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Erinnerungen an den Abschluss einer turbulenten August-Woche: Mehr als 1000 Menschen demonstrierten in der City gegen Rassismus und mehr Toleranz, nachdem vier Tage zuvor 134 Flüchtlinge nach OE kamen.

Flüchtlingshilfe

Als die ganze Stadt deutlich Flagge zeigte

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OER-ERKENSCHWICK - Es ist ruhiger geworden in der Öffentlichkeit um die „Flüchtlingshilfe“. Im August 2015 war das anders. Es war der Monat von Willkommenskultur und Hilfsaktionen. Was ist geblieben?

Dieser Montagabend und die folgenden Tage gehen damals in die Stadtgeschichte ein. 134 Flüchtlinge ziehen binnen weniger Stunden in eine eigens geschaffene Notunterkunft ein. Als der Bus auf den Hof der ehemaligen Westerbachschule an der Schultenstraße einbiegt, gibt es eine Szene, die um die Welt geht. Menschen stehen mit Sonnenblumen und „Willkommen“-Plakaten am Straßenrand. Ein junger Mann aus Syrien filmt aus dem Bus die Ankunft, binnen weniger Stunden macht das Video weltweit im Internet die Runde. Oer-Erkenschwick wird kurzzeitig zum Symbol für Respekt und Toleranz.

Die folgenden Tage geraten indes für unzählige ehrenamtliche Helfer, das DRK, Feuerwehr, THW oder Stadtverwaltung zur Herkulesaufgabe. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung wächst, in wenigen Stunden wird an der Johanneskirche eine Sammelstelle für Kleidung eingerichtet. Gleichwohl droht zum Ende der Woche Ungemach: Im Internet verbreitet sich die Nachricht einer geplanten „Demonstration gegen Asylbetrug“, organisiert von Gruppierungen aus dem rechtsextremen Spektrum. Da auch linksgerichtete Gruppen ihr Kommen ansagen, gilt höchste Alarmbereitschaft. Einen Tag zuvor sagen die Organisatoren die Demo schließlich ab. „Aus Sicherheitsgründen“, wie es heißt. Mehr als 1.000 Menschen finden sich trotzdem in der City ein, sie setzen ein deutliches Zeichen gegen Rassismus.

Flüchtlingshilfe weiter präsent

Was ist geblieben von dieser außergewöhnlichen August-Woche? Längst haben andere Themen die Flüchtlingshilfe verdrängt. „Aber wird sind weiterhin präsent und das ist auch wichtig“, sagt Dirk Meyer-Adams. Der Oer-Erkenschwicker war und ist eine der Triebfedern, wenn es darum geht, Asylbewerbern den Einstieg ins Leben in neuer Umgebung zu erleichtern. Wichtige Anlaufstelle bleibt dabei das „Café International“ im evangelischen Gemeindezentrum. Mehr als 20 Flüchtlinge kommen immer noch regelmäßig dorthin. „Wer schon länger in Oer-Erkenschwick wohnt, bleibt oft dabei. Bei Menschen, die gerade neu angekommen sind, braucht es indes oftmals länger.

Die 134 Flüchtlinge, die vor genau drei Jahren an einem einzigen Abend nach OE kamen, waren nicht die einzigen, denen geholfen werden musste. Bis Dezember 2015 stieg die Zahl auf 331 an, ein Jahr später gar auf 387, so die Erste Beigeordnete Gabriele Langemeier-Conrad. - Als Unterkünfte diente neben der ehemaligen We-sterbachschule und dem Haus Lindenstraße 2 ab dem 1. November 2015 auch ein Trakt im Hotel Stimbergpark. Diese Lösung ist inzwischen Geschichte, zum 31. Oktober 2018 ist der Vertrag zwischen Stadt und Hotel aufgelöst. Schon jetzt sind die aktuell 170 Flüchtlinge nur noch in der Westerbachschule (85), an der Lindenstraße (46) sowie in neun Wohnungen (39) untergebracht. So lange Bedarf besteht, wird laut der Beigeordneten die Westerbachschule als Standort beibehalten. - Die meisten der 170 Personen kommen aktuell aus Guinea (20), gefolgt von Irak (17), Afghanistan (16) sowie Bangladesh und Nigeria (jeweils 15).

Viele persönliche Kontakte zwischen ehrenamtlichen Helfern und Asylbewerbern sind inzwischen entstanden, erzählt Meyer-Adams. Das müsse auch so bleiben. Denn auch wenn die Flüchtlingshilfe inzwischen oftmals eher im Verborgenen greift, Arbeit gibt es weiter reichlich. Die Zahl der Asylbewerber ist im Vergleich zu 2015-2017 zwar rückläufig (siehe „Info“). Aber die Zahl von aktuell 170 Menschen bleibt ein deutliches Indiz dafür, dass es auch am Stimberg noch Bedarf an Unterstützung gibt.

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