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Rito Malviani, Sizilianer mit deutschem Pass, pflegt den europäischen Gedanken auch in seinem Garten, die Artischocken sind echte Italiener, die Stockrosen aus Deutschland.

Vor der Europa-Wahl

Für Sizilianer Rito Malviani müssen Europäer zusammenhalten

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OER-ERKENSCHWICK - Rito Malviani ist „im Herzen Italiener und auf dem Papier Deutscher“. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, am 26. Mai zur Wahl zu gehen. Fünf Parteien in OE werben am 18. Mai gemeinsam.

Mit wollenen Schlafsocken und zehn Litern Olivenöl im Gepäck kommt Rito Malviani 1962 nach Deutschland. Anfang 20 ist der Sizilianer gerade alt. Es ist der Anfang einer bewegten Lebensgeschichte zwischen Italien und Rapen – in einem geeinten Europa. „Zur Wahl gehe ich immer. Das habe ich auch meinen Kindern weitergegeben. Mitzubestimmen ist wichtig. Eine nicht abgegebene Stimme ist nicht einfach verloren, sondern hilft einer anderen Partei, die nicht gut ist für Europa“, sagt der 77-Jährige.

Als Sizilianer mit italienischer Staatsbürgerschaft lässt er sich einst sogar die Wahlunterlagen noch aus der Heimat nach Deutschland schicken, um von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. 1975 nimmt Malviani schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft an. „Doch im Herzen bleibe ich einfach Italiener.“ Trotzdem passt er sich an, „das muss einfach sein“. 1980 tritt er in die Schützengilde Rapen ein. „Das geht doch nicht, ich bin doch Ausländer“, ist Malvianis erster Gedanke. Die Schützenkameraden sind anderer Meinung: „Du bist einer von uns.“

Brüder und Schwestern in Europa

Auf der Marktstraße kommt es am nächsten Samstag, 18. Mai, zwischen 10 und 12 Uhr zu einem nicht alltäglichen Bild. Auf Anregung der FDP werben die Liberalen zusammen mit SPD, CDU, Grünen und der Linkspartei für die Teilnahme an der Wahl. - „Natürlich haben wir manch unterschiedliche Vorstellungen und auch momentan das eine oder andere Problem. Aber man reißt ja nicht ein Haus ein, weil die Fenster ziehen“, sagt FDP-Stadtverbandschef Christian Leson. - Hannes Kemper (SPD) bekräftigt: „„Man kann auch die Gemeinsamkeiten unterstreichen, die uns in Sachen Europa verbinden.“ - Sein CDU-Pendant Lars Ehm sieht in der Initiative ein „ein starkes Zeichen für eine demokratische Diskussion um die Zukunft Europas“. Frieden, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Zusammenarbeit seien nicht selbstverständlich und müssten immer wieder gemeinsam neu erarbeitet werden. - Grünen-Sprecherin Silke Krieg bewertet den Brexit und populistische Stimmungsmache gegen das europäische Projekt als aktuelle Rückschläge. „Wir wollen ein zusammenwachsendes Europa mit offenen Grenzen, einer Währung und erweiterten Studien- und Beschäftigungsmöglichkeiten.“ - Trotz aller Unterschiede im Programm werde sich auch die Linkspartei an der Initiative beteiligen, kündigen die Ortsverbandssprecher Katja Heyn und Joscha Kölsch an. „Wir treten für ein Europa der Solidarität, der Menschenwürde und des Friedens ein. Dass wir unsere Haltung für diese Werte zeigen, ist uns wichtig.“

Die Probleme zwischen den europäischen Staaten kann der fröhliche Sizilianer, der in Rapen berühmt ist für seine Kochkünste, nicht nachvollziehen. Und den Brexit schon gar nicht. Von Politik verstehe er nicht viel, sagt er über sich selbst, Politiker sind dem Italiener oft zu sehr auf den eigenen Vorteil bedacht, aber eines weiß Malviani: „Europa ist das Beste, was geschaffen werden konnte. Wir sind Brüder und Schwestern, wir müssen doch zusammenhalten.“ Wie in seinem Rapener Garten die Nutz- und Zierpflanzen – auch die sind halb deutsch, halb italienisch – müsse auch Europa wieder aufblühen.

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