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Ist der Lebensabend gekommen, sollen sich auch Bewohner von Seniorenzentren gut behütet fühlen.

Palliativ-Pflege

Hand in Hand am Lebensabend

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OER-ERKENSCHWICK - Palliativpflege gehört zum Alltag in Seniorenzentren. Auch in der AWO-Einrichtung werden daher Fachkräfte geschult.

Hospizplätze sind Mangelware, das bekommen auch die Seniorenzentren zu spüren. „Die Menschen kommen hochbetagt zu uns, in weiten Teilen sind wir Hospiz. Auch, wenn wir nicht hospizlich im eigentlichen Sinne arbeiten“, erklärt Peter Gumprich, Leiter des AWO-Seniorenzentrums auf dem Kolven. Um aber den Bewohnern den Weg des Sterbens so angenehm wie möglich zu gestalten, reagieren die Alteneinrichtungen, und bilden Mitarbeiter zur „Fachpflegekraft Palliativ Care“ aus. Einer von zwei in der Rapener Einrichtung, die dem Palliativ-Netzwerk Ostvest angeschlossen ist, ist Wohnbereichsleiter Rafael Niemeyer. „Wir müssen in unserer Arbeit Menschlichkeit walten lassen“, sagt der 45-Jährige.

Menschen ummanteln mit Wohlbefinden

Viele ältere Herrschaften werden zur Kurzzeitpflege angemeldet, weil sie in einem Hospiz auf der Warteliste stehen – die Zahl der Anfragen steigt. „95 Prozent dieser Damen und Herren versterben bei uns“, weiß Gumprich. Palliativpflege setzt nicht erst an, wenn Bewohner im Sterben liegen. „Es geht darum, Symptome zu lindern, den Menschen mit Wohlbefinden zu ummanteln“, erklärt Niemeyer. Denn auch Bewohner mit chronischen Leiden leben in den Seniorenzentren. Palliativpflege bedeutet Schmerzen zu stillen, aber auch Juckreiz – häufiges Symptom im Alter – zu lindern. Der Mensch steht mit seinen Wünschen im Mittelpunkt.

Auch im Matthias-Claudius-Zentrum (8), im Marienstift (3) und im Seniorenstift „An der Haard“ (3) wurden Palliativpflege-Kräfte ausgebildet. - In einer Vorsorgevoll­macht beauftragt der Vollmachtgeber einen Vertreter in seinem Interesse zu handeln, falls er selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Mit einer Patientenverfügung kann jeder Erwachsene schriftlich festlegen, welche medizinischen Maßnahmen er wünscht oder ablehnt werden, wenn er sich dazu selbst nicht mehr äußern kann. - Kontakt zum Palliativ-Netzwerk Ostvest „Dies Vitae“: Tel. 0 23 63/56 56 22 - www.palliativnetz-ostvest.de

In Absprache mit den Angehörigen ist Rafael Niemeyer Koordinator und Mittler. Als Fachkraft Palliativ Care berät er die Pflegekräfte, hält Rücksprache mit Haus- und Palliativ-Medizinern oder Betreuungskräften von Sozialem und Hospiz-Dienst. „Wir können den Tod nicht besiegen, also müssen wir den Weg so beschreiten, dass er menschlich ist.“ Peter Gumprich fügt hinzu: „Früher wurden die Menschen zum Sterben ins Krankenhaus geschickt. Der Blickwinkel in der Altenpflege hat sich verändert – weg von der funktionellen Pflege, dazu hin, den Menschen mit seiner Geschichte zu sehen. Unsere Bewohner möchten zuhause sterben.“ Zuhause, das ist das Seniorenzentrum. 60 Sterbefälle zählt die AWO-Einrichtung jährlich, 90 Prozent versterben im Haus. Dass es zu wenig Hospizplätze gibt, hält Peter Gumprich für ein gesellschaftliches Problem: „Wir brauchen mehr Hospize. Die Menschen müssen sich auch frühzeitig um Vorsorgevollmachten kümmern. Unsere Gesellschaft hat den Umgang mit dem Tod verlernt.“

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