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Der ehemalige Ortslandwirt Franz-Josef Uhlenbrock (77) zeigt auf dem Maisfeld, was die lange Trockenheit angerichtet hat. Der dürre Mais trägt nur dünne, teilweise gar keine Kolben.

Hitze

Landwirte sitzen auf dem Trockenen

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OER-ERKENSCHWICK - Im Schweinestall herrscht eine Bullenhitze. Auf den Feldern wächst noch nicht mal Wildkraut. Statt zu ernten, repariert Stefan Uhlenbrock (46) notgedrungen einen Küchenschrank.

Der Ortslandwirt sítzt wie seine Berufskollegen völlig auf dem Trockenen. Das Ehrenamt hat er übrigens direkt vom Vater geerbt. Franz-Josef Uhlenbrock (77) kann sich noch gut an die Dürre im Jahr 1950 erinnern: „Da gab es im Halterner Stausee kaum noch Wasser. Aber dieser Sommer ist noch schlimmer.“

Während die Schweine im Stall schwitzen, können die Rindviecher wenigstens auf die Weide. Zehn Bullen und 15 Milchkühe hat Stefan Uhlenbrock auf dem Hof an der Stadtgrenze zu Marl. „Die Milchkühe müssen nur zum Melken in den Stall. Ansonsten können sie sich ein schattiges Plätzchen unter Bäumen suchen. Futter finden sie auf den ausgedorrten Wiesen allerdings nicht. Seit Wochen fressen die Rindviecher im Wintermodus. Uhlenbrock muss zufüttern. Die Milchmenge fällt trotzdem geringer aus als sonst – eine Folge des Hitzestresses. „Die Kühe verschwenden bei der Hitze viel Energie, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Für die Milch bleibt da nicht mehr viel über“, sagt der Ortslandwirt. Die Tiere würden Kälte wesentlich besser vertragen als Hitze. Von Klimaanlagen wie sie in manchen italienischen Ställen verwendet werden, hält Uhlenbrock nichts: „Viel zu teuer, wer soll das bezahlen!“

Wie er das Futter für sein Vieh bezahlen soll, weiß der Landwirt auch noch nicht, kann nur auf Subventionen hoffen. Denn der Futtermais auf seinen Feldern hat ganz erheblich unter der Trockenheit gelitten. „Entweder tragen die Stengel keine oder nur dünne Kolben“, sagt Uhlenbrock. Zwar wird die komplette Pflanze für die Futtersilage verwendet. „Die eigentliche Energie steckt aber in den Maiskörnern und die fallen jetzt ziemlich klein oder ganz aus“, sagt Uhlenbrock. Die Landwirte sprechen von einer sogenannten Notreife. Damit der Mais nicht noch weiter austrocknet, will Uhlenbrock statt Mitte September schon nächste Woche mit der Ernte beginnen. „Ist der Mais zu trocken, lässt er sich im Silo nicht mehr richtig verdichten. Das kann zu Schimmel führen.

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