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Ivonne Pfeifer (l.) und Martina Beckmann hoffen, dass sich Familien melden, die Kinder aufnehmen.

Städtisches Jugendamt

Pflegeeltern dringend gesucht

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OER-ERKENSCHWICK - Das vierjährige Mädchen, das der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Jugendamts vor vier Wochen aus ihrer Familie herausgeholt hat, ist kein Einzelfall. Ihre Mutter ist abgehauen wegen häuslicher Gewalt, zurück nach Litauen, ihr Vater hat ein Alkoholproblem. „Kinder bis zu sechs Jahren geben wir grundsätzlich in eine Pflegefamilie, eine Unterbringung im Kinderheim ohne eine ständige Bezugsperson würde noch mehr Schaden anrichten“, sagt Martina Beckmann.

Die 60-Jährige mit viel Erfahrung in sozialen Brennpunkten arbeitet seit neun Jahren in der Abteilung Pflegekinderdienst. Was sie in dieser Zeit von Berufs wegen an menschlichen Tragödien erlebt hat, möchte man sich lieber nicht ausmalen. „Die Zahl solcher Fälle nimmt leider zu. Einen Platz für einen Notfall habe ich noch frei. Wir suchen dringend zusätzliche Pflegefamilien“, sagt Beckmann.

Benötigt werden insbesondere Bereitschafts-Pflegeplätze. „Solange das Gericht die Sorgerechtsfrage nicht geklärt hat, bringen wir die Kinder vor Ort unter, damit die Eltern noch Kontakt halten können“, sagt Ivonne Pfeifer, Leiterin des Sozialpädagogischen Dienstes. Wird den Eltern das Sorgerecht entzogen, bringt das Jugendamt die Kinder für eine Vollzeitpflege bei Familien in anderen Städten unter, damit sich die Beteiligten nicht ständig über den Weg laufen können.

Wird den Eltern das Sorgerecht entzogen, bringt das Jugendamt die Kinder für eine Vollzeitpflege bei Familien in anderen Städten unter, damit sich die Beteiligten nicht ständig über den Weg laufen können. Zurzeit werden vor Ort 105 Pflegekinder in 60 Pflegefamilien betreut. Nur zehn Kinder kommen aus Oer-Erkenschwick. Kinderpflege als Beruf: Das kommt auch für kinderlose Ehepaare in Frage, oder gleichgeschlechtliche Paare. Pfeifer meint: „Entscheidend ist erst mal eine weiße Weste mit Blick auf das polizeiliche Führungszeugnis sowie ein Gesundheitszeugnis ohne ansteckende Krankheiten.“ Und egal, ob mit oder ohne Eltern-Erfahrung: Alle Pflegeeltern müssen einen Vorbereitungskurs absolvieren.

Für die akute Bereitschaftspflege zahlt die Stadt 50 Euro pro Tag und Kind. Ansprechpartnerinnen: , (Tel.: 02368/6913 41) und , (Tel.: 02368/ 691327)

Pflegefamilien können bis zu fünf Pflegekinder aufnehmen. Der Vorbereitungskurs findet als Seminar an vier Wochenenden statt. Die Kosten übernimmt das Jugendamt. Das Jugendamt zahlt für die Vollzeitpflege Pauschalbeträge pro Kind für materielle Aufwendungen und Kosten der Erziehung. Bei Kindern bis zum siebten Lebensjahr sind das 783 Euro im Monat, bis 14 Jahre 858 Euro und bis zum 18. Lebensjahr und junge Volljährige 990 Euro pro Monat. Dazu kommt noch das Kindergeld.

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