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Im Prozess um die Tote aus dem Kanal gab es am Dienstag einen echten Paukenschlag.

Tote aus dem Kanal

"Ich habe meine Frau getötet"

Waltrop/Oer-Erkenschwick - Nach jahrelangem Abstreiten hat der angeklagte Ehemann im Prozess um die Kanalleiche von Waltrop die Tötung seiner Frau doch noch zugegeben. Während Verteidiger Siegmund Benecken das Geständnis verlas, wischte sich der 44-Jährige immer wieder Tränen aus dem Gesicht – selbst reden wollte er kein einziges Wort.

Das Geständnis am 22. Verhandlungstag des zweiten Mordprozesses vor dem Bochumer Landgericht hatte das Prädikat „faustdicke Überraschung“. Zu vehement waren zuvor die Unschuldsbeteuerungen gewesen. Zu stoisch, ja fast schon aufreizend stur, hatte der Angeklagte Prozessbeobachtern den Eindruck vermittelt: Ihr könnt alle sagen, machen und tun, was ihr wollt – von mir hört ihr im Leben kein Geständnis. Am Dienstag um 10.45 Uhr zerbröselten buchstäblich alle Spekulationen.

Der Tochter die Aussage erspart

Warum der Lkw-Fahrer die Tötung nun doch zugibt, begründete der Marler Anwalt mit Panik vor der eigentlich für Dienstag als Zeugin geladenen Tochter. „Um seiner Tochter den Auftritt vor Gericht zu ersparen“, so Benecken, habe der 44-Jährige in letzter Sekunde doch noch die „wahnsinnig schwere Entscheidung“ getroffen, zu bekennen: „Ja, ich habe meine Frau getötet.“

Streit wegen der Geliebten

In der fraglichen Nacht im Juni 2015 sei der 44-Jährige nachts mal wieder mit seiner Frau wegen seiner Geliebten aneinandergeraten. Die 25-Jährige habe ihn hysterisch angeschrien und gedroht, mit der gemeinsamen Tochter in die Türkei zu gehen, so dass er sein Kind nie mehr wiedersehen würde. Daraufhin habe er rotgesehen. „In meiner Erregung packte ich sie und drückte ihren Kopf so lange in ein Kissen, bis sie sich nicht mehr bewegte“, heißt es im Geständnis. Die Leiche seiner Frau will der 44-Jährige erst im Bett und später im Pkw zwischengelagert haben.

In den Kanal gestürzt

Ehe er sie schließlich – genau wie in der Anklage beschrieben – von der Oberwieser Brücke in den Dortmund-Ems-Kanal gestürzt habe. „Ich kann nur sagen, dass mir das Ganze wahnsinnig leidtut und ich alles dafür geben würde, wenn ich das Geschehene rückgängig machen könnte“, lautete der Schluss des Geständnisses.

Alles läuft auf Totschlag hinaus

Im Prozess läuft nun alles auf eine Verurteilung wegen Totschlags hinaus. Die Richter hatten auch ohne Geständnis bereits Bedenken signalisiert, ob sich anhand der Indizien ein Mordmerkmal zweifelsfrei nachweisen lassen wird. Dem 44-Jährigen drohen nun neun bis zehn Jahre Haft – nicht mehr und nicht weniger. Auf diese Spanne haben sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht bereits verständigt.

Zunächst freigesprochen

Am 10. Juni 2015 hatten Spaziergänger am Kanal in Waltrop auf dem Wasser die Leiche einer Mutter aus Oer-Erkenschwick entdeckt. In einem ersten Mordprozess hatte das Bochumer Schwurgericht den Lkw-Fahrer im Oktober 2016 allerdings aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Weil der Bundesgerichtshof den Freispruch jedoch später wegen rechtlicher Mängel gekippt hatte, war Ende März 2018 ein zweiter Mordprozess gestartet. Trotz des Geständnisses ist mit dem Urteil nicht vor Anfang November zu rechnen.

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