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Erinnert sich im Gespräch mit Stadtarchivarin Bettina Lehnert an die Zwangsarbeiter-Lager in Oer-Erkenschwick: Zeitzeuge Rudi Wirker (88).

Zweiter Weltkrieg

Stadt will an Zwangsarbeiter erinnern

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OER-ERKENSCHWICK - Kaum jemand kann sich noch an die Zwangsarbeiter-Lager zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in der Stadt erinnern. Das soll sich nach dem Wunsch von Stadtrat und -verwaltung zukünftig ändern.

In Kooperation mit weiterführenden Schulen in der Stadt arbeitet Kommunal-Archivarin Bettina Lehnert derzeit an der Aufarbeitung der Geschichte der Lager und ihrer Insassen. Am Ende sollen Schüler über die Art des Erinnerns an diesen dunklen Teil der Stadtgeschichte (mit-)entscheiden. „Über die Lager gibt es nur wenige Unterlagen. Deshalb sind wir auf Zeitzeugen angewiesen“, erklärt Lehnert.

Und mit Rudi Wirker hat sich jetzt ein „alter Erkenschwicker“ gemeldet, der sich noch gut an die Zwangsarbeiterlager erinnern kann. „Ich bin in Oer-Erkenschwick aufgewachsen und habe am 1. März 1944 meine Elektriker-Lehre auf dem Pütt begonnen“, sagt der 88-Jährige. Im Gespräch mit der Stadtarchivarin berichtet der spätere Elektro-Obermeister und Ausbildungs-Werkstattleiter von dem damals 14-jährigen Leonid aus der Ukraine, den die Wehrmacht auf ihrem Rückzug einfach mitgenommen hatte und der auf der heimischen Zeche „gestrandet“ war.

Brutale Verhältnisse

Und Rudi Wirker erinnert sich an den Franzosen Robert. Der war Kriegsgefangener, lebte in einem der drei Lager in Rapen. Weil Robert Elektroingenieur war, kümmerten sich Rudi Wirker und der Franzose um Reparaturen im Zwangsarbeiter-Lager auf dem heutigen Bauhof-Gelände. „Stalingrad“ wurde es genannt, weil dort fast nur Russen lebten.

Zeitzeugen melden sich ab Dienstag im Stadtarchiv unter Tel. 0 23 68/25 72.

„Wie man mit den Menschen dort umgegangen ist, war furchtbar. Manchmal kommen die Erinnerungen heute noch hoch. Die Männer wurden brutal zusammengeschlagen. Einmal habe ich gesehen, wie die Gefangenen über den im Eingang platzierten Leichnam eines Leidensgenossen steigen mussten, den man bei einem vermeintlichen Fluchtversuch erschossen hat“, erklärt Wirker. Der 88-Jährige ist sehr erfreut darüber, dass die Stadt an die Greueltaten in den Zwansgarbeiterlagern erinnern will. Liebe Leserinnen und Leser, unter diesem Artikel finden Sie ausnahmsweise keine Kommentarfunktion. Zu diesem Schritt haben wir uns entschlossen, weil zu Themen wie diesem viele Beiträge mit beleidigendem oder sogar strafrechtlich relevantem Inhalt eingegangen sind. Eine sinnvolle Moderation dieser Foren ist kaum noch möglich, zumal es in vielen Beiträgen gar nicht mehr um sachliche Argumente, sondern vielmehr um persönliche Diffamierungen geht. Unter anderen Artikeln finden Sie natürlich weiterhin die Möglichkeit, Ihre Meinung zu dem jeweiligen Thema zu äußern. Wir hoffen auf Ihr Verständnis. Ihre Online-Redaktion des Medienhauses Bauer.

Kleingarten-Legende Rudi Wirker wird 90 Jahre alt. Wir haben den Altersjubilar auf seiner Parzelle besucht.

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