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Für das Vorlesen aus der Stimberg Zeitung bleibt oft nur wenig Zeit. Lisa Bittner (li.) und Dilara Lülleci arbeiten sehr gerne mit älteren Menschen wie Elsbeth Hoffmeister (80), die die Pflege im Marienstift genießt.

Auch am Stimberg

Für die Altenpflege fehlen Geld und Personal

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OER-ERKENSCHWICK - Derzeit sind rund 35.000 Pflegestellen auch in Altenheimen nicht besetzt. Die Bundesregierung reagiert mit einem Pakt gegen den Pflegenotstand. Pflegefachkräfte vor Ort sind aber skeptisch.

Peter Gumprich, Leiter des AWO-Seniorenzentrums in Rapen, schätzt, dass in Pflegeeinrichtungen in den zurückliegenden Jahren rund 20 Prozent Personal eingespart werden musste. „Und das deshalb, weil wir von den Pflegekassen immer weniger Geld erhalten. Da kann es bei den jährlichen Pflegesatzverhandlungen schon sein, dass wir einen 50.000 Euro teuren Aufwand nur mit 46.000 Euro ersetzt bekommen. Und dann müssen wir den Rotstift ansetzen“, erklärt Gumprich.

Die Folgen spüren die Pflegekräfte. Die Arbeit muss verdichtet werden, Dienstpläne werden umorganisiert. „Und genau diese sich verschlechternden Arbeitsbedingungen treiben die Mitarbeiter aus ihrem an sich sehr schönen Beruf. Wir brauchen keine politischen Arbeitskreise, wir brauchen mehr Geld und mehr Personal. Das würde bei den Mitarbeitern und Bewohnern für mehr Zufriedenheit sorgen. Und dann klappt es auch mit der Pflege“, macht Gumprich deutlich.

In junge Menschen investieren

Ganz genau so sieht Reinhard Klein, der Chef des Oerer Marienstifts, die Situation. „Wir müssen in junge Menschen investieren. Altenpfleger brauchen Fort- und Weiterbildungen. Wir müssen den Beruf aufwerten. Stattdessen wird es durch den Wegfall von Zivildienststellen oder Sonderprogrammen für Langzeitarbeitslose immer schwieriger, junge Menschen in unseren Beruf hineinschnuppern zu lassen, die wir dann später ausbilden können“, erläutert Klein.

Susanna Simmerl ist seit 24 Jahren im Marienstift tätig. „Das Personal ist knapp, obwohl wir hier in Oer noch gut aufgestellt sind“, sagt die Leiterin des Sozialen Dienstes. Für Simmerl steht fest: „Bei der Pflege wurde an der falschen Stelle gespart. Gleichzeitig werden die Kollegen mit aufwendigen Dokumentationspflichten belastet. Da bleibt kaum noch Zeit für ein persönliches Gespräch. Ohne ehrenamtliche Hilfe würde es noch schlimmer aussehen.“

Vielseitiger Beruf

Und trotz aller Widrigkeiten begeistern sich immer noch junge Menschen für den Beruf. Lisa Bittner (20) und Dilara Lülleci (19) absolvieren im Marienstift gerade eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. „Der Beruf ist zwar anstrengend, aber sehr vielseitig. Und die Arbeit insbesondere mit älteren Menschen macht sehr viel Spaß“, sagt Lisa Bittner. Und ihre Kollegin Dilara Lülleci ergänzt: „Der Lohn für alle Mühe ist am Ende doch das zufriedene Lächeln in den Augen der von uns betreuten alten Menschen.“

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