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Der Nase nach: Gerade beim Spaziergang sollten Hundebesitzer darauf achten, was ihr Vierbeiner so treibt.

Achtsamkeit

Experten geben Tipps für Hundebesitzer

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OER-ERKENSCHWICK - Der Tod von Spitz „Genri“ sorgt für Gesprächsstoff. Hundetrainerin Christiane Habermann und Tierärztin Anne Preising geben Tipps für Tierbesitzer.

Vor wenigen Tagen musste Zwerg-Spitz „Genri“ eingeschläfert werden, nachdem er vermutlich einen Giftköder gefressen hatte. Viele Tierbesitzer haben Angst, ihrem vierbeinigen Familienmitglied könnte dieses Schicksal auch ereilen. Aber gibt es einen hundertprozentigen Schutz? „Nein“, sagt Hundetrainerin Christiane Habermann. „Doch der Mensch kann viel tun.“

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Achtsamkeit und Respekt, das sind die wichtigsten Schlagworte im Trainings-Paket der Oer-Erkenschwicker Hundetrainerin. „Die Menschen brauchen ein Gefühl für Entfernungen“, erklärt Habermann. Ist der Hund tatsächlich nur drei Meter entfernt, oder sind es doch schon sieben? Dafür sei die Fünf-Meter-Schleppleine sehr gut geeignet. „Das ist ein spannender Radius für Hunde, trotzdem bin ich in nur drei großen Schritten bei meinem Tier und kann eingreifen“, erklärt die Expertin. Eine Leine sei eben nicht Zwang und Einengung, sondern die Chance, den Hund an die Hand zu nehmen und mit dem Vierbeiner gemeinsam zu agieren.

Es ist viel Arbeit

Dafür Sorge zu tragen, dass ein Hund nicht alles frisst, was er im Gebüsch findet, das bedeutet viel Arbeit. Über Tabus, die mit einer Verwarnung über ein Geräusch funktionieren, kann viel erreicht werden. Doch bis zu dem Punkt, an dem der Hund Gefundenes anzeigt, vergeht viel Trainingszeit – die sich aber lohnt. Gassirunden sollen zur Qualitätszeit werden – für Mensch und Tier. So wie der Hund lernt, sich auf sein Herrchen zu fokussieren, sollte dies auch der Besitzer tun. Gemeinsam toben, spielen und Aufgaben bewältigen, der Hund muss merken, dass sein menschlicher Bezugspunkt für ihn da ist. „Dann hat das Tier keinen Grund, im Gebüsch nach anderem zu suchen“, sagt Habermann.

Die Oer-Erkenschwicker Tierärztin Anne Preising hat öfter vergiftete Hunde in ihrer Praxis. Hier gibt sie Ratschläge, wie Haustierbesitzer in einem solchen Fall handeln sollten. - „Es kommt natürlich auf die Dosis an“, erklärt Preising. „Es kann sein, dass ein Hund über einen längeren Zeitraum Mini-Happen aufgenommen hat oder eine große Portion.“ Rattengift wirkt wie Blutverdünner, Erbrechen ist möglich. Außerdem können starke Blutungen auftreten. - Tierhalter sollten bei einem Verdacht sofort ihren Tierarzt kontaktieren, aber nicht selbst Arzt spielen. „Ist der eigene Tierarzt nicht erreichbar, dürfen sich Besitzer nicht scheuen, eine Tierklinik aufzusuchen.“ Denn egal, mit was sich ein Tier vergiftet hat, es gilt, keine Zeit zu verlieren. In der ersten Stunden kann ein Tierarzt mit einem Medikament Erbrechen herbeiführen. Auch die Gabe von Vitamin K kann helfen. - Falls möglich, sollten die Besitzer auch mitbringen, was der Hund gefressen hat. Das hilft den Ärzten, richtig zu handeln, um dem Tier zu helfen. - Grundsätzlich dürfen Rattengifte nicht lose verteilt werden, damit Hunde erst gar nicht dran kommen. Anne Preising appelliert: „Bürger sollten lieber Rattenprobleme bei der Stadt melden, damit diese Gifte auch sicher zum Einsatz bringt. Ein umsichtiger Umgang damit ist wichtig.“ Außerdem ist Prävention das Schlagwort. Besitzer sollten auf ihre Hunde achten. Keine Sorgen müssen sich Besitzer machen, deren Tiere eine an Gift verendete Maus oder Ratte fressen. - Rattengift ist nicht Gefahrenquelle Nummer 1, diese „lauern“ im Alltag: Aspirin, Zahnpasta, Kaffee, Weintrauben, Zwiebeln, oder Nüsse können schwere Organschäden verursachen. Knoblauch – gerne als Zecken-Mittel eingesetzt – löst Blutarmut aus. Dunkle Schokolade löst starke Erregungszustände aus. Auch Tannennadeln, Buchsbaum und Weihnachtssterne sind hoch giftig und im schlimmsten Fall tödlich, ebenfalls Pflanzen wie Drachenbaum, Efeu oder Ficus, die auch von Katzen angefressen werden.

Giftköder hat sie selbst noch nie gefunden. „Natürlich kenne ich die Geschichten und weiß, dass es so kranke Menschen wirklich gibt.“ Das Tragen eines gut sitzenden Maulkorbs kann gerade in der Anfangszeit des Trainings den Hund schützen. „Denn auch eine handvoll Eicheln kann für einen Hund giftig sein“, gibt Habermann zu bedenken. Wer als Hundehalter seinen Vierbeiner schützen möchte, der muss vor allem sein eigenes Verhalten überdenken.

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