+
Günter Teichert ärgert sich, dass er so lange in dem defekten Aufzug eingesperrt war. Nicht besonders glücklich waren die Bewohner des barrierefreien Hauses darüber, dass der Aufzug danach knapp vier Tage außer Betrieb war.

„Am Schillerpark“

Mehr als eine Stunde im Aufzug eingeschlossen

  • schließen

OER-ERKENSCHWICK - Die Seniorenwohnungen „Am Schillerpark“ sind barrierefrei – im Normalfall. Ein defekter Aufzug wurde für drei Bewohner der Hausnummer 20 b am vergangenen Donnerstag zum Albtraum.

Gegen 17.30 Uhr fuhr Günter Teichert (85) mit seiner Ehefrau Marianne (82) von der ersten Etage herunter ins Erdgeschoss. „Wir wollten in den Keller, ein paar Wintersachen heraufholen“, sagte der Rentner. Im Erdgeschoss ist übrigens Schluss mit der Barrierefreiheit. In den Keller gelangt man nur über eine Treppe. Beim Weg nach oben passiert das, was immer mal passieren kann. Der Aufzug bleibt plötzlich stecken. Es geht weder vor noch zurück, auch die Tür lässt sich nicht öffnen. Inzwischen war auch noch eine Nachbarin (78) zugestiegen.

Günter Teichert bleibt ruhig und drückt den für solche Fälle eingebauten Alarmknopf. „Am anderen Ende der Notfall-Leitung hat sich eine Frau von der Aufzugfirma gemeldet und versprochen, dass in einer halben Stunde ein Techniker vor Ort sei und uns aus der misslichen Lage befreien würde“, sagte Teichert. Denkste: Auch nach einer Stunde ist noch keine Hilfe da. Mindestens dreimal spricht Teichert mit der Notfall-Frau, die versichert, der Techniker sei schon ganz in der Nähe. Derweil wird es für die drei eingeschlossenen Senioren im Aufzug immer unangenehmer. Der Fahrstuhl will dauernd anfahren und ruckelt die Insassen durch. Marianne Teichert leidet unter einer Knochenerkrankung und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. „Hätte ich mein Handy dabei gehabt, hätte ich längst die Feuerwehr angerufen. Aber wer rechnet schon mit so etwas“. meint Günter Teichert.

Nach Tortur vollkommen am Ende

Um kurz vor 19 Uhr trifft der Techniker im Schillerpark ein, befreit das Trio aus dem Fahrstuhlgefängnis. Er sei aus Bochum gekommen und hätte länger gebraucht. „Ich war nach dieser Tortur vollkommen am Ende“, sagt Marianne Teichert. Ihr Ehemann kann nicht verstehen, dass der Techniker so eine weite Anreise hatte. „Bei Notfällen muss doch jemand vor Ort sein.“ Günter Teichert ist froh, dass er keine Luftnot bekam. Viermal täglich muss er für eine Stunde an ein Sauerstoffgerät. Am nächsten Tag will sich der Rentner beim Vermieter Vivawest beschweren, kommt aber nicht durch.

Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte Vivawest-Sprecherin Katrin Lamprecht: „Dass es in diesem konkreten Fall zu einer deutlichen Überschreitung der vorgegebenen Zeiten und zu derartigen Unannehmlichkeiten und körperlichen Belastungen der älteren Hausbewohner gekommen ist, bedauern wir sehr. Wir befinden uns aktuell in der Klärung des Vorfalls mit dem beauftragten Aufzugsdienstleister.“

Vertragliche Vereinbarung

In einem stecken gebliebenen Aufzug gilt erst mal: Ruhe bewahren! In der Regel sind Aufzüge an ein Notrufsystem angeschlossen, dass mit einer Akkupufferung auch bei Stromausfall funktioniert (ab 2020 Pflicht). Über den Notruf lassen sich jederzeit gesundheitliche Notlagen melden. In diesem Fall wird die Feuerwehr zu Hilfe gerufen. - Bei einem Ausfall oder Panik-Gefahr per Handy gleich den Notruf 112 wählen.

Vertraglich vereinbart sei, dass die Befreiung eingeschlossener Personen innerhalb von 20 Minuten eingeleitet und spätestens nach 30 Minuten mit der Befreiung vor Ort begonnen werden müsse. Bei Engpässen würden Aufzugdienstleister auf Nachunternehmer zurückgreifen, um die rechtzeitige Befreiung eingeschlossener Personen zu gewährleisten. Nach Angaben von Vivawest sei der Notruf um 17.24 Uhr bei der zuständigen Haushahn Gruppe eingegangen. Lamprecht sagt: „Der Notdienst ist um 18.33 Uhr eingetroffen und hat die eingeschlossenen Personen um 18.41 Uhr befreien können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Rüttel-Test im Biergarten, Ekelfund am Kanal, Prinzenpaar für Oer-Erkenschwick
Rüttel-Test im Biergarten, Ekelfund am Kanal, Prinzenpaar für Oer-Erkenschwick
Bahnstrecke in Recklinghausen für zehn Tage gesperrt - was Bahnkunden wissen müssen
Bahnstrecke in Recklinghausen für zehn Tage gesperrt - was Bahnkunden wissen müssen
Ekel-Fund am Kanal in Datteln: Spaziergänger entdecken eine Plastiktüte - der Inhalt schockiert
Ekel-Fund am Kanal in Datteln: Spaziergänger entdecken eine Plastiktüte - der Inhalt schockiert
Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
Noch ein Leerstand in der Innenstadt - die City von Oer-Erkenschwick blutet immer mehr aus
Noch ein Leerstand in der Innenstadt - die City von Oer-Erkenschwick blutet immer mehr aus

Kommentare