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Hermann Ritterswürden zeigt am Kiesenfeldweg den damaligen Bericht über die Gasexplosion im Lokalteil der Stimberg Zeitung

Alle vier Jahre

Am Schalt-Tag: Warum "Mai-Kind" Hermann Ritterswürden am 29. Februar seinen zehnten Geburtstag feiert

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13 Oer-Erkenschwicker feiern am 29. Februar Geburtstag. Hermann Ritterswürden auch, obwohl er im Mai geboren wurde. Dafür hat der 78-Jährige einen guten Grund.

  • Am 29. Februar 1980 explodierte am Kiesenfeldweg ein Wohnhaus
  • Ein Bagger hatte die Gasversorgungsleitung durchtrennt
  • Sieben Menschen wurden zum Teil schwer verletzt

Am  29. Februar 1980, also vor exakt 40 Jahren, explodierte um 8.55 Uhr das Wohnhaus Kiesenfeldweg 81 in Oer-Erkenschwick. Als es knallte, lag  Hermann Ritterswürden in seiner direkt benachbarten Doppelhaushälfte im Bett. Er war gerade von der Arbeit gekommen und hatte riesiges Glück. Die Haushälfte seiner Nachbarn wurde nahezu vollständig zerstört. Sieben Menschen wurden teils schwer verletzt. Darunter befanden sich die drei Bewohner des eingestürzten Gebäudes sowie vier Mitarbeiter der Baufirma, die beim Erneuern des Bürgersteigs mit einer Baggerschaufel die Gasversorgungsleitung durchtrennten und so die Gasexplosion verursachten.

Oberbrandmeister der Feuerwehr Oer-Erkenschwick

 „Ich war kurz zuvor von der Arbeit gekommen“, erinnert sich Hermann Ritterwürden. Bis zu seinem 60. Lebensjahr war der Oberbrandmeister hauptamtlicher Mitarbeiter der Feuer- und Rettungswache in der Stadt Oer-Erkenschwick und hatte gerade seine 24-Stunden-Schicht beendet. „Ich habe mich zunächst bei uns im ersten Stock in meine Betthälfte im zur Straße gelegenen Schlafzimmer gelegt. Weil es mir da aber wegen der Bauarbeiten zu laut war, bin ich nach hinten ins Zimmer meiner Tochter umgezogen. Das hat mich damals wohl vor Verletzungen bewahrt“, erzählt Ritterswürden bei einem Ortstermin am Kiesenfeldweg. Die damals 16-jährige Tochter befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Schule. Ritterswürdens Ehefrau war auf der Arbeit – beide also in Sicherheit. 

Rettungshubschrauber landet in Oer-Erkenschwick

„Ich war gerade eingeschlafen, als ich von dem lauten Knall aufschreckte. Ich bin sofort nach vorne ins Schlafzimmer gelaufen. Dort waren die Wände eingedrückt. Dann rannte ich die Treppe runter nach draußen und sah dort, dass die andere Haushälfte fast komplett eingestürzt war“, sagt Ritterswürden. Sofort alarmierte der Feuerwehrmann seine Kollegen. „Als erstes traf unser damaliger Krankenwagen am Kiesenfeldweg in Oer-Erkenschwick ein. Ich habe noch heute die entsetzten Blicke der Kollegen vor Augen“, erinnert sich der 78-Jährige. Was Hermann Ritterswürden auch nie vergessen wird: „Den Sohn der Nachbarn konnte man, weil die Außenwand weggebrochen war, in seinem Bett im ersten Stock liegen sehen. Auf ihn war ein Stück der Mauer gefallen. Außerdem war vom Heizkörper die Leitung abgerissen und das warme Wasser ergoss sich über seinen Körper. Die Frau der Familie befand sich in der Küche und der Mann lief orientierungslos im Garten herum. Der Sohn wurde schließlich geborgen und mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht“, erzählt Hermann Ritterswürden. 

Neues Eigenheim in Oer-Erkenschwick gebaut

Auch seine Haushälfte war nach der Explosion nicht mehr bewohnbar. „Wir sind damals bei den Eltern eines Kameraden vom Feuerwehr-Löschzug an der Brechtstraße untergekommen. Immerhin zwei Jahre haben wir dort gelebt“, sagt Ritterswürden. 1982 ist die damals noch dreiköpfige Familie Ritterswürden in ein neues Eigenheim an der Bachstraße umgezogen. Dort wohnen sie heute noch, samt Schwiegersohn. Mittlerweile gibt es Enkel und sogar zwei Urenkel. „Die beiden bringe ich fast täglich in den evangelischen Kindergarten an der Stettiner Straße. Und dabei fahre ich dann stets an unserem früheren Grundstück vorbei“, sagt der ehemalige Feuerwehrmann. Er hatte sich nach der Explosion zusammen mit seiner Frau dazu entschlossen, das Areal am Kiesenfeldweg zu verkaufen.

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