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Sandra Hübner hält es für pure Verschwendung: Pro Tag kommt bei Getränke Engler an der Buschstraße ein ganzer Müllbeutel mit verschmähten Kassenbons zusammen

Gesetzesänderung

Es gibt nur noch "belegte" Brötchen in Oer-Erkenschwick - Kunden schütteln mit dem Kopf

Es gibt jetzt nur noch "belegte" Brötchen - also Semmeln samt Beleg. Bonpflicht heißt das Zauberwort, das Einzelhändler und Kunden den Kopf schütteln lässt.

  • Die meisten Bons landen in der Mülltonne
  • Thermo-Belege sind kein Altpapier
  • Massive Kritik von Händlern und Kunden

Kunden der Bäckerei Kettler wissen: Das "Peppi" kostet 1,20 Euro. Was die Kunden zumindest nicht sofort wissen: Die sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel machen bei "Peppi" acht Cent aus. Gäbe es den neuen Brötchen-Bon nicht, müsste man das im Kopf ausrechnen. Aber braucht man diese Information wirklich? „Die meisten Kunden winkend dankend ab, wenn wir ihnen den Kassenbon in die Hand drücken wollen. Wir können sie nicht zwingen und ihnen den Zettel in die Tasche stecken“, sagt Bäckermeister Olaf Zimmerling. Der Bon bleibt also im Laden und wandert in die Mülltonne. 

Bonpflicht stößt in Oer-Erkenschwick auf Kritik

Im Handel stößt die Bonpflicht auf massive Kritik, weil sie in erster Linie mehr Müll verursacht und die Kosten in die Höhe treibt. 50 Thermopapier-Rollen kosten 140 Euro. „Wie lange wir damit in den vier Filialen auskommen, wird sich noch zeigen. Bisher haben wir ganz selten einen Beleg ausdrucken müssen“, sagt Zimmerling. Ab und zu gibt er schon mal Kindern einen Bon mit nach Hause, damit die Eltern kontrollieren können, was ihre Kinder beim Bäcker bezahlt haben. 

Oer-Erkenschwick: Papier ist nicht gleich Papier

Papier ist leider nicht Papier: Die Thermopapier-Bons belasten ohne Nutzwert auch noch in besonderem Maße die Umweltbilanz. Sie können nämlich nicht als recycelbares Altpapier entsorgt werden.Einen ganzen Müllbeutel voller Kassenbons hat Verkäuferin Sandra Hübner bei Getränke Engler an der Buschstraße im Laufe eines Tages gesammelt. „Wenn die Kunden den Beleg nicht haben wollen, nehmen wir ihn natürlich zurück. Sonst fliegen die Zettel draußen vor der Tür herum“, sagt die 49-Jährige. Bei der hohen Kundendichte in dem Shop mit Tante-Emma-Laden-Flair kommt schon einiges an Bons zusammen. Schließlich gibt es nicht nur Getränke. Lakritze, Weingummis und Brausetaler kann man sich noch stückweise in eine gemischte Tüte füllen lassen. „Für jeden Lutscher zum Preis von 25 Cent muss ich einen Bon ausdrucken“, ärgert sich Sandra Hübner. Derweil greift sich ein Stammkunde sein Sixpack und gibt der Verkäuferin den Bon gleich wieder zurück: „Was soll ich damit. Diese Papierverschwendung ist doch idiotisch.“ 

Oer-Erkenschwick: Niemand will den Zettel

Dass die Politik die Bonpflicht bald wieder zurücknimmt, glaubt Reiner Windeck (Saloniki Grill) indes nicht. Dabei bestellen seine Kunden die Currywurst in der Regel mit Pommes, Mayo, ohne Bon. „Wir haben nach den Weihnachtsferien gerade erst wieder geöffnet. Bisher wollte niemand den Zettel haben“, sagt Windeck. Stattdessen hätten die Kunden den Beleg meist mit einem Lächeln quittiert. Lediglich bei Geschäftsessen würden Gäste schon mal einen Bewirtungsnachweis mit Kassenbon verlangen. Das Argument Steuerbetrug zählt für den Gastronomen nicht: „Wir haben doch alle längst Chips in den Kassen. Manipulationen sind doch gar nicht möglich.“

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