Digital vernetzt ist der Arbeitsplatz eines Mitarbeiters der Leitstelle der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes. Brandrat Sven Wehrhagen (Foto) ist der Chef von 53 Mitarbeitern.
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Digital vernetzt ist der Arbeitsplatz eines Mitarbeiters der Leitstelle der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes. Brandrat Sven Wehrhagen (Foto) ist der Chef von 53 Mitarbeitern.

Leitstelle der Feuerwehr

Feuerwehren starten "Twittergewitter" zum europäischen Tag des Notrufs 112

  • Jörg Müller
    vonJörg Müller
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Alle vier Minuten geht ein Notruf bei der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ein - auch heute aus Oer-Erkenschwick am „Tag des Notrufs 112“.

  • 135.000 Notrufe haben die Feuerwehrleute in der Leitstelle im vergangenen Jahr abgearbeitet.
  • Immer wieder kommt es auch zu Notrufen der kuriosen Art.
  • Alle gut zwei Minuten erreicht die Leitstelle ein Telefonat, alle gut zwei Minuten ein Anliegen oder eine Notlage.

Update, 11. Februar, 13 Uhr

Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen berichten erneut via Kurznachrichtendienst Twitter über ihre Arbeit. An dem sogenannten "Twittergewitter" mit dem Hashtag #112live beteiligen sich zwar keine Feuerwehren aus dem Kreis Recklinghausen, aber Feuerwehren aus der Region wie beispielsweise Gelsenkirchen, Bottrop und Dortmund:

Bundesweit beteiligen sich mehr als 40 Berufsfeuerwehren am zweiten "Twittergewitter".

Was wir bisher berichtet haben (11. Februar, 6.50 Uhr)

Wer in Oer-Erkenschwick, Datteln, Waltrop oder anderen Städten des Kreises RE die Notrufnummer 112 wählt, hat am anderen Ende der Leitung nicht etwa einen Feuerwehrmitarbeiter der Rettungswache seines Wohnortes am Telefon.

„Seit 2002 laufen diese Notrufe in der Kreisleitstelle in Recklinghausen auf. Die ist die Zentrale für die Rettungskräfte aus allen zehn Städten des Kreises“, erklärt Sven Wehrhagen. Der 49-jährige Oer-Erkenschwicker ist seit 2014 als Brandrat Chef der Leitstelle. 

135.000 Notrufe gehen bei Feuerwehr ein - auch aus Oer-Erkenschwick, Datteln und Waltrop

9000 Mal mussten wegen gemeldeter Notlagen die Feuerwehren in den einzelnen Städten in Marsch gesetzt werden – weil es gebrannt hat oder technische Hilfe geleistet werden musste. 135.000 Notrufe haben seine Kollegen im vergangenen Jahr abgearbeitet. „Aber in 60.000 Fällen wurde der Rettungsdienst gebraucht“, klärt Sven Wehrhagen auf. Der weitaus größte Teil der Anrufe über die Notrufnummer 112 wird in der Leitstelle aber unter „Sonstige“ geführt. „Da melden sich Menschen und fragen, welche Apotheke Notdienst hat, oder wo sie ihren Pass verlängern lassen können“, erzählt Sven Wehrhagen. 

Gefräßige Igel und "diffuses Stöhnen" beschäftigen die Wehr

Zu den lustigsten „Fehlalarmen“ gehört in der Erinnerung des Leitstellen-Chefs der Anruf einer Seniorin, die mitten in der Nacht in ihrem Garten einen Igel dabei beobachtete, wie der ihren frischen Salat im Beet auffraß. Der Igel müsse mal ordentlich weggespritzt werden, forderte die Seniorin von dem Leitstellenmitarbeiter, der die Dame beruhigen konnte. Immer wieder kommt es vor, dass Bürger über denNotruf 112 ein „diffuses Stöhnen“ melden. „Vor Ort haben wird dann statt eines Menschen in Notlage auch schon mal liebestolle Schildkröten oder ein menschliches Liebespaar in einem Zimmer mit offenem Fenster als Verursacher ermittelt und uns dann diskret zurückgezogen“, erinnert sich Wehrhagen. Grundsätzlich gilt: Jeder 112-Notruf wird ernst genommen. In der rund um die Uhr besetzten Leitstelle werden die Einsätze koordiniert. „Bei Großbränden oder Naturkatastrophen kann die Leitstelle auch schnell zu einem Lagezentrum erweitert werden. Technisch sind wir da auf dem neuesten Stand“, sagt Wehrhagen. Von der Leitstelle in RE werden bei Notlagen auch die Bürger über die Notfall-App „NINA“ informiert.

