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Auch Taucher waren seinerzeit im Einsatz, nachdem die Tote aus dem Kanal geborgen worden war.

Prozess um die Tote aus dem Kanal

Opferanwälte halten Urteil für zu milde

Oer-Erkenschwick/Waltrop - Die Totschlags-Verurteilung eines Lkw-Fahrers im zweiten Prozess um die Tote aus dem Kanal bei Waltrop ist überraschend doch noch nicht das letzte Wort: Weil unter anderem drei Opferanwälte Revision gegen das in ihren Augen zu milde Urteil eingelegt haben, beschäftigt der Fall demnächst erneut den Bundesgerichtshof.

Nachdem der 44-jährige Ehemann der im Juni 2015 zu Tode gekommenen Mutter (25) im Oktober 2016 in einem ersten Prozess am Bochumer Schwurgericht noch freigesprochen war, hatte eine andere Strafkammer den Angeklagten am 9. November 2018 zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Letzterem vorausgegangen war zunächst eine Aufhebung des ersten Freispruch-Urteils sowie Anordnung eines zweiten Verfahrens durch den Bundesgerichtshof (BGH). Im zweiten „Kanalleichen-Prozess“ hatte der 44-Jährige dann völlig überraschend am 18. September doch noch zugegeben: „Ja, ich habe meine Frau getötet.“

Auf eine Spanne geeinigt

Fest steht: Das anschließende Totschlags-Urteil fußte auf einer juristischen Verständigung, oftmals auch als „Deal“ bezeichnet. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht hatten sich während des zweiten Verfahrens für den Fall einer Verurteilung wegen Totschlags auf eine Spanne von neun bis zehn Jahren Haft geeinigt. Dass sich aller Voraussicht nach eine Ermordung der Mutter nicht nachweisen lasse, hatten die zweiten Richter bereits im Vorfeld signalisiert.

Von der Mord-Version abgerückt

Und auch die Staatsanwaltschaft war zuletzt von ihrer ursprünglichen Mord-Version abgerückt und hatte die vom Angeklagten geschilderte Tatversion zugrunde gelegt. „In meiner Erregung packte ich sie und drückte ihren Kopf so lange in ein Kissen, bis sie sich nicht mehr bewegte“, hatte der Lkw-Fahrer zugegeben. Anschließend hatte er die Leiche von der Oberwieser Brücke in den Dortmund-Ems-Kanal gestürzt.

Durch drei Anwälte vertreten

Die Familie der getöteten Frau war in beiden Prozessen stets durch drei Opferanwälte vertreten. Und weil das Ziel der Opferfamilie nach wie vor eine Verurteilung des 44-Jährigen wegen Mordes ist, haben die Anwälte nun Revision wegen eines ausgeblieben Mord-Urteils eingelegt. Sollte der BGH das Totschlags-Urteil nach erfolgter Prüfung aus rechtlichen Gründen bemängeln, könnte am Ende die Anordnung eines dritten Strafprozesses im Fall Knalleiche von Waltrop stehen. Mit einer Entscheidung ist jedoch wohl frühestens Mitte 2019 zu rechnen.

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