Mitten in der Haard

Von wegen hart im Nehmen - in Oer-Erkenschwick bekommen selbst altgediente Bergleute feuchte Augen

  • Jörg Müller
    vonJörg Müller
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Einst war es ihr beruflicher Mittelpunkt. Jetzt sind drei Bergleute aus Oer-Erkenschwick zurückgekehrt an einen ganz besonderen Ort mitten in der Haard.

Unzählige Male sind sie hier „angefahren“. So nennt es der Bergmann, wenn er sich mit einem Förderkorb tief in die Erde zu den Steinkohle-Flözen bringen lässt. Und jetzt stehen Betriebsschlosser Martin Ostdorf (58), Elektroanlagen-Installateur Volker Seemann (62) und Starkstrom-Elektriker Ferdi Struck (63) aus Oer-Erkenschwick an der Redder Straße mitten in der Haard und müssen schlucken. „Traurig“, sagen sie immer wieder. „Einfach nur traurig.“

Betriebsräte aus Oer-Erkenschwick erinnern sich an den schwarzen Freitag

Von „ihrem“ Pütt ist kaum noch etwas zu sehen. Bagger machen sich über die Reste des Schachtbaus her, der einst zum Bergwerk Haard in Oer-Erkenschwick gehörte und der in der vergangenen Woche gesprengt wurde. „Wir haben bis zuletzt an die Zukunft geglaubt“, findet dann Volker Seemann doch wieder Worte. „Der Haardschacht war zu seiner Zeit der neueste Stand der Bergbautechnik. Von hier aus sollte die Nordwanderung des Steinkohlebergbaus in Richtung Olfen starten.“ Aber dann kam dieser eine Freitagabend Anfang 1991. Seemann und Ostdort waren mittlerweile freigestellte Betriebsräte des Pütts in Oer-Erkenschwick: „Da ist uns während einer außerordentlichen Sitzung der Verbund mit dem Recklinghäuser Bergwerk General Blumenthal mitgeteilt worden. Es herrschte eisige Stimmung, wir waren einfach nur enttäuscht“, erinnert sich Martin Ostdorf noch sehr gut.

Erinnerten sich an der Haardschacht-Rückbaustelle an ihre aktive Zeit auf dem Bergwerk Haard: (v.l.) Martin Ostdorf, Volker Seemann und Ferdinand Struck.

Kollegen aus Oer-Erkenschwick, Datteln und Waltrop

Alle drei haben teils mit ihren Familien 1977 am ersten Spatenstich und 1983 an der Eröffnungsfeier in Oer-Erkenschwick teilgenommen. „Ich habe heute noch meine Durchfahrtsgenehmigung und meine Parkmarke“, sagt Volker Seemann und zeigt die heutigen Erinnerungsstücke. Und dann blicken sie wieder auf das Gelände. Dort rummst es laut. Der Bagger hat wieder ein großes Stück aus der Schacht-Ruine herausgebrochen. Und dann erzählen sie von ihren Söhnen, die noch „auf dem Pütt“ gelernt haben und von den vielen Begegnungen mit guten Kollegen aus Oer-Erkenschwick, Waltrop und Datteln. „Wir dachten, der Haardschacht bietet auch unseren Kindern noch eine sichere Zukunft. Aber die weitere Entwicklung ist ja bekannt. Jetzt ist alles vorbei“, sagt Volker Seemann, der heute noch als Vorsitzender der IGBCE-Ortsgruppe Oer-Erkenschwick aktiv ist.

Rubriklistenbild: © Meike Holz

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