein Gehalt - in der Einkommensstatistik liegt Oer-Erkenschwick in NRW weit hinten - mal eben von 7500 Euro auf 9000 Euro monatlich aufpoliert haben.

Mann aus Oer-Erkenschwick droht mehrjährige Haftstrafe

Die Richter signalisierten dem Oer-Erkenschwicker, der offenbar bereits bei einem vorherigen diakonischen Arbeitgeber in Recklinghausen wegen ähnlicher Vorwürfe unter Verdacht geraten und deswegen geschasst worden war, zum Auftakt, dass eine Bewährungsstrafe am Ende nahezu ausgeschlossen, weil nicht vertretbar sei. „150.000 Euro Schaden sind für uns keine Peanuts“, sagte Richter Carsten Schwadrat. Im Falle eines Geständnisses und bei geleisteter Schadenwiedergutmachung könnte für den 51-Jährigen eine Haftstrafe im Bereich von zwei Jahren und drei Monaten bis zu zwei Jahren und neun Monaten herauskommen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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