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Tivoli oder Vilsen heißen Uhren aus der Schmiede von Franz-Gerhard Hemmer. Auch die Standuhr auf dem Berliner Platz ist kein Unikat, hat aber keinen Namen.

Berliner Platz

Zeitmesser schlägt wieder im Takt

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OER-ERKENSCHWICK - Auf dem Berliner Platz haben sich monatelang die Zeiger falsch gedreht. Jetzt wissen Oer-Erkenschwicker beim Gang durch die Innenstadt endlich wieder, was die Stunde geschlagen hat. Franz-Gerhard Hemmer hat die große Standuhr repariert.

Der 72-jährige Handwerker kommt aus Hoya in der Nähe von Bremen und zählt zur aussterbenden Spezies der Uhrmacher: „Diese Standuhr habe ich selber gebaut. Das muss um die 25 Jahre her sein.“ Tatsächlich sind es sogar mehr als 28 Jahre.

Aufgestellt wurde die Uhr nach der Neugestaltung des Berliner Platzes und der Stimbergstraße in den Jahren 1989 und 1990. Hemmer ist selbstständiger Uhrmacher und Spezialist für Turmuhren und große Außenuhren, die oft auch zu Werbezwecken an Fachgeschäften ticken, die Zeitmesser verkaufen. Dass in Oer-Erkenschwick die Zeiger verrückt spielen, wundert Hemmer nicht: „Eigentlich müssen solche Uhren alle fünf Jahre gewartet werden. Sie stehen ja nicht im Wohnzimmer, sondern bei Wind und Wetter draußen.“

Die Oer-Erkenschwicker Standuhr sehe er seit der Aufstellung jetzt zum ersten Mal wieder. „Vor einigen Jahren, als eine Glasscheibe zerbrochen war, hat die Stadt Ersatzteile bei mir bestellt und den Schaden wohl selbst repariert“, sagt Hemmer. Mit kleinen Wartungsarbeiten ist es auf dem Berliner Platz allerdings nicht getan. Die vier vollelektronischen Uhrwerke müssen komplett getauscht werden. „Ich baue auch die Steuerelektronik aus. Und dann muss ich mir irgendwo noch Wasser organisieren, um die Ziffernblätter zu reinigen“, meint Hemmer.

Eigentlich ist der Uhrmacher längst im Rentenalter: „Für gute Kunden erledige ich aber noch Aufträge. Außerdem entwerfe ich weiter Außenuhren für solche namhaften Hersteller wie Rolex oder Montblanc.“ Die Kosten für die Instandsetzung der Standuhr auf dem Berliner Platz beziffert die Stadtverwaltung übrigens mit rund 2000 Euro. Damit ist es nach Auffassung des Uhrmachers aber offensichtlich nicht getan. Am Ständer aus Aludruckguss und Stahl schimmert nämlich schon die Grundierung durch: „Das könnte rosten und undicht werden. Aber das ist nicht mein Job. Da sollte sich ein Anstreicher drum kümmern.“

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