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Willi Reckmann landete einen Preisflug-Erfolg.

RV feiert runden Geburtstag

70 Jahre Taubensport-Geschichte

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OER-ERKENSCHWICK - Exakt 70 Jahre gibt es die Reisevereinigung Oer-Erkenschwick. Günter Reckmann (89) und sein Sohn Willi (62) können viel erzählen. Aus einer Zeit, als fast jeder ein Taubensportler war.

Man braucht keine fünf Minuten, da weiß man im Gespräch mit den Herren: Taubenväter haben nicht nur ein Herz für Tiere, sie sind auch pragmatisch und detailversessen. Willi Reckmann ist zwar erst seit diesem Frühjahr RV-Vorsitzender, doch den Traditionsgruß „Gut Flug“ hat er wahrscheinlich schon parallel zum „Guten Tag“-Sagen von seinen Vorfahren gelernt. Der Großvater, er hieß auch Willi, hatte Tauben. Der Vater, Günter Reckmann, ebenfalls.

Wer die Geschichte der Stimberg-Taubensportler kennt, kennt auch die Reckmanns. Günter Reckmann war 20 Jahre Auflassleiter, dazu Pressesprecher. 1984 bis 2004 – in einer Zeit also, als Handy und Internet noch in den Kinderschuhen steckten und man Mitteilungen auch per Brieftaube hätte übersenden können. Anfang der 1990er-Jahre, die Grenzen gen Osten öffneten sich gerade, standen die „Polenflüge“ hoch im Kurs. Eines wettertechnisch gesehen nicht ganz so schönen Sonntags stellte Günter Reckmann vor sein Haus eine Tafel mit der Aufschrift: „Heute kein Polenflug!“ Das wiederum rief eine Lehrerin auf den Plan, die gerade ihren Kirchgang beendet hatte und zur Korrektur ansetzen wollte. „Herr Reckmann, da fehlt doch ein L“, wähnte die Dame eine meteorologische Tafelansage. Mit Pollen hatten die Tauben freilich nie viel am Ring…

An markigen Worten mancher Besitzer mangelte es während Versammlungen oftmals nicht. Freilich, bei den Wettflügen kämpft jeder gegen jeden und dann wurde in den vergangenen 70 Jahren auch mal mit „verbaler Härte“ debattiert. „Dein bester Kumpel ist ja auch dein härtester Gegner“, lacht Willi Reckmann. Letztlich ging aber alles immer herzlich zu. Die Liste der Namen, die die RV prägten, umfasst natürlich nicht nur die Reckmanns. Heinrich Vogelsang, einst Betriebsrats-Chef auf dem Pütt, und Ignaz Berloznik, Amtsleiter bei der Post, ebneten dem Verein den Weg. Ernst Bojarzin, Jupp Berndt oder Erwin Ehm heimsten oft die ersten Preise ein. Später war es Wolfgang Freudenthal, der stets bei der fixen Ankunft seiner Tauben Freudensprünge vollziehen konnte.

Vorstandsmitglieder wie Günter Klocke, Wolfgang Scheuermann, Siegfried Skrzypczak, Walter Peterlin und später Karl Brömmelkamp sorgten dafür, dass die RV eine „Macht“ in der Stadt wurde. Ausstellungen und Fliegerabschiede waren gesellschaftliche Ereignisse. Wirte jubilierten, eingeplante Tagesumsätze waren fix übertroffen. Gut Flug und Prost! In den 1950er- und 60er-Jahren gab es mehr als 200 Züchter. „In Rapen, in Klein-Erkenschwick und zwischen Westerbachstraße und Kiesenfeldweg waren doch auf jedem Dach Tauben“, lacht der RV-Chef. Und heute? Elf Aktive schicken aktuell. Die letzte Versammlung fand bei Willi Reckmann im großen Wohnzimmer statt…

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