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Freuen sich über ihr Wiedersehen: (v.r.) Daniel und Mabel Cohen aus Cordoba (Argentinien), Arnold und Adriana Mlodzian aus Toronto (Kanada), Marta Grant aus Buenos Aires (Argentinien), Lisa Devalle aus Cordoba, Calum Grant (aus Schottland nach Buenos Aires ausgewandert) und Mlodzian-Sohn Adrian.

Arnold Mlodzian

Ein Weltbürger wird 80

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OER-ERKENSCHWICK - Der Kanada-Auswanderer Arnold Mlodzian feiert seinen runden Geburtstag in seiner alten Heimat.

Schon mit 14 wollte er nach China – allein und ohne Geld. „In Magdeburg hat mich dann Interpol geschnappt, denn meine Eltern haben mich international suchen lassen“, erzählt Arnold Mlodzian lächelnd. Der rüstige Senior, dessen Elternhaus an der Blumenstraße in Klein-Erkenschwick steht, lebt seit Jahrzehnten mit seiner Ehefrau Adriana und den drei Söhnen Marc, Christopher sowie Adrian und deren Familien im kanadischen Toronto. Doch seit Tagen macht der umtriebige Weltbürger wieder die alte Heimat unsicher. Denn heute (10. August) wird groß gefeiert: Arnold Mlodzian vollendet sein 80. Lebensjahr.

Die Geburtstagsgesellschaft ist eine internationale Mischung. Knapp die Hälfte der Gäste stammt aus den Reihen der Familie Mlodzian, die heute noch in Oer-Erkenschwick ansässig ist. Die andere Hälfte sind Freunde und Verwandte von Adriana Mlodzian, deren Familiensitz im argentinischen Cordoba liegt. Heute Abend wird sich die Geburtstagsgesellschaft an die gute alte Zeit in Klein-Erkenschwick erinnern. „Wir haben während des Zweiten Weltkriegs tagelang im Bunker an der Ahsener Straße verbracht“, erinnert sich Arnold Mlodzian-Molder.

Mit der Auswanderung Jugendtraum erfüllt

Mit der Auswanderung nach Kanada hat sich Mlodzian übrigens einen Jugendtraum verwirklicht. „Ich habe als Junge Jack London gelesen. Und von da an war ich von Kanada und Alaska fasziniert.“ Der Start in Toronto war übrigens nicht einfach. „Weil viele kanadische Soldaten im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind, stand man uns deutschen Einwanderern feindlich gegenüber“, erinnert sich Arnold Mlodzian. Deshalb war für ihn klar: „Ich musste schnell die Sprache lernen und mich anpassen, um so ein Teil der kanadischen Gesellschaft zu werden“, sagt Mlodzian. Nur so würde Integration funktionieren. Das gelte übrigens auch für die Flüchtlinge, die aktuell in Deutschland und Europa leben. „Und deren Zahl darf im Verhältnis zu den ursprünglichen Landesbewohnern nicht zu groß werden“, meint Mlodzian.

Dass er seinen 80. Geburtstag heute zusammen mit vielen Freunden und Verwandten in der alten Heimat feiern darf, freut Arnold Mlodzian ungemein. „Das ist mir wichtig. Denn, wenn man älter wird, dann sehnt man sich an die Orte seiner Kindheit zurück“, erzählt der 80-Jährige. Was ist für Arnold Mlodzian heute noch typisch deutsch? „Weihnachten“, schießt es aus seinem Mund und der Weltbürger mit Wurzeln in Klein-Erkenschwick bekommt feuchte Augen und eine belegte Stimme. Und dann erzählt er von dem stets duftenden Tannenbaum mit echten Kerzen in seinem Elternhaus und von den vor der Bescherung unruhig wartenden Kindern. „Und wenn sich dann die Tür öffnete, erklangen stets die Glocken des Kölner Doms vom Band“, erinnert sich Mlodzian.

Zur Person:

Arnold Mlodzian erblickte am 10. August 1938 an der Blumenstraße 2 in Klein-Erkenschwick das Licht der Welt. Nach der Volks- und zwei Jahren an der Dattelner Handelsschule absolvierte Mlodzian eine kaufmännische Lehre beim Verlag Bitter in Recklinghausen. - 1956 wanderte er als 18-Jähriger nach Kanada aus. Mit nur zwölf Dollar in der Tasche erreichte er Montreal und schlug sich bis nach Vancouver durch. Mit einem japanischen Frachter ging es schließlich über Hawaii nach Japan, das Mlodzian mit einem Fahrrad erkundete. - Es folgten weitere Abenteuer in Manila, Hongkong, Saigon, Singapur, Colombo (Sri Lanka) und in Indien. 1959 kehrte Mlodzian wieder nach O-E zurück. Zwei Jahre blieb er am Stimberg. Dann zog es ihn über New York wieder nach Toronto in Kanada. In Ottawa absolvierte er erfolgreich ein Volkswirtschafts-Studium und machte sich als Fondsmanager und Makler für Immobilienfinanzierungen selbstständig. Beide Unternehmen leitet er noch heute – zusammen mit seinen Söhnen. - Davon hat er drei, dazu drei Schwiegertöchter sowie zwei Enkel. Und natürlich seine Ehefrau Adriana, die er 1964 geheiratet hat. Kennengelernt haben sich der Wahlkanadier und die Argentinierin im mexikanischen Badeort Acapulco, wo sie sich zufällig begegneten. Die Trauung fand im argentinischen Cordoba statt, die Großfamilie lebt allerdings im kanadischen Toronto.

Der Kölner Dom war denn auch ein Ziel des Besuchsprogramms der kanadisch-argentinischen Reisegruppe, die sich nun wieder in alle Welt verstreut. Arnold Mlodzian, Gattin Adriana und sein Sohn Adrian verbringen noch zwei Wochen im Schwarzwald, bevor sie die Heimreise antreten nach Kanada – in das Land von Mlodzians Jugendträumen, die alle in Erfüllung gegangen sind...

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