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Nach dem Brand im Dezember 2014 an der Friedrich-Fröbel-Schule wurde in diesem Jahr das Urteil gesprochen. Das Motiv macht fassungslos, möglichst viele Polizisten und Feuerwehrleute sollten ausrücken, damit in Datteln ein Einbruch verübt werden sollte.

Beißer, Brandstifter, Ballerszenen

Ein Gerichtsjahr voller Emotionen

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OER-ERKENSCHWICK - Das Gerichtsjahr 2018 war voller Emotionen. Was in Erinnerung bleibt – eine Übersicht:

  1. Die sprichwörtlich bissigste Geschichte spielte sich im April vor dem Amtsgericht in Recklinghausen ab. Leidtragender war ein Mann aus Oer-Erkenschwick. Ein Familienvater hatte ihm im Stile von Box-Champion Mike Tyson ein Viertel des linken Ohres abgebissen. Das Duo war sich schon vor einem Gewaltschutztermin draußen über den Weg gelaufen. Die Ärzte hatten das Ohrstückchen zwar noch einmal wieder angenäht, doch der Körper es dann aber abgestoßen. Anfang Juli wurde der „Beißer“ verurteilt. Die Strafe: anderthalb Jahre Haft auf Bewährung.
  1. Eine besonders perfide Masche führte Oktober zur Verurteilung eines Einbrecher-Trios aus Oer-Erkenschwick. Die Männer hatten gezielt Wohnhäuser mit heruntergelassenen Rollos ausgespäht und einen Zahnstocher im Rollo-Schlitz platziert. Wenn das Stäbchen zwei Tage später noch immer an derselben Stelle war, hatte das Trio kurz danach ungestört eingebrochen und dabei groß abgeräumt. Sogar eine gefrorene Gans zählte zur Beute. Die Richter verhängten bis zu fünf Jahre und acht Monaten Haft.
  1. Die filmreifste Tat führte im April zur Verurteilung eines Rap-Musikers. Weil sich vor einem Garagenhof an der Ludwigstraße Szenen wie aus einem schießwütigen Gangster-Film abgespielt hatten, kassierte „Hamad45“ sechs Jahre und drei Monate Haft. Zwei verfeindete Männergruppen waren damals nach einem vorherigen Facebook-Streit aufeinandergetroffen. Im Anschluss an mehrere Pistolenschüsse hatten sich unfassbare Prügelszenen abgespielt, die ein Anwohner mit seinem Handy gefilmt und sofort ins Internet gestellt hatte.
  1. Ein Motiv, das wütend macht , verriet im Juni ein 27-jähriger Oer-Erkenschwicker. Nur weil er ungestört mit einem Komplizen in Datteln einen Einbruch verüben wollte, musste am 8. Dezember 2014 die Friedrich-Fröbel-Schule brennen. „Die Idee war, möglichst viele Kräfte der Polizei und der Feuerwehr zu binden, sodass wir den Einbruch machen können, ohne erwischt zu werden“, sagte der Angeklagte. „Die Schule lag quasi auf dem Weg. Es hätte auch ein Waldstück oder so sein können.“ Als Strafe kassierte er am Ende sechs Jahre Haft. Außerdem muss er damit rechnen, den angerichteten Schaden an der Schule wiedergutzumachen. Die Versicherung soll damals 360.000 Euro bezahlt haben.
  1. Die Überraschung des Jahres gab es zweifellos im Prozess um den Frauenleichenfund auf dem Kanal. Nach mehr als dreijährigem Abstreiten gestand der angeklagte Ehemann aus Oer-Erkenschwick doch noch die Tötung seiner Frau. In einem ersten Mordprozess hatte das Bochumer Schwurgericht den Lkw-Fahrer noch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Weil der Bundesgerichtshof den Freispruch gekippt hatte, war Ende März ein zweiter Mordprozess gestartet. Dieser endete nun im September mit einer Verurteilung zu neun Jahren und drei Monaten Haft – wegen Totschlags. Weil die Opferfamilie unbedingt eine Mordverurteilung möchte, hat sie über ihre Anwälte per Revision den Bundesgerichtshof angerufen.
  1. Für die Unverschämtheit des Jahres muss ein Badegast des Maritimo tief in die Tasche greifen. Nach einem Grapsch-Übergriff auf eine junge Mitarbeiterin im Saunabereich des Freizeitbads akzeptierte der 27-Jährige im Dezember eine Geldstrafe in Höhe von 7.500 Euro. Der Mann hatte erst feist grinsend zugepackt und sich dann auch noch unmöglich aufgeführt, indem er Mitarbeiter bepöbelt und mit Blick auf die Erteilung eines Hausverbots sogar noch falsche Personalien angegeben hat. Geschnappt wurde er am Ende trotzdem.
  1. Für den Fauxpas des Jahres zeichnete am Bochumer Schwurgericht eine Anwältin verantwortlich. Sie plädierte für den von ihr verteidigten Messerstecher auf fahrlässige Tötung – obwohl gar keiner tot war.

Das Opfer war bei einem Stich in die Schulter glücklicherweise nur leicht verletzt worden.

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