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Joe Biden triumphiert am „Super Tuesday“.

„Super Tuesday“

Joe Biden feiert spektakuläres Comeback

Der „Super Tuesday“ ist im Präsidentschaftsrennen der Demokraten von zentraler Bedeutung. Joe Biden trumpft groß auf.

  • Joe Biden will Donald Trump herausfordern
  • Früherer Vizepräsident legt Siegesserie am „Super Tuesday“ hin
  • Biden musste viele Schicksalsschläge verkraften

Washington - Joe Biden galt schon als Auslaufmodell. Nach schweren Niederlagen zum Auftakt der Vorwahlen in Iowa und New Hampshire schien der 77-Jährige schon kurz vor dem Aus im Präsidentschaftsrennen der US-Demokraten zu stehen. Doch dann kam plötzlich alles anders. Nach einem unerwartet guten zweiten Platz in Nevada ging er in South Carolina mit fast 30 Punkten Vorsprung ins Ziel – ein erster Erfolg für Biden.

Nun kam es noch besser. Am „Super Tuesday“, dem wichtigsten Vorwahltag im Kalender, legte er eine beeindruckende Siegesserie hin. Zwar wird er sich im größten Bundesstaat Kalifornien aller Wahrscheinlichkeit nach seinem ärgsten Rivalen Bernie Sanders geschlagen geben müssen, doch sonst wurde der Super-Dienstag für Biden zu einem wahren Triumphmarsch. Am Ende könnte er in neun Staaten die Nase vorne haben, selbst in Elizabeth Warrens Heimatstaat Massachusetts, der eigentlich als Bank für Warren oder Sanders galt, konnte er einen Sieg einfahren.

Joe Biden zeigte sich deshalb entsprechend siegessicher. „Erst vor wenigen Tagen haben die Presse und die Experten diesen Wahlkampf für tot erklärt“, sagte er in Los Angeles. „Wir sind sehr lebendig!“ Biden setzt auch gleich eine erste Attacke in Richtung Donald Trump: „Wir sind besser als dieser Präsident. Also steht wieder auf und holt Euch das Land zurück.“

Joe Biden ist die Alternative zu Bernie Sanders

Vielleicht kommt der plötzliche Aufschwung des 77-Jährigen doch nicht ganz so überraschend. Immerhin tun sich viele Demokraten schwer damit, ihre Partei allzu weit nach links zu öffnen. Die guten Ergebnisse von Bernie Sanders haben viele in der Partei aufgeschreckt. Immerhin bezeichnet sich Sanders selbst als „demokratischen Sozialisten“ und spricht immer wieder von einer politischen Revolution, die er gerne anstoßen möchte. Das aber geht vielen moderaten Demokraten zu weit.

Zudem kann Joe Biden einem ganz besonderen Trumpf ausspielen. Als früherer Vizepräsident ist er eng verbunden mit Barack Obama – und der ist nach wie vor der populärste Mann in der demokratischen Partei. Und Biden war unter Obama nicht irgendeine Randfigur, sondern in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden. Für all die Demokraten, die sich sentimental an die Obama-Jahre erinnern, ist Joe Biden einfach die beste Wahl.

Joe Biden ist als Pannenkönig bekannt

Anderseits tun sich viele Demokraten auch schwer damit, einen alten weißen Mann, der keine revolutionären Pläne hat, ins Rennen gegen Donald Trump zu schicken. Als echtes Handicap im Kampf gegen Sanders galt lange Zeit Bidens Verhalten bei der Abstimmung zum Irak-Krieg 2002, als er im Gegensatz zu Sanders wie fast alle anderen Senatoren für den Feldzug stimmte. Doch als Sanders diesen Vorwurf unlängst bei einer TV-Debatte einbrachte, vermochte er damit kaum zu punkten. 

Auch sein Ruf als Pannenkönig scheint Biden wenig anzuhaben. Hart habe sich Biden während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im öffentlichen Dienst den Ruf erarbeitet, oft zur falschen Zeit das Falsche zu sagen, schreibt das „Time“-Magazin, das deshalb eine hübsche Liste mit den besten zehn Pannen Bidens zusammengestellt hat.

Er verwechselt schon mal Margaret Thatcher und Theresa May sowie New Hampshire und Vermont, und erklärt seinem Publikum, dass er nicht „verrückt“ sei, auch wenn er sich nicht an den genauen Ort einer Rede erinnern könne, die er gerade erst gehalten hatte.

Joe Biden galt schon 2016 als bester Kandidat der Demokraten

Schon 2016 hielten ihn viele in der Partei für einen besseren Kandidaten als Hillary Clinton. Dass Biden damals nicht antrat, lag an einem Schicksalsschlag. Sein Sohn Beau Biden, Veteran des Irakkriegs, erlag im Alter von  nur 46 Jahren einem Hirntumor. „Meine Familie war am Boden zerstört. Ich war am Boden zerstört“, sagte Joe Biden später in einem Interview. 

Es war nicht der einzige Schicksalsschlag im Leben Joe Bidens. Im Dezember 1972 verunglückte seine damalige Frau Neilia zusammen mit den drei Kindern bei einem Autounfall schwer. Bidens Frau und seine 13 Monate alte Tochter Naomi waren sofort tot, die Söhne Beau und Hunter lagen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Seinen Amtseid legte der damals frisch gewählte Senator, der den Staat Delaware bis 2009 im Kongress vertrat, am Krankenbett seiner Söhne ab. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill, mit der er eine weitere Tochter hat: Ashley. 

Ukraine-Affäre um Sohn macht Joe Biden zu schaffen

Nun also unternimmt der 77-Jährige einen neuen Anlauf. Die Chancen stehen nach dem „Super Tuesday“ gut, dass ihn die Demokraten in den Kampf um die Präsidentschaft schicken werden. Er wird sich darauf gefasst machen müssen, dass Trump erneut Bidens Familie zum Thema machen wird. Dass sein Sohn Hunter Biden von 2014 bis 2019 im Aufsichtsrat beim ukrainischen Gasunternehmen Burisma saß, dessen Gründer unter schwerem Korruptionsverdacht stand, führte bekanntlich zur Ukraine-Affäre. Das war auch die Zeit, als Bidens Umfragewerte in den Keller stürzten. Davon hat er sich inzwischen wieder erholt, doch Trump wird nichts unversucht lassen, erneut auf dem Thema herumzureiten.  

Von Christian Stör

Joe Biden und Bernie Sanders haben Wahlkampfauftritte im US-Bundesstaat Ohio abgesagt. Dort wurden laut dortigem Gesundheitsministerium drei Menschen positiv auf den Coronavirus-Erreger Sars-CoV-2 getestet, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. 

Nachdem Bernie Sanders aus dem Rennen ausgeschieden ist, ist der Weg für Joe Biden als Trump-Herausforderer frei.

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