„Virus wird Teil unseres Lebens bleiben“

Merkels Corona-Gipfel: Top-Virologen äußern massive Kritik an Lockdown-Strategie

Vor dem Treffen zwischen Angela Merkel und den Ministerpräsidenten haben Vertreter der Wissen- und Ärzteschaft ein Positionspapier vorgelegt. Sie raten von einem Lockdown ab.

  • Hendrik Streeck ist Professor der Virologie an der Universität Bonn.
  • Streeck und Kollegen legen Angela Merkel eigene Forderungen zur Bekämpfung des Coronavirus* vor.
  • Die Wissenschaftler und Ärzte sprechen sich gegen einen zweiten Lockdown aus.

Bonn - Am Mittwoch beraten sich Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über den weiteren Fahrplan während der Corona-Pandemie. Vor diesem Treffen hat das Gremium ein Positionspapier der Wissenschaftler rund um die Virologen Prof. Hendrik Streeck und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit erhalten. Die Vertreter fordern ein bundesweit einheitliches Ampelsystem, welches nicht ausschließlich auf der Kennzahl an Neuinfektionen basiert, sondern „alle relevanten Kennzahlen, wie Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten Tests, stationäre und intensivmedizinische Behandlungskapazitäten (beinhalten)“.

Wissenschaftler sind gegen einen Corona-Lockdown: Positionspapier von Virologen wirft Fragen auf

Einen besonderen Fokus möchten die Unterzeichner des Positionspapiers auf den Schutz der Risikogruppen* legen, da diese am schlimmsten von einer Infektion betroffen wären. Demnach sollen laut den Wissenschaftlern und Ärzten Besucher nur nach negativem Schnelltest Zugang zu Pflege- und Seniorenheimen erhalten. Das Personal dieser Einrichtungen müsse sich ebenfalls regelmäßig testen lassen.

Das wohl wichtigste Thema bei Treffen von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten dürfte die Frage nach einem zweiten Lockdown und den damit verbundenen Regeln sein. Einen erneuten Lockdown als Antwort auf die zweite Corona-Welle* halten die Ärzte und Wissenschaftler für unnötig, vielmehr hoffen sie auf Gebote statt Verbote für Bürger und Bürgerinnen. „Sobald sich Verordnungen als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellen oder von Gerichten außer Kraft gesetzt werden, bekommen wir ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem“, heißt es in dem Positionspapier.

Gegen Corona-Lockdown: Streeck und andere Virologen fordern Fokussierung auf Risikogruppe

Hendrik Streeck forscht an der Uniklinik in Bonn.

Daher sollte das Ziel sein, den Bürger und Bürgerinnen Hoffnung und Mut zu machen und ihnen Alternativen aufzuzeigen, anstatt neue Verbote zu installieren. „Der Virus wird Teil unseres Lebens bleiben. Es ist ein Marathon, kein Sprint“, so Streeck. Umso wichtiger sei es, die Bereitschaft aller Menschen zu erhalten. Lockdowns seien aus Sicht der Wissenschaftler und Ärzte daher nicht die richtige Antwort, da Wirtschaftszweige vor dem Abgrund stehen und wichtige medizinische Behandlungen ausgelassen würden. (tko) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini

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