Annalena Baerbock und Markus Söder sprechen im ARD-Talk „Anne Will“ miteinander.
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Talkshow-Königin 2019 trifft CSU-Chef bei „Anne Will“ - zeigen die deutschen Polit-Talks ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit?

„Big 4“ in der Kritik

Anne Will, Plasberg und Co. am TV-Pranger: Studie deckt eklatante Mängel auf

In ARD und ZDF wird nun wieder kräftig debattiert - doch eine aktuelle Studie liefert neue Kritik an den Talks von „Anne Will“ bis „Maischberger“. Die Autoren fällen ein bedenkliches Urteil.

Berlin - Seit Sonntag ist die Saison für Polit-Talkshows offiziell wieder eröffnet. Mit „Anne Will“* ist auch das Flaggschiff der Öffentlich-Rechtlichen wieder auf die Fernsehbildschirme zurückgekehrt. Pünktlich wird nun auch Kritik laut: Eine aktuelle Studie hat über drei Jahre die Teilnehmerschaft der „Big 4“ in ARD und ZDF analysiert.

Das bemerkenswerte Ergebnis: Bei Will, aber auch „hart aber fair“, „Maischberger“* und „Maybrit Illner“* bilden die geladenen Gäste "nur unzureichend" die politische Realität im Land ab. Schon Ende 2019 hatte eine andere Auswertung eine klare Schieflage offenbart.

„Anne Will“ und Co: „Zugespitzt formuliert“ - Studie liefert neue Kritik an Polit-Talks von ARD und ZDF

Erarbeitet hat das Papier der linksliberale Berliner Think Tank „Das Progressive Zentrum“, der schon mit verschiedenen Parteistiftungen oder auch Bundesministerien arbeitete. Das Urteil über die Talkshow-Realität im deutschen TV ist nicht gerade positiv.

So lässt sich aus dem Papier „Die Talkshow-Gesellschaft" unter anderem herauslesen, dass NGOs, Verbraucherschützer, Kommunal- und Europapolitiker oder auch Politiker mit ostdeutscher Sozialisation eher unterrepräsentiert sind. Auch Wissenschaftler kamen der Erhebung zufolge lange kaum zu Wort - erst mit Beginn der Corona-Krise erhöhte sich ihr Anteil an den Auftritten in den großen Talkshows. „Zugespitzt formuliert, trifft in den Talkshows Hauptstadtpolitik auf Hauptstadtjournalismus“, schreiben die Autoren Paulina Fröhlich und Johannes Hillje.

„Besonders niedrig ist die Talkshow-Präsenz von Organisationen, die besonders hohes Vertrauen in der Gesellschaft genießen (z.B. Verbraucherschutz, NGOs, Gewerkschaften)“, heißt es im Fazit der Studie. „Gleichzeitig wird die Realität des politischen Mehrebenensystems nur unzureichend abgebildet, worunter insbesondere die Wertschätzung der kommunalen und europäischen Ebene leiden könnte.“

Talkshows von „Anne Will“ bis „Maischberger“ in der Kritik - Bildung und Soziales kommen kaum zu Wort

Auch einige konkrete Zahlen haben die Verfasser geliefert. So sind der Erhebung zufolge acht von zehn Gästen aus dem Wirtschaftsbereich Vertreter der Unternehmerseite. Satte 70 Prozent der teilnehmenden Politiker waren auf Bundesebene aktiv.

Kaum zu Wort kamen laut der Studie im Betrachtungszeitraum vor Corona Wissenschaftler (8,9 Prozent der Teilnehmer). Auch Wirtschaft (6,4 Prozent), Kultur (2,8 Prozent) und organisierte Zivilgesellschaft (2,7 Prozent) waren wenig vertreten. „Besonders klein“ sei der Anteil von Gästen aus den Bereich Soziales (1,4 Prozent), Religion (0,7 Prozent) und Bildung (0,1 Prozent) gewesen.

Video: Bei Maischberger: Wagenknecht und Thelen zoffen sich wegen Corona-App

Ausgewertet wurden den Angaben zufolge 1.208 Sendungen über einen Zeitraum von März 2017 bis März 2020 - sowie einige Ausgaben aus den Zeiten der ersten Hochphase der Corona-Pandemie. Betrachtet wurden dabei besagte „Big 4“ und „für punktuelle Vergleiche“ auch „Markus Lanz“ und die „Phoenix Runde".

Auch bei der jüngsten Ausgabe von Frank Plasbergs Talk „hart aber fair" lieferte ein Bundespolitiker die Schlagzeilen - in diesem Fall Wirtschaftsminister Peter Altmaier. (fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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