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Amtsgericht

Mini-Sanktion nach Schüttel-Angriff

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OER-ERKENSCHWICK - Nach einem Schüttel-Angriff gegen ihren zweijährigen Sohn ist eine Mutter (21) aus Oer-Erkenschwick am Amtsgericht Recklinghausen mit einer „Mini-Sanktion“ davon gekommen. Der Vater (26), der den Wutausbruch seiner Frau sogar noch mit dem Handy gefilmt hatte, muss 60 soziale Arbeitsstunden ableisten.

Der unglaubliche Vorfall passierte in der Nacht auf den 7. Mai in einer Wohnung in der Stimbergstadt. Was war geschehen? Das junge Elternpaar hatte sich zum wiederholten Mal heftig gestritten. Der kleine Junge lag derweil auf dem Sofa, quengelte, musste gewickelt werden. Die Mutter verlor kurz darauf die Nerven, packte sich den Zweijährigen mit beiden Händen, hob ihn hoch und schüttelte ihn. Statt einzugreifen, filmte der Vater das Geschehen mit seinem Smartphone.

„Ich wollte Beweise gegen sie haben“, gab der Vater im Prozess zu. Er hatte anschließend selbst die Polizei alarmiert und das Handyvideo mit seiner das Kleinkind „schüttelnden“ Frau überreicht. Fakt ist: Dem kleinen Jungen ist zum Glück nichts passiert. Eine anschließende ärztliche Untersuchung ergab keine Hinweise auf vorherige Misshandlungen. Fakt ist aber auch: Die insgesamt zwei Kinder des Paares leben nun vorläufig in einer Pflegefamilie. Die Eltern haben sich endgültig getrennt. „Ich habe eine Sünde begangen, aber meine Frau ebenso“, zeigte sich der 26-Jährige einsichtig, dass filmen statt einzugreifen ein Fehler war.

Auch die Mutter gab die Schüttel-Attacke zu: „Ich habe den Kleinen ganz kurz geschüttelt und danach auch noch einmal am Hals zugepackt. Ich wollte ihn (den Vater) damit zum Reagieren zwingen, weil er schon wieder nur vor dem Fernseher gesessen hat.“ Das Jugendschöffengericht in Recklinghausen klappte die Akte am Ende vorläufig ohne Urteile zu. Richterin Sigrid Schöne meinte dazu: „Das war ein Geschehen aus der Verzweiflung geboren. Der Weg, den sie beide gewählt haben, ist der denkbar falscheste gewesen. Zum Glück ist dem Kind aber nichts Schlimmes passiert.“

Gegen die aus Polen stammende Mutter wurde angeordnet, verpflichtend an einem Integrationskurs teilzunehmen. Nur das eröffnet ihr die Option auf eine zeitnahe Zusammenführung mit ihren zwei Söhnen.

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