Anwohner präsentiert eine Giftköderbox.
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Solche Giftköderboxen haben die Anwohner an der Groß-Erkenschwicker-Straße ausgelegt – bisher ohne Erfolg. Vögel, Katzen und Hunde kommen an das Gift nicht heran.

Nager scheuen kein Tageslicht

Rattenplage nervt Anwohner der Groß-Erkenschwicker-Straße - darum schreitet das Ordnungsamt nicht ein

  • Michael Dittrich
    vonMichael Dittrich
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Tagsüber geben sich in einer kleinen Neubausiedlung an der „Kreuzung Pieper“ in Oer-Erkenschwick fette Ratten die Klinke in die Hand. 

„Die Nager zeigen keine Scheu, klettern bei helllichtem Tag ungeniert auf meiner Baustelle herum“, sagt einer der Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will. Er befürchtet, dass er sonst ein Leben lang online in Zusammenhang mit einer Rattenplage gebracht werden könnte. Eine eklige Angelegenheit sind die Schädlinge allemal. Der Häuslebauer in Oer-Erkenschwick schätzt, dass die Rattenfamilie mindestens 20 Mitglieder zählt. Häufig kann man die Nager beobachten, wie sie sich auf einem Nachbargrundstück in einem Gartenteich an Fischfutter gütlich tun. Den Ratten-Badetag hat der verärgerte Oer-Erkenschwicker mit seinem Smartphone gefilmt.

Anwohner informieren Ordnungsamt in Oer-Erkenschwick über die Plage

Junge Familien, die dort eingezogen sind, sorgen sich zudem um die Sicherheit ihrer kleinen Kinder, wenn sie draußen vor der Haustür spielen. Mehrfach hat ein Anwohner das Ordnungsamt in Oer-Erkenschwick über die Rattenplage informiert. Bisher habe es keine Reaktionen von der Stadt gegeben. Inzwischen haben die Anwohner selbst die Initiative ergriffen und Rattengiftköder ausgelegt. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg. „In Oer gibt es offensichtlich ein allgemeines Rattenproblem, was wir so gehört haben“, meint ein betroffener junger Familienvater. Davon ist Ordnungsamtsleiterin Barbara Sosna aktuell nichts bekannt: „Ratten sind allerdings überall. Man geht davon aus, dass in größeren Städten auf einen Menschen etwa fünf Ratten kommen.“ Das Ordnungsamt schaut dem Treiben auch nicht tatenlos zu. „Wir haben eine Spezialfirma mit der Schädlingsbekämpfung beauftragt, die regelmäßig Giftköder in der Kanalisation oder Giftboxen auf Grünflächen auslegt“, sagt Sosna.

Schädlingsbekämpfer sieht keine auffälligen Brennpunkte in Oer-Erkenschwick

Allerdings wird die Stadt Oer-Erkenschwick nur im öffentlichen Bereich tätig. „Auf Flächen, die sich im Privatbesitz befinden, dürfen wir keine Giftköder auslegen, beziehungsweise müssen wir auch nicht. Um die Schädlingsbekämpfung muss sich der Eigentümer selbst kümmern“, sagt Sosna. Im Falle der Rattenplage an der Groß-Erkenschwicker-Straße handelt es sich um einen Privatweg. Das Ordnungsamt hat sich die Situation vor Ort angeschaut, als nicht so dramatisch eingestuft und das Auslegen von Giftködern empfohlen. Sosna: „Die Ratten kommen wohl von den angrenzenden Feldern.“ Jost Ziebell, Chef der Schädlingsbekämfungsfirma KSHM aus Lüdinghausen, kennt sich aus in der Oer-Erkenschwicker Rattenwelt. Mindestens einmal in Monat ist ein Mitarbeiter seiner Firma im Auftrag der Stadt am Stimberg unterwegs – einen ganzen Arbeitstag lang. „Auffällige Brennpunkte gibt es in Oer-Erkenschwick zurzeit nicht. Bis auf den Berliner Platz, das ist mit Abstand das größte Rattenloch.“ Giftgrün sind die Köder aus einem Getreide/Hafergemisch, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Anhand des Fraß-Zustandes kann der Schädlingsbekämpfer erkennen, wie stark der Rattenbefall ist und entsprechend nachlegen. Viel Arbeit hatten Schädlingsbekämpfer dieses Jahr auch wieder mit dem Eichenprozessionspinnner.

Die meisten Ratten tummeln sich in der Innenstadt von Oer-Erkenschwick

Dass sich die Ratten besonders gerne im Stadtzentrum von Oer-Erkenschwick tummeln, kommt nicht von ungefähr. Beim Wochenmarkt fallen regelmäßig Lebensmittelreste ab. Die Imbissbuden um den Berliner Platz tun ihr Übriges dazu. Wenn der Rest einer Dönertasche im Gebüsch landet, freuen sich die Nager. Das Nahrungsangebot ist offenbar so groß, dass die unterirdischen Bewohner gar nicht unbedingt auf die zusätzlichen Leckerchen aus Lüdinghausen angewiesen sind. Manchmal rühren sie die Giftboxen gar nicht an. Zur Erklärung: Vögel, Katzen und Hunde kommen an dieses Gift, das Ratten innerlich verbluten lässt, nicht heran.

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