Oer-Erkenschwick: Feuerwehr bösartig alarmiert

Aber die rund 135.000 Notrufe über die „112“ sind nicht die einzigen Telefonate in der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes. „Im vergangenen Jahr wurde darüber hinaus über die normale Amtsleitung in 34.000 Fällen ein Krankentransport beauftragt. Weitere 60.000 Anrufe waren beispielsweise zu Organisationszwecken zu bewältigen. Macht 230.000 Anrufe im Jahr. Das bedeutet: Alle gut zwei Minuten ein Telefonat, alle gut zwei Minuten ein Anliegen oder eine Notlage. „Unsere Mitarbeiter müssen ausgebildete Feuerwehrleute sein und mehrere Jahre in einer Wehr gearbeitet haben. Diese praktische Erfahrung ist wichtig, um Notlagen einschätzen und richtige Entscheidungen treffen zu können“, sagt Wehrhagen.Sehr ärgerlich ist es dann, wenn die Feuerwehr böswillig ohne Grund alarmiert wird. Wer dabei erwischt wird, muss den Einsatz bezahlen. Grundsätzlich ist der Notruf 112 aber kostenlos – nicht nur heute…

  • Wie setzt man eigentlich einen Notruf richtig ab? Heute gilt die „Ein-W-Regel“. Und die bedeutet: Warten auf die Fragen! Denn der Feuerwehrmann, der den Notruf in der Leitstelle entgegennimmt, fragt nach einem vorgegebenen Protokoll alle wichtigen Informationen ab und setzt dann eine der Lage angepasste Rettungskette in Gang.
  • Die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuer- und Rettungsdienst) sind erst seit 1973 bundesweit verbindlich. Anlass war 1969 der Tod des achtjährigen Schülers Björn Steiger, der nach einem Verkehrsunfall starb, weil die Rettungskräfte zu spät am Unfallort eintrafen. Der Vater des Unfallopfers engagierte sich später für eine Verbesserung des Notrufs und gründete die Björn-Steiger-Stiftung. 
  • In der früheren DDR waren dagegen die 110 für die Polizei und die 112 für die Feuerwehr seit mindestens 1958 als einheitliche Notrufnummer im Gebrauch. 
  • Seit dem 11. Februar 1991 gilt in allen Mitgliedsstaaten der Eurpäischen Union (EU), der EFTA (Europäische Freihandels-Assoziation mit der Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island) sowie Russland und der Ukraine die einheitliche Euro-Notrufnummer 112. 
  • Gespräche mit der Notrufnummer sind kostenlos. Voraussetzung ist aber ein funktionierendes Festnetz- oder ein Mobiltelefon mit einer registrierten und eingelegten SIM-Karte. u Wer heute von seinem Mobiltelefon den Notruf wählt, braucht seinen Standort nicht mehr genau zu wissen. Beim Notrufgespräch überträgt das Handy automatisch GPS-Positionsdaten, die dem Feuerwehrpersonal in der Leitstelle eine genaue Ortung ermöglichen.

Wie wichtig die Notrufnummer 112 im ernstfall wirklich ist, das zeigte sich jetzt bei der Extremwetterlage durch Sturmtief Sabine in den Städten Oer-Erkenschwick, Datteln und Waltrop.

Die Rettungskräfte wurden zur Jet-Tankstelle alarmiert, zwei Autos waren zusammengestoßen.

Motorsägen kreischen - deshalb werden Bäume am Stimbergstadion in Oer-Erkenschwick gefällt.

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