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Kein Fall von sexuellem Missbrauch - aber:

Jugendamt wird immer häufiger in Sachen Kindeswohl in Oer-Erkenschwick aktiv

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OER-ERKENSCHWICK - 74 Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung hat das Jugendamt der Stadt Oer-Erkenschwick im Jahre 2018 verfolgt. Sechs Mal musste der Allgemeine Soziale Dienst eingreifen. Aber in keinem Fall ging es um sexuellen Missbrauch.

Die Zahl der Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung hat in den vergangenen Jahren auch in Oer-Erkenschwick zugenommen. Das bedeutet mehr Arbeit für das Jugendamt. „Aber wir prüfen lieber einmal zu viel, als dass uns ein Fall durch die Lappen geht“, sagt Jugendamtsleiter Detlef Rabas.

Polizei meldet die meisten Verdachtsfälle in Oer-Erkenschwick

Die meisten Verdachtsmeldungen kamen 2018 von der Polizei (23). Gefolgt vom sozialen Umfeld (16), anonymen Hinweisen (10), Schulen, (8), anderen Jugendämtern (4), Kindergärten (3), Kinderklinik (2), Jobcenter (2) und Selbstmeldungen (1). Elf Fälle schätzte der Allgemeine Soziale Dienst bei seiner ersten Bewertung als akut ein, 54 als drohend, zehn als ohne Gefährdung. Nach eingehender Überprüfung blieben nur sechs akute Fälle und 14 mit geringem Gefährdungspotenzial übrig. In den meisten Fällen lautet die Diagnose Verwahrlosung. „Sei es seelische Verwahrlosung oder gesundheitliche. Wenn Kakerlaken durch die Wohnung krabbeln, schreiten wir ein“, sagt Team-Leiterin Ivonne Pfeifer. Das bedeutet im Verwaltungsjargon Inobhutnahme: Das Jugendamt bringt diese Kinder in einer Pflegefamilie oder in einem Heim unter. Mit oder ohne Zustimmung der Eltern. Dass die Fälle nicht weniger werden, zeigt die Zwischenbilanz für das laufende Jahr. „Von Januar bis jetzt hatten wir bereits acht Inobhutnahmen wegen Kindeswohlgefährdung – alle ohne Zustimmung der Eltern“, sagt Pfeifer.

"Grenze zwischen asozial und gefährlich ist manchmal fließend"

Die Mitarbeiter des Jugendamts füllen in Verdachtsfällen einen sogenannten Risikobogen aus. Eingeschätzt werden müssen solche Indikatoren wie Körperpflege, Zustand der Kleidung, altersgerechte Ernährung, Verletzungen oder Krankheiten. „Wo die Grenze zwischen asozial und Kindeswohlgefährdung ist, müssen wir uns oft fragen. Diese Grenze ist manchmal fließend“, sagt Rabas. Während andere Jugendämter mit der steigenden Zahl von Verdachtsfällen überfordert sind, weil nicht genügend geeignete Fachkräfte zu bekommen sind, schätzt der Jugendamtsleiter die Situation für Oer-Erkenschwick etwas positiver ein: „Nach einer Organisationsuntersuchung konnten wir zwei neue Mitarbeiter für den Allgemeinen Sozialen Dienst einstellen, mit denen wir eine gute Wahl getroffen haben.“

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