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Das Flank-Stück, das hier Metzger Michael Toni Tewes in der Hand hält, war früher „nur“ Suppenfleisch, heute ist es als Steak eine Delikatesse. „Auch das ist eine Aufwertung des Tieres“, meint der Fachmann.

Ein Metzger erzählt - mit Video

Fleisch könnte teurer werden - warum darunter Tier und Mensch leiden würden

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Fleisch könnte demnächst teurer werden. Warum, und wer darunter dann schließlich zu leiden hätte, das erzählt Metzger-Meister Michael Toni Tewes aus Oer-Erkenschwick. 

Politiker, Tier- und Klimaschützer debattieren derzeit über die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch. Derzeit liegt der Satz bei reduzierten sieben Prozent, könnte aber dann auf 19 Prozent steigen. „Am Schluss wird der Kunde bestraft, vor allem der, der bereits jetzt hochwertiges Fleisch kauft“, befürchtet Metzger-Meister Michael Toni Tewes aus Oer-Erkenschwick und gibt zu bedenken: „Steuereinnahmen sind nicht zweckgebunden. Nur wenn Mehreinnahmen zur Belohnung für nachhaltige Produktion an kleine Betriebe gingen, wäre es ein denkbares Modell.“ Die Befürchtung sei groß, dass nur die großen Industriebetriebe mit ihren schlechten Bedingungen gefördert würden.

Bürger aus Oer-Erkenschwick zahlen mehr für Fleisch

In Zeiten von Klima- und Tierschutz dürfen Steak und Aufschnitt auch für die Bürger von Oer-Erkenschwick mehr kosten, wenn die Qualität stimmt. „Doch irgendwann springen die Kunden ab, gehen wieder zum Discounter. Denn sie können es sich einfach nicht mehr leisten“, blickt Tewes in die Zukunft. Kleine Betriebe müssten die Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben – um die Qualität weiter zu gewährleisten, aber auch um weiterhin faire Löhne zu bezahlen. „Dagegen werden Discounter wohl versuchen, die niedrigen Preise zu halten. Das geht nur auf Kosten von Qualität und Fairness“, sagt Tewes, der sein Fleisch von einem familiär geführten Schlachtbetrieb aus dem Münsterland bezieht. 

Der geschätzte Pro-Kopf-Fleisch-Verzehr lag 2018 bei 60,15 Kilogramm Fleisch, davon 35,7 Kilogramm Schwein. Der Durchschnittsdeutsche soll in seinem Leben insgesamt 1094 Tiere essen, darunter vier Kühe und Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner. Allein zwischen 1950 und 2009 hat sich der Fleischverzehr in Deutschland mehr als verdoppelt – im Vergleich zum Jahr 1850 vervierfacht. 

Am Donnerstag wird die Belegschaft von "Westfleisch" die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft NGG hat dazu aufgerufen

Michael Toni Tewes ist nicht nur Metzger-Meister, welche besondere Zusatzausbildung der 33-Jährige hat, lesen Sie hier.

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