Jubiläum

Der Letzte seiner Zunft - das macht „Hotte“ nach 25 Jahren so einzigartig in Oer-Erkenschwick

  • Jörg Müller
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Sein Handwerk scheint auszusterben. Zumindest in Oer-Erkenschwick. Doch Horst „Hotte“ Kilimann denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Horst Kilimann, den seine Kunden und Freunde nur „Hotte“ nennen, ist eigentlich Schlosser. Doch er hat als „Spätberufener“ auch das Schusterhandwerk erlernt. Und nach nunmehr 25 Jahren Selbstständigkeit ist er der letzte seiner Zunft in Oer-Erkenschwick. Ans Aufhören verschwendet der 56-Jährige keine Gedanken: „Die Rente ist bei mir noch lange nicht in Sicht. Aber ich mache den Job auch gerne und liebe vor allem den Kontakt zu meinen Kunden“, sagt „Hotte“.

Seit zwölf Jahren an der Stimbergstraße in Oer-Erkenschwick

Seit zwölf Jahren firmiert er an der Stimbergstraße 185. Zuvor war er im V-Markt Schulte (heute: Edeka Zierles) ansässig. An der Stimbergstraße will er auch bleiben. „Es haben zwar Kunden aus Recklinghausen versucht, mich für die Kreisstadt abzuwerben, aber ich bleibe Oer-Erkenschwick treu, obwohl ich weiterhin in Recklinghausen lebe“, sagt der 56-Jährige. Sichtbares Zeichen dafür ist, dass Kilimann sein Ladenlokal im Jubiläumsjahr von Grund auf renoviert hat. „Das war dringend nötig“, lächelt „Hotte“ und widmet sich schon wieder dem nächsten Kunden.

In seinem Element: Schumacher Horst Kilimann bei einer Schuhreparatur.

Auch ein Schlüsseldienst für Oer-Erkenschwick

Frequentiert ist das Geschäft von Horst Kilimann in Oer-Erkenschwick eigentlich immer gut. Viele schauen auch einfach nur mal auf ein Schwätzchen vorbei. „Dafür nehme ich mir immer Zeit“, sagt „hotte“. „Schließlich darf das Zwischenmenschliche nicht auf der Strecke bleiben.“ Kilimann bietet in seinem Geschäft nicht nur Schuhreparaturen an. Wer einen neuen Schlüssel braucht, ist bei ihm ebenfalls an der richtigen Adresse. Und: Im Jubiläumsjahr hat „Hotte“ sein Geschäftsfeld um den Bereich Sicherheitstechnik und Türöffnungen erweitert. Dass es gerade im letztgenannten Bereich viele schwarze Schafe gibt, die ihre Kunden am Ende Rechnungen mit Wucherpreisen präsentieren, weiß Horst Kilimann. „Bei mir gibt es so etwas natürlich nicht, denn ich möchte meinen Kunden hier in meinem Geschäft weiterhin guten Gewissens in die Augen schauen“, sagt der 56-Jährige.

Schumacher-Handwerk geht es auch in Oer-Erkenschwick nicht gut

Auch Schuster „Hotte“ leidet unter der aktuellen Corona-Pandemie. „Die Zeiten sind im Moment wirklich nicht besonders gut“, seufzt er. Kein Wunder: Wegen Schuhreparaturen kommen meist nur noch ältere Kunden. „Weil die noch Schuhe besitzen, die man reparieren kann“, sagt „Hotte“. Dass es dem Schumacher-Handwerk auch in Oer-Erkenschwick nicht gut geht, zeigt sich auch daran, dass Horst Kilimann der letzte Vertreter dieses Handwerks am Ort ist. „Als ich vor einem Vierteljahrhundert angefangen habe, da waren wir noch zu fünft in der Stadt. Und beim Schlüsseldienst ist es ähnlich. Da sind sogar große Ketten mit vielen Filialen pleite gegangen.“ Horst Kilimann setzt immer noch auf seine Maschinen, die bei ihm seit einem Vierteljahrhundert störungsfrei laufen. „Deutsche Wertarbeit halt“, sagt der Schumacher. Wertarbeit, die Schumacher „Hotte“ stets auch für seine Kunden abliefern will. „Es ist nämlich schön, zu sehen, was man mit seinem Handwerk geschaffen hat.“

Rubriklistenbild: © Jörg Gutzeit

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