Wildschweine im Wald
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Kein bisschen „niedlich“: Der grimmige Blick lässt ahnen, welche Kräfte ein ausgewachsenes Wildschwein mobilisieren kann, wenn es bedrängt wird und angreift.

Furcht vor Afrikanischer Schweinepest

Schweinezüchter in Alarmbereitschaft: Immer mehr Schwarzwild schwimmt durch die Lippe und den Kanal

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  • Jörg Müller
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Wildschweine sind gleich doppelt gefährlich: Sie übertragen die Afrikanische Schweinepest und treffen in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick auf Wanderer.

Update: 29.1., 15.00 Uhr: Die Jagd auf Wildschweine ist künftig in NRW auch mit Nachtsichtgeräten oder Scheinwerfern erlaubt. Hintergrund ist der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest. Wie das Umweltministerium am Freitag mitteilte, tritt die Änderung der entsprechenden Jagdverordnung an diesem Samstag in Kraft. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte: «Die Regulierung des Wildschweinbestands ist ein wichtiger Baustein zur Vorsorge vor einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.» Jägerinnen und Jäger seien dabei wichtige Partner.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind die Haard und andere Waldgebiete in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick besonders beliebte Ausflugsziele. Aber die vielen Spaziergänger müssen sich den Wald mit Wildtieren teilen – zum Beispiel mit Wildschweinen. Und das kann gefährlich werden.

Wildschweine sind Dauerthema in Datteln und Oer-Erkenschwick

Oft rieche man die Tiere, bevor man sie sehe, sagen Jäger. Wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Dass man sie nicht sieht, heißt nicht, dass sie nicht da sind. Das wissen die im Hegering Oer-Erkenschwick/Datteln organisierten Jäger mit ihrem Vorsitzenden Georg Ludbrock (53) nur zu gut. Auch wenn die Coronavirus-Pandemie alles überlagert – die Bestandsreduktion der Wildschweine bleibt eine Daueraufgabe, um sie als potenzielle Überträger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf Hausschweine zu begrenzen. Auch hier geht es um ein Virus – ein zwar für den Menschen ungefährliches, aber für Tiere tödliches. Manchmal aber wird die Jagd sabotiert.

Auch der Wolf soll als potenzieller ASP-Überträger geprüft werden

Aber in Ludbrocks Jäger-Brust schlagen in dieser Angelegenheit zwei Herzen. „Es ist wohl unstrittig, dass die Afrikanische Schweinepest vom Schwarzwild übertragen wird. Aber jetzt muss man auch untersuchen, ob die ASP nicht auch durch weitere tierische Zuwanderer aus dem Osten übertragen wird“, fordert Ludbrock – und meint damit den Wolf. „Wölfe jagen und fressen Wildschweine und tragen so vielleicht das Virus in sich.“ Und überhaupt, so Ludbrock, seien Jäger nicht Jäger geworden, um Wildschweine in großer Zahl zu schießen. „Ein Jäger erlegt nur so viele Tiere, wie er auch verwerten kann“, stellt der Hegeringsvorsitzende fest. Dennoch bestätigt Ludbrock: „Für uns ist die Afrikanische Schweinepest seit Jahren ein Thema.“ Früher begann im August die klassische Jagdzeit auf Wildschweine. Das ist Vergangenheit, die Schonzeiten für das Schwarzwild sind bis 2023 in NRW aufgehoben. Behörden drängen Jäger dazu, den Wildschwein-Bestand zu verkleinern. Eine Infektion in den Hausschwein-Ställen würde den Markt sofort zusammenbrechen lassen.

Wildschweine schwimmen durch die Lippe nach Waltrop

„Wir hatten die Lage gut im Griff“, sagt Alfons Westermann, zweiter Vorsitzender des Hegerings Waltrop. Aus der Haard wanderten auch vereinzelt Tiere bis nach Waltrop, die meisten Wildschweine jedoch fänden den Weg aus Cappenberg in die Rieselfelder: „Die schwimmen durch die Lippe, das ist gar kein Problem für sie.“ Die Äcker und Felder seien für die Tiere ein gedeckter Tisch: „Sie haben erhebliche Schäden in den Feldern angerichtet, aber sie sind auch eine Gefahr für Bodenbrüter.“ Die Jäger nahmen die borstigen Einwanderer darum gezielt ins Visier. Um die 25 Tiere erlegten sie im Jahr. „Aber Corona hat 2020 auch die Jagd erschwert“, sagt Westermann. Dass sei neben dem niedrigen Bestand auch ein Grund, weshalb nur drei Wildschweine in Waltrop erlegt wurden. Nun ist die Sorge groß, dass die Population wieder anwächst.

Borstenvieh lässt in einem Kaufhaus „die Sau raus“

Ein mit Rüsselnasen und Hauern umgepflügter Boden ist ein deutlicher Hinweis auf Wildschwein-Aktivitäten. Bei aller Furcht der Heimlichtuer vor dem Menschen entdecken Wildschweine rasch, dass irgendwo weggeworfene Lebensmittel eine prima Futterquelle darstellen – da geht die Scheu bisweilen verloren. Im Dezember wurde über Wildschweine im Recklinghäuser Ortsteil Suderwich berichtet. Ein Tier ließ in einem Kaufhaus in Dinslaken buchstäblich „die Sau raus“ – im demolierten Laden flüchteten sich Kunden auf Tische und Stühle, selbst Polizisten mussten sich in Sicherheit bringen.

Schwarzwild profitiert offenbar vom Klimawandel

Die Forschungsstelle Jagdkunde und Wildschadenverhütung am LANUV NRW (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) geht davon aus, dass das Schwarzwild vom Klimawandel profitiert. Kälte und Nässe setzen den Jungtieren zu, doch die extreme Trockenheit 2018 bis 2020 führte zusammen mit milden Wintern zu hohen Zuwachsraten und mehreren Generationen an Frischlingen, wie der gestreifte Nachwuchs genannt wird.

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