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Fünf Jahre sind ein gutes Alter, um schwimmen zu lernen. Und das möglichst spielerisch, damit die Knirpse keine Angst vorm Wasser entwickeln. Doch als sicherer Schwimmer wird erst bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt.

Nasse Gefahr

Immer mehr Kinder sind Nicht-Schwimmer

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OER-ERKENSCHWICK - Schwimmen, das kann doch jedes Kind. So sollte es sein. Doch tödliche Badeunfälle wie zuletzt in Bremen häufen sich. Immer mehr Kinder können nicht schwimmen – auch am Stimberg.

Eine forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zeigt: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Auch das Schulschwimmen ab der 3. Klasse kann dies nicht auffangen.

Eine Entwicklung, die auch Ibrahim Özcan, Geschäftsführer des Maritimo, aus dem täglichen Erleben bestätigen kann: „Wir beobachten immer mehr Kinder, die nicht schwimmen können. Gleichzeitig müssen wir Eltern oder Großeltern immer häufiger auf ihre Aufsichtspflicht hinweisen. Die Kinder sind im Wasser, während die Eltern etwas Essen gehen.“ Und das Badpersonal sieht immer mehr Kinder mit Schwimmhilfen. „Die Eltern verlassen sich zu sehr darauf, und lassen sie unbeaufsichtigt ins Wasser.“ Passiert sei in dieser Saison zum Glück noch nichts Schlimmes. In nur zwei Minuten können die Rettungskräfte das Gelände überblicken, „doch die meisten Unfälle passieren, wenn sich die Eltern nur kurz mal umdrehen.“

Es fehlt an Kapazitäten

Das bestätigt auch Sophia Schalthoff, Leiterin der Abteilung „Schwimmausbildung“ beim SV Neptun. „Kinder rufen nicht um Hilfe, wenn sie drohen, zu ertrinken.“ (siehe Info-Kasten). Mangelndes Interesse an Anfänger-Kursen gibt es beim Neptun nicht. Die Wartelisten sind lang. „Uns fehlt es an Kapazitäten, um mehr anbieten zu können. Eltern sollten ihre Kinder frühzeitig anmelden.“

Eigentlich sollten Kinder mit der Einschulung schwimmen können. „Doch die Jungen und Mädchen, die in unsere Kurse kommen, werden immer älter“, weiß Schalthoff. Neunjährige, die ihr Seepferdchen machen, sind keine Seltenheit mehr. Und mit noch einem Problem hat der Verein zu kämpfen. Schalthoff: „Immer mehr Kinder haben motorische Schwächen oder Angst vorm Wasser. Außerdem sind viele Eltern ungeduldig. Kinder sollen ‚mal eben schnell‘ schwimmen lernen.“

Schon fünf Zentimeter Wasser, reichen für ein Kleinkind aus, um darin zu ertrinken. - Weil Kleinkinder einen überproportionalen Kopf haben, fallen sie häufig kopfüber ins Wasser. - Der Sturz löst einen Schock-Reflex aus, die Stimmritze im Rachen schließt sich, die Atmung ist blockiert. Außerdem können sich die Kinder nicht mehr bewegen. Um Hilfe rufen oder Zeichen geben, sind unmöglich, die Kinder ertrinken still.

Aber: Ein Seepferdchen-Abzeichen macht aus einem Kind keinen sicheren Schwimmer. Dazu gehören Geduld und üben, damit das Badevergnügen nicht zum nassen Drama wird.

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