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Für die Schwestern Olga Bojarski und Daniela Grabowski sowie Yigit Muharrem ist es selbstverständlich Anzeige zu erstatten.

Kampstraße

Zwerg-Spitz vergiftet sich beim Gassi-Gehen

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OER-ERKENSCHWICK - Beim Spaziergang an der Kampstraße hat Zwerg-Spitz „Genri“ offenbar einen Köder gefressen. Zwei Tage später wird der Hund eingeschläfert. Die Familie trauert – und möchte andere warnen.

Heiße Tränen laufen Daniela Grabowski am Freitag über das jugendliche Gesicht. Seit wenigen Minuten weiß sie, dass ihr „Genri“ eingeschläfert wurde. Die Verletzungen durch die Vergiftung waren einfach zu schwer. Jetzt steht die 15-Jährige mit Schwester Olga Bojarski und ihrem Lebenspartner Yigit Muharrem vor der Polizeiwache, um Anzeige zu erstatten – gegen Unbekannt.

Das blonde Mädchen war dabei, als „Genri Grugallahaus“ am Mittwochabend das Gift aufgenommen hatte. „Das Wetter war so schlecht, also haben wir abends nur eine kleine Runde gedreht“, erinnert sie sich. Die führte um das Haus Kampstraße 26. „Genri hat Wasser aus einer Pfütze getrunken, daneben lag so ein weißes Zeug. Dann wurde er ganz schläfrig. Auf dem Parkplatz am Haus ist ereinfach umgekippt.“ Bei der Erinnerungen steigen wieder Tränen in Danielas Augen. „Genri“, der flauschige Liebling der Familie, liegt auf dem Rücken, zuckt mit den Füßen. Daniela trägt den kleinen Rüden die letzten Meter hoch zu ihrer Mutter Galina Grabowski.

Besitzer hoffen auf Rettung

Auch sie steht unter Schock. „Wir hatten so gehofft, dass er es schafft.“ Der Zwerg-Spitz frisst nicht mehr, ist apathisch, Erbrochenes und Durchfall sind blutig. Die Hundebesitzer bringen ihr Haustier zum Arzt. Doch die Tierärzte der Klinik „AniCura“ in Recklinghausen haben keine Hoffnung, „Genri“ muss von seinem Leid erlöst werden. „Noch habe ich nicht den Bericht, aber mir wurde von der Klinik gesagt, dass der Hund vergiftet wurde“, sagt Muharrem.

Am 9. August 2017 kommt „Genri“ aus Weißrussland zu der Familie von der Kampstraße. Der fröhliche und verspielte Zwerg-Spitz dreht sich immer vor Freude um sich selbst, wenn seine Familie nach Hause kommt. „Außerdem stand er immer vor der Leckerli-Schublade, und schaute uns an“, weiß Daniela, die für ihren Hund sogar einen eigenen Instagram-Auftritt gepflegt hat.

Die Familie verlässt die Polizei-Wache mit der Anzeige in der Hand und dem Versprechen der Beamten, eine Streife vorbeizuschicken, die sich den Tatort anschaut. Lebendig wird der Rüde davon nicht mehr. Mit dem Gang zur Polizei und zur Stimberg Zeitung möchte die Familie andere warnen. „Nicht, dass andere Tiere oder noch viel schlimmer, Kinder, zu Schaden kommen“, erklärt Yigit Muharrem.

Katzenfutter lockt auch Ratten an

Ein eisiger Wind weht, als die Familie den Spazierweg abgeht. Vielleicht findet sich noch eine Spur. Nachbarn füttern Katzen, das Tierfutter lockt auch Ratten an. Vom Hausmeister kommt der Hinweis, er hätte vor einem Jahr ein halbes Brötchen, beschmiert mit Rattengift gefunden. Brot liegt auch auf der Wiese an der Hausnummer 26. „In den letzten Tagen hat es aber doch so geschüttet“, sagt Olga Bojarski mit schwindender Hoffnung.

Haben auch Sie Angst, dass Ihr Hund beim Spaziergang Gift fressen könnte? Gibt es markante „Gefahrenstellen“ hier vor Ort? Melden Sie sich in der Redaktion der Stimberg Zeitung telefonisch unter Tel. 0 23 68/91 72 44 14 oder per E-Mail an szredaktion@medienhaus-bauer.de - Wer Hinweise geben kann, meldet sich bei der Polizei unter Tel. 08 00/2 36 11 11. Hierhin können sich auch Bürger wenden, die generell Hinweise auf Giftköder geben wollen.

Wenn bestätigt ist, dass Gift der Grund für den Tod eines Tieres ist wie im Fall „Genri“, greift das Tierschutzgesetz, erklärt Polizei-Pressesprecher Michael Franz. Derzeit liegen der Polizei keine weiteren Verdachtsfälle vor. „Wir können Geschädigte und Personen, die etwas Auffälliges beobachten, nur bitten, sich bei uns zu melden. Nur so können wir auch reagieren.“ Ein solcher Verstoß gegen das Tierschutzgesetz wird mit Geldstrafen geahndet. Die Beweisführung sei oft schwierig. „Wir hatten schon Fälle, in denen Futter mit Nadeln oder Glasscherben gespickt wurde. Dann ist es eindeutig, dass Tiere absichtlich verletzt werden sollten“, erklärt Franz. Die Angst von Hunde- oder Katzenbesitzern sei verständlich. - Dass die Familie Grabowski ihren Zwerg-Spitz in einem Garten bestattet hat, ist übrigens rechtens. Denn wer über ein eigenes Grundstück verfügt, das nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt, darf ein kleines Haustier dort begraben. Voraussetzung: Es muss mind. 50 cm tief und nicht unmittelbar an einem angrenzenden öffentlichen Weg/Platz begraben werden. Das Begraben eines toten Tieres außerhalb des eigenen Grundstücks ist aus seuchenschutzrechtlichen Gründen verboten und kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

Herrchen Jakob Grabowski ist derweil nicht zu Hause, er hat „Genri“ von der Tierklink direkt zu Bekannten gebracht. Die haben einen Garten, in dem der Zwerg-Spitz seine letzte Ruhestätte findet. Am Freitagmittag um 11.45 Uhr ist das flauschige Tierchen bestattet, ein Bäumchen wächst nun auf seinem Grab…

Auch ein Schild an der neuen Hundewiese warnt vor den Gefahren.

Ein kleiner Terrier musste in der Haard einen harten Kampf überstehen. Jetzt geht es ihm besser.

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