Snowden-Vertrauter Glenn Greenwald

Eklat in Brasilien: Kolumnist schlägt US-Star-Journalisten vor laufender Kamera

Eklat vor laufender Kamera: Der Snowden-Vertraute und Journalist Glenn Greenwald ist bei einer brasilianischen Radiodebatte physisch attackiert worden. Er sieht System hinter dem Vorfall.

  • In Brasilien ist es bei einer politischen Debatte im Radio zu einer physischen Auseinandersetzung gekommen.
  • Der bekannte US-Journalist Glenn Greenwald erlitt einen Schlag ins Gesicht.
  • Er beschuldigte später die Bewegung des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, Gewalt zu befördern.

Belo Horizonte/Brasilia - Hitzige Debatten, stark polarisierte Positionen, offener Hass - all das gibt es mittlerweile auch in der deutschen Politik. Heftig geht es aber auch in Brasilien zu. Das Land wird seit rund einem Jahr vom Rechtspopulisten Jair Bolsonaro regiert. Seither haben sich so einige Konflikte zugespitzt.

Eine Kostprobe der aufgeheizten Atmosphäre gab es am Donnerstag (7. November) vor laufenden Kameras zu erleben. Bei einem im Internet live in Bewegtbildern gestreamten Radio-Gespräch des Senders Jovem Pan saßen sich der rechtsgerichtete Kolumnist Augusto Nunes und US-Journalist Glenn Greenwald gegenüber. 

Greenwald gilt nicht nur als wichtiger Helfer des Whistleblowers Edward Snowden, sondern auch als einer der profiliertesten Bolsonaro-Kritiker. Unter anderem mit geleakten Telefonaten setzte er zuletzt den brasilianischen Präsidenten unter Druck. Die Debatte mit Nunes wurde persönlich - und kulminierte schließlich in einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Die Bilder gingen kurz vor dem Wochenende um die Welt.

Whistleblower Edward Snowden (li.) und Glenn Greenwald in einer Szene des Dokumentarfilms "Citizenfour".

Glenn Greenwald: Streit in Radioshow - brasilianischer Kolumnist zieht Adoptivkinder in Debatte

Geführt wurde das Streitgespräch in portugiesischer Sprache. Einem Bericht der Washington Post zufolge entzündete sich der Zoff aber an einer äußerst privaten Forderung Nunes: Dieser habe schon vor dem Sendetermin gefordert, ein Richter solle das Sorgerecht Greenwalds für dessen Adoptivkinder auf den Prüfstand stellen.

Der US-Enthüllungsjournalist sagte daraufhin in dem Gespräch, Nunes habe das „hässlichste, schmutzigste Ding“ gebracht, dass er in seiner Karriere als Journalist erlebt habe. Der wiederum rechtfertigte sich, Greenwald erkenne keinen „humoristischen Angriff“ - er habe sich lediglich erkundigt, wer sich um Greenwalds Kinder kümmere, während dessen Ehemann, der US-Abgeordnete David Miranda, in Washington weile und Greenwald selbst seine Zeit mit „gestohlenem Material“ verbringe.

Brasilien: Eklat bei Radiosendung, US-Star-Journalist Glenn Greenwald kassiert Ohrfeige

Greenwald hatte zu diesem Zeitpunkt offenbar genug gehört - und bezeichnete seinen Kontrahenten mehrfach als „Memme“. Für die weitere Entwicklung waren keine Übersetzungen mehr nötig: Mit drohend erhobenen Zeigefingern redeten die Männer aufeinander ein - bis Nunes mit einer Hand Greenwalds rechten Arm griff und mit der anderen zur Ohrfeige ausholte.

Damit nicht genug: Nachdem die Kontrahenten aufgesprungen waren, drückte der Kolumnist Greenwald die Hand ins Gesicht. Mitarbeiter des Senders trennten die Streithähne - als Nunes weiterredete, machte Greenwald aber noch einmal einen Satz nach vorne und holte zum Faustschlag aus.

Glenn Greenwald: Bolsonaros Söhne verteidigen Attacke

Natürlich fand der Konflikt auch eine Fortsetzung im Netz. So unterstützten laut einem Bericht des Guardian - Greenwalds früherem Arbeitgeber - zwei von Jair Bolsonaros Söhnen Nunes. Der Abgeordnete Eduardo Bolsonaro etwa erklärte, Nunes habe „in legitimer Weise seine Ehre verteidigt“. „Augusto Nunes hatte keine andere Option. Er reagierte so, wie es jeder normale Mensch mit Blut in seinen Adern getan hätte“, twitterte er.

Greenwald verurteilte später in einem Posting Nunes‘ Anwurf als homophobe und gefährliche Attacke. Offenbar geworden sei zudem, dass Bolsonaros Bewegung Nunes‘ „Gebrauch von physischer Gewalt in der politischen Debatte unterstützt“ - weil sie, so Greenwald, „Gewalt anstelle von Politik und Diskussion“ benötige.

In Deutschland hatte die Regierung Bolsonaro zuletzt mit dem Streit um Abholzungs-Genehmigungen im Regenwald Schlagzeilen gemacht - auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kassierte eine Verbalattacke aus Brasilia.

Auch interessant: Gleen Greenwald sprach 2014 mit dem Münchner Merkur* über seine Arbeit mit Edward Snowden. Snowden selbst hatte im selben Jahr zwischenzeitlich sogar auf Asyl in Brasilien gehofft.

fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Tobias Hase

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