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Gemeinsames Lernen befürworten viele. Allerdings passen oftmals weiterhin die Rahmenbedingungen nicht, wenn es um die Zuweisung von Sonderpädagogen geht.

Inklusion

Keine Sonderpädagogen – schwieriger Schulalltag

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OER-ERKENSCHWICK - In drei Jahrgangsstufen gibt es am Willy-Brandt-Gymnasium (WBG) aktuell Gruppen des „Gemeinsamen Lernens“. Die Rahmenbedingungen für Inklusion werden aber immer problematischer.

Zwischen WBG-Direktor Christian Huh und der Bezirksregierung in Münster gibt es in diesen Wochen einen regen Briefwechsel. Die Aufsichtsbehörde bat den Schulleiter um eine Einschätzung dazu, ob ein sogenannter zieldifferenter Unterricht von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf fortgeführt werden könne. Beim „Gemeinsamen Lernen“ kann zielgleich oder zieldifferent gelehrt werden. Zielgleich bedeutet, dass alle Schüler einer Klasse das gleiche Lernziel erreichen, gegebenenfalls erhalten Schüler mit Behinderungen bei Prüfungen hier Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Im zieldifferenten Unterricht werden die Lernziele für jeden Schüler dagegen individuell festgelegt.

Damit ein Gymnasium auch zukünftig das „Gemeinsame Lernen“ umsetzen kann, hat die Bezirksregierung Qualitätsstandard festgelegt. Sonderpädagogische Kontinuität muss demnach gewährleistet sein. Das klingt in der Theorie gut, die Praxis sieht aber ganz anders aus. Denn es mangelt schlicht und einfach an Lehrern, Oer-Erkenschwick bildet da keine Ausnahme. Drei Lerngruppen gibt es am WBG mit zehn zieldifferent zu unterrichtenden Kindern – in den Jahrgangsstufen fünf, sechs und acht. Der Schule wird eine sonderpädagogische Fachkraft mit nur 22,5 Wochenstunden zugewiesen. „Damit ist eine wichtige Voraussetzung für gemeinsames Lernen nicht mehr erfüllt“, kritisiert Huhn. Der Direktor betont, dass er grundsätzlich ein Befürworter von Inklusion bleibe. Eine zieldifferente Beschulung sei unter den aktuellen Bedingungen für weitere Kinder vorerst nicht mehr möglich.

Die fehlenden Lehrer sind aber längst nicht nur am Gymnasium ein Problem. Beispiel Paul-Gerhardt-Hauptschule (PGS): 48 Kinder haben dort anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf, elf weitere befinden sich im laufenden Prüfverfahren. Streng genommen müsste die PGS somit auf bis zu neun Planstellen kommen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Die Realität sind 3,5 Stellen. Fazit: Die Kinder haben gleichzeitig Unterricht, die Fachkraft steht aber nur einmal zur Verfügung.

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