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Die Geschichtslehrer Andreas Pleyer (l.) und Nico Kröger mit einem Modell des ehemaligen Lagers „Stalingrad“ an der Bachstraße, das bereits im vergangenen Schuljahr entstand und womöglich als Relief auf dem Denkmal zu sehen sein wird.

Willy-Brandt-Gymnasium

Schüler erforschen Zwangsarbeiter-Alltag

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OER-ERKENSCHWICK - Zwangsarbeiter aus Osteuropa sind während des Zweiten Weltkriegs in Oer-Erkenschwick an den Folgen von Unterernährung und Krankheit gestorben. Ein dunkles Kapitel Stadtgeschichte, das totgeschwiegen wurde. Zwei Geschichtskurse der zwölften Jahrgangsstufe des Willy-Brandt-Gymnasiums arbeiten parallel zu einem Projekt in der Christoph-Stöver-Realschule die Geschichte der Zwangsarbeiterlager nun auf.

„Am Ende soll ein interaktives Denkmal mit QR-Codes stehen, mit denen man sich im Netz über das Thema informieren kann“, sagt Geschichtslehrer Nico Kröger (34). Ursprünglich wollten sich die Gymnasiasten bei ihrem Projekt mit dem Zwangsarbeiterlager an der Karlstraße beschäftigen. „Bis auf einen Plan des Lagers konnten wir in Archiven allerdings nichts Verwertbares finden“. sagt Geschichtspädagoge Andreas Pleyer (44). Deswegen setzen sich die Schüler jetzt mit der Ideologie auseinander, die hinter diesen Lagern steckte.

„Französische und polnische Zwangsarbeiter wurden damals besser behandelt und in Gasthöfen untergebracht. Bei der Unterbringung der Ostarbeiter kann man angesichts der hohen Sterblichkeitsrate eher von Vernichtungslagern sprechen“, meint Kröger. Die Nazi-Ideologie habe den Begriff Arbeit komplett umgekehrt von der Bedeutung als Existenzsicherung zu Existenzvernichtung.

Weil Zeitzeugen schwer zu finden sind, stützen sich die Gymnasiasten auch auf eine Facharbeit über Zwangsarbeiterlager im Kreis Recklinghausen von zwei Schülerinnen des Marie-Curie-Gymnasiums RE aus dem Jahr 1982, die sie bei ihren Recherchen entdeckt haben. „Darin haben wir auch Zeitungsberichte über die sogenannten Ewald-Prozesse wegen Misshandlung von Zwangsarbeitern gefunden“, sagt Pleyer. Demnach endeten die meisten Prozesse mit Freisprüchen. In einigen Fällen wurden moderate Strafen verhängt wie eine Geldstrafe in Höhe von 3.000 DM für einen Bergwerksdirektor.

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