Björn Kurzke von der Bürgerinitiative zeigt den Teilnehmern der Begehung auf dem Haldenweg, wo das Gewächshaus entstehen soll.
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Björn Kurzke (l.) zeigt den Teilnehmern der Begehung, wo das Gewächshaus entstehen soll.

Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung - Jetzt mit Update

Widerstand gegen Gewächshaus-Pläne auf Zechenhalde - aber jetzt übt der DGB-Ortsverband Kritik

  • Michael Dittrich
    vonMichael Dittrich
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In einem Mega-Gewächshaus auf dem ehemaligen Zechengelände sollen Tomaten und Paprika angebaut werden. Eine Bürgerinitative macht jetzt mobil gegen die Pläne.

Update, 15. Oktober, 14.48 Uhr: Bei einer zweiten und dritten von BIEF-Initiator Björn Kurzke organisierten Haldenbegehung in Oer-Erkenschwick informierten sich mehr als 50 interessierte Bürger darüber, wie viel unberührte Natur für das Mega-Projekt verschwinden würde. „Die für den 16. Oktober geplante Haldenbegehung muss ich leider wegen der Corona-Auflagen absagen. Vielleicht können wir das im November nachholen“, sagt Björn Kurzke. Argumente gegen die 100 Arbeitsplätze habe die BIEF keine, außer dass Harry Brot in Oer-Erkenschwick aktuell dafür gerade mal einen Hektar Fläche brauche. Gerade wegen der 100 Arbeitsplätze, die das Tomaten-Gewächshaus in Oer-Erkenschwick bringen soll, übt DGB-Ortsverbandsvorsitzender Werner Nilius jetzt heftige Kritik an der BIEF: „Vorausgesetzt, dass dort tarifgebundene Löhne bezahlt werden, unterstützen wir diese Pläne für das Zechengelände.“ Gerade für Menschen, die in der Schule nicht so gut aufgepasst haben, würden solche Arbeitsplätze in Oer-Erkenschwick gebraucht. Nilius meint: „Weil wir so viele Berufsauspendler haben, ist jeder zusätzliche Arbeitsplatz vor Ort wichtig. Wir dürfen doch mit solchen Bürgerinitiativen nicht alle Investoren abschrecken. Dann kommt bald keiner mehr nach Oer-Erkenschwick.“

Unsere Erstberichterstattung: Geht es nach Björn Kurzke (42), bleibt auf der Fläche unter der Zechenhalde alles so, wie es jetzt ist: nämlich unberührte Natur, die über den Zechenaltlasten gewachsen ist, die immer noch im Erdreich schlummern. Der Oer-Erkenschwicker hat die Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung (BIEF) ins Leben gerufen und informierte jetzt Interessierte bei einem Rundgang über das Gewächshaus-Gelände in Oer-Erkenschwick, was alles verschwindet, wenn die Pläne umgesetzt werden. „Das ist kein Pups, das ist etwas Großes. Nicht im Außenbereich, sondern mitten in der Stadt“, sagte Kurzke. Der BI-Gründer ist an der Von-Waldthausen-Straße aufgewachsen, hat verfolgt, wie die Halde in die Höhe gewachsen ist und wie sich dort die Natur in den Jahren nach der Zechenschließung die ehemalige Industriefläche zurückerobert hat.

Fläche für das Gewächshaus in Or-Erkenschwick ist so groß wie 14 Fußballfelder

Es sind nicht nur das Große Grüne Heupferd oder der Moderwurm, die den Weg der Teilnehmer bei der Begehung kreuzen. „Die hier entstandene Vegetation ist auch ein spannender Platz für Vögel. Ist diese Fläche einmal weg, lässt sich das nicht mehr zurückholen“, sagte Naturexperte Dr. Gerhard Laukötter. Rund 100.000 Quadratmeter groß – das sind zehn Hektar – soll das Gewächshaus für Tomaten und Paprika in Oer-Erkenschwick werden. Diese Fläche entspricht in etwa der Größe von 14 Fußballfeldern. Der Glaskasten wird etwa sieben Meter hoch. „Dazu kommen noch etwa 400 Quadratmeter für den Verwaltungstrakt und die Verpackungshalle“, sagt Projektleiter Thorsten Lind von der Fakt AG. Ab 2022 will dieser Investor Discounter und Lebensmittelmärkte in der Region mit frischem Gemüse aus Oer-Erkenschwick versorgen.

Für Bewässerung werden in Oer-Erkenschwick zwei Regenrückhaltebecken gebaut

Damit die Tomaten bei Trockenheit nicht verdursten, sollen neben der ehemaligen Zechenbahntrasse zwei Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Kubikmetern entstehen. Die Zufahrt soll nach aktuellem Planungsstand von der Ewaldstraße in Höhe des ehemaligen Landabsatzes erfolgen. Für die Heizung des Gewächshauses will die Fakt-AG das vorhandene Grubengas-Fernwärmenetz nutzen.

Noch fehlen Genehmigungen für Projekt in Oer-Erkenschwick

Iris Bergmann von der Weidenstraße in Oer-Erkenschwick möchte nicht so gerne auf die wilde Natur vor der Haustür verzichten: „Ich gehe hier fast täglich mit meinem Hund spazieren.“ In trockenen Tüchern ist indes bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts. Wie Thorsten Lind erklärte, ist zwar das Artenschutz-Gutachten fertig: „Es fehlen aber noch einige Genehmigungen und ein Bodengutachten. Außerdem müssen wir Ausgleichsflächen im Umkreis von maximal zehn Kilometern vorweisen“, sagte Lind. Das Gewächshaus soll im nördlichen Teil der Zechenbrache entstehen und bis zum Haldenfuß reichen. BI-Gründer Björn Kurzke machte deutlich, dass er gegen das Tomaten-Gewächshaus kämpfen will: „Wir werden entweder eine Online-Petition oder ein Bürgerbegehren starten.“ Die Bürgerinitiative steckt noch in den Anfängen. Björn Kurzke hat eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet: Tel. 0 15 20/4 73 27 41.

FDP-Vorsitzender übt Kritik an Gewächshaus-Gegnern in Oer-Erkenschwick

Kritik an den Gewächshaus-Gegnern übt FDP-Vorsitzender Dr. Christian Leson: „Gegen jede Vernunft wird hier die Naturschutzkarte gezogen.“ Leson hält vor, dass auf dem ehemaligen Industrieareal klimafreundlich lokal angebautes Gemüse gezüchtet wird. Zudem sei das Projekt schon seit Mitte vergangenen Jahres bekannt. Wie lange hat die Stadt bereits nach einem Investor für das Gelände gesucht, das übrigens dem RVR gehört und nur verpachtet werden soll. Golfplatz, Reitsportzentrum und was es nicht noch alles gab“, sagt Leson. Bis zu 100 Arbeitsplätze, davon zahlreiche für Menschen mit geringeren Qualifikationen, könnten dort entstehen, die – wenn es nach der Initiative geht – aber nicht gebraucht würden.

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