Beschränkungen werden wieder verschärft

Sperrstunde, Alkoholverbot, Maskenpflicht: Söder sieht Bayern an „ganz spannender Weggabelung“

Markus Söder befürchtet eine Explosion der Infektionszahlen in Bayern. Deswegen zieht der Ministerpräsident die Zügel zum Herbstanfang wieder straffer - und wählt dabei die neue Corona-Sprache.

  • In Bayern steigen die Infektionszahlen wie befürchtet wieder an.
  • Deshalb verkündet Ministerpräsident Markus Söder neue Einschränkungen im öffentlichen Leben.
  • Betroffen sind vor allem die Jüngeren, mit denen aber auch der Dialog gesucht werden soll.

München - Wenn es um das Coronavirus* geht, ist spannend nur ein anderes Wort für gefährlich. Es kann heikel bedeuten, aber im schlimmsten Fall auch dramatisch. Markus Söder lässt keinen Zweifel daran, dass es für die Staatsregierung allerhöchste Zeit ist, auf die jüngsten Entwicklungen zu reagieren. „Wir haben eine ganz spannende Weggabelung vor uns“, sagt der Ministerpräsident. Gut klingt das nicht.

Einige Maßnahmen, die der Ministerpräsident am Dienstag ankündigte*, waren schon seit Montag bekannt. Ein wichtiges Element aber ist über Nacht noch hinzugekommen: die Sperrstunde um 23 Uhr, die besonders stark von der Pandemie betroffene Städte und Kommunen verhängen können. Dem Wortlaut nach ist das nur eine Option, doch Söder lässt keinen Zweifel daran, dass es viel mehr ist. Mit den jüngsten Beschlüssen gibt das Kabinett den Kommunen nicht bloß Werkzeuge an die Hand, sondern ermuntert sie mit Nachdruck, diese auch rege einzusetzen: „Die Zahl derer, die sich über Leichtsinn infizieren, wächst.“

Coronavirus in München: Richtlinien für Masken im Unterricht angepasst

Zu den konkretesten Maßnahmen gehören neben dem Alkoholverbot (Verkauf und Konsum) die Masken*, für Söder „zentrales Instrument“ der Infektionsbekämpfung. An stark besuchten öffentlichen Plätzen wird das Tragen Pflicht, wenn die lokalen Inzidenzwerte den kritischen Punkt überschreiten. Ab 35 sind zudem auf den weiterführenden Schulen Masken selbst während des Unterrichts zu tragen, ab 50 müssen auch Grundschüler sie anlegen. Den Einbau von Lüftungsanlagen in Schulen und Kitas fördert der Freistaat mit 50 Millionen Euro.

Kleinere und größere Kinder zu schützen und den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten, ist die eine Priorität, eine Lehre aus dem Frühjahr. Auch das Stützen der Wirtschaft und der Erhalt von Arbeitsplätzen steht ganz weit oben. Erst danach kommen Freizeitaktivitäten. Man wolle „Lebensfreude nicht verbieten“, sagt Söder. Aber wo es um das Allgemeinwohl gehe, stoße sie an ihre Grenzen. 

Vorbildlicher Landesvater: Markus Söder trägt in der bayerischen Staatskanzlei Maske und wäscht sich ausgiebig die Hände.

Coronavirus in München: Fast 50 Prozent der Neuinfizierten in Bayern zwischen 15 und 34 Jahre alt

Er will dazu „einen intensiven Dialog anregen, gerade mit den Jüngeren“. Denn fast jeder zweite Neuinfizierte in Bayern* stammt mittlerweile aus der Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahre. Dort verläuft die Erkrankung zwar häufig milder. Aber ansteckend ist man auch mit Mitte 20*, weswegen Söder zunehmend einen Verlauf „von Jung nach Alt“ registriert.

Senioren, aber auch die in vergleichbarem Maße für schwere Verläufe anfälligen Menschen in Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen sollen geschützt werden, indem das Besuchsrecht auf täglich eine Person während einer festen Besuchszeit beschränkt wird. Ähnlich strikt wird die Quarantäneregelung für Rückkehrer aus Risikoländern ausgelegt. Für Geschäftsreisende gilt weiter eine Befreiung, wenn die Reise weniger als 48 Stunden dauert - ausgenommen sind ausdrücklich Sportveranstaltungen. Wer den FC Bayern zum Supercup nach Budapest* begleitet, muss danach in Quarantäne oder einen negativen Test vorweisen.

Noch gibt es in Bayern keinen sprunghaften Anstieg der Zahlen in den Krankenhäusern. Die Staatsregierung hat jedoch die Sorge, dass das nicht mehr lange so bleibt. „Wenn wir das jetzt nicht alles machen, besteht die Gefahr, dass die Zahlen explodieren“, sagt Söder. In zwei, drei Wochen werde sich zeigen, wie die Maßnahmen gegriffen haben. Es bleibt also spannend. (Marc Beyer) *merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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