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Die aktuellen Fußballregeln bestehen in den Grundzügen seit mehr als 150 Jahren. (Bild: fotolia.com © detakstudio)

Die ältesten und kuriosesten Fußballregeln der Geschichte

Fußball ist mittlerweile mehrere Jahrhunderte alt - und hat im Laufe der Zeit den Aufstieg zum Weltsport Nummer Eins geschafft. Dabei änderte sich das Regelwerk im Laufe der Zeit nur wenig. Zwar gab es immer wieder Anpassungen, doch das Grundkonstrukt blieb gleich. Einige kuriose und besonders alte Regeln sind dennoch eine Erwähnung wert und müssen in den richtigen geschichtlichen Kontext gesetzt werden.

Die ist lang und die Anfänge des Sports führen bis ins 3. Jahrhundert vor Christus zurück. Bei der historischen Betrachtung der Fußballregeln wird sich auf den modernen Fußball konzentriert, der in seinen Anfängen im Jahr 1845 erstmals praktiziert wird. Grundsätzlich ist auffällig, dass die ersten Fußballregeln wesentlich stärker an Rugby angelehnt sind, als es bei den zeitgenössischen Regeln der Fall ist. Zu Beginn spielten 15-20 Spieler in einer Mannschaft und es war erlaubt, den Ball unter bestimmten Umständen mit den Händen aufzuheben. Dieses Gebaren ist auf die englische Herkunft zurückzuführen. In den Universitäten des Königreichs war Rugby der primäre Sport; Fußball ist nur als Abwandlung des Spielprinzips zu sehen. Erst mit den Cambridge-Regeln aus dem Jahre 1848 wurde das stark diversifizierte Regelwerk, das an jeder Universität anders ausgelegt war, in ein einheitliches Korsett gepresst. Die ersten elf Paragrafen stellen sowohl die Grundregeln des heutigen Spiels dar, als auch einen Blick auf vergangene Arten des Spiels.

Vom Rugby zum Fußball: Ein Sport emanzipiert sich und wird weltberühmt

So sah der siebte Paragraf der Cambridge-Regeln vor, dass ein Tor immer dann als erzielt gilt, wenn der Ball zwischen den Flaggenpfosten das Tau unterschreitet. Das Tau war damals in einer anderen Höhe aufgehängt, als es bei den heutigen Querlatten der Fall ist. Die beiden Flaggenpfosten können im aktuellen Fußball als Torpfosten gedeutet werden. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass eine Aufnahme des Balles in den Cambridge-Regeln noch komplett inkludiert war. Im achten Paragraf erwähnt das historische Dokument, dass der Ball ohne weitere Bewegung weiterzuschießen ist, wenn er zuvor vom Fuß gefangen wurde. Der Verweis ist eine der wenigen Parallelen zum Rugby. Grundsätzlich grenzten sich die Cambridge-Regeln stark vom Rugby ab. So wird bereits im ersten Absatz erwähnt, dass ein Verein “University Foot Ball Club” zu heißen habe. Heutzutage kurios erscheint ein Vorläufer der Abseits-Regeln, der in seiner Komplexität noch schwierige nachzuvollziehen ist als das Abseits der Neuzeit. Die Regel, die im neunten Paragraf niedergeschrieben wurde, besagt folgendes: “Wenn der Ball an einem Spieler vorbeigespielt wurde, darf er den Ball solange nicht wieder berühren, bis das gegnerische Team erneut am Ball war.” Noch komplizierter wurde die Regel durch eine Ausnahme. So darf der Spieler doch wieder ins Spiel eingreifen, wenn drei gegnerische Spieler vor ihm stehen. Wichtig war jedoch der letzte Satz des Paragrafen, der klar ausdrückte, dass sich kein Spieler zwischen Ball und dem gegnerischen Tor aufhalten dürfe - ein klarer Verweis auf das spätere Abseits.

So progressiv die Cambridge-Regeln auch waren, so schnell wurden sie überholt. Das Regelwerk passte sich dabei lokal immer stärker an die Gegebenheiten an. So wurde in den Jenaer Regeln grundlegende Faktoren beschrieben, die der Untergrund und das Spielfeld aufweisen sollen. An den Ufern der Saale spielte der damalige FV Jena auf einem hügeligen und aus heutiger Sicht ungeeignetem Untergrund, der zusätzlich durch Bäume versperrt wurde. Die , dass ein Spielfeld eben und ohne störende Flora zu sein hat. Das Verbot von Bäumen und Sträuchern wurde direkt deutschlandweit ausgebreitet und legte einen wichtigen Grundstein für die Professionalisierung des Sports. Die Vereinheitlichung sorgte dafür, dass Ligen aufgestellt werden konnten.

Gentlemen’s Agreement: Eine Zeit vor Schiedsrichtern

Besonders interessant ist die . Was nach einem martialischem Vorgang während des Spiels klingt, ist in Wahrheit bis heute in jedem Fußballspiel verankert. Es handelt sich beim Kick of Death um einen Strafstoß. Der Hintergrund für den an Kampfsport erinnernden Namen ist das Gentlemen’s Agreement, das in der damaligen Zeit zwischen den Universitäten und Fußball-Klubs in England galt. Grundsätzlich gingen die Verantwortlichen und Spieler davon aus, dass ein Ehrenmann nicht von Fouls Gebrauch machen würde. Diese Annahme wurde während der Spiele jedoch schnell widerlegt und die Notwendigkeit einer Bestrafung wurde eingeführt. Interessanterweise wurden die Strafstöße anfänglich nicht von Schiedsrichtern erteilt. In Anlehnung an das Gentlemen’s Agreement zwischen den Teams kamen bei strittigen Situationen die Kapitäne der Mannschaften zusammen, um Spielelemente zu diskutieren und Strafen zu verhängen. Da dies im Laufe der Zeit jedoch vollkommen außer Kontrolle geriet und mehrere Spieler aufeinander einredeten, wurde die Einführung von Schiedsrichtern beschlossen, die als unabhängige Beobachter strittige Szenen bewerteten. Anfänglich stellte jede Mannschaft einen Schiedsrichter, später wurde dies auf eine zentrale Person reduziert.

Es dauerte mehr als 50 Jahre, bis sich 1938 mit Stanley Rous ein Funktionär des englischen Verbandes dem Regelwerk annahm. Rous leitete zuvor bereits mehrere internationale Fußballspiele und wurde als Schiedsrichter bekannt. Den Höhepunkt seiner Spielleitungs-Karriere erlebte Rous im Jahre 1934, als er das FA Cup Finale zwischen Manchester City und Portsmouth verwaltete. Im Anschluss an seine Karriere als Schiedsrichter beschäftigtes sich Stanley Rous mit dem Regelwerk seines Lieblingssports. Dabei bemerkte er beim Studium der Regeln, dass diese nicht mehr zeitgemäß sind. Besonders die sprachliche Komponente störte ihn. Und so formulierte Rous die Regeln neu, optimierte bestehende Paragrafen und schrieb diese in den Laws of the Game nieder. Rous legte insgesamt 17 Paragrafen an, die alle Aspekte des Spiels abdeckten. Zwar wurde das Regelwerk in der Zwischenzeit immer wieder angepasst, doch die Grundlagen sind dank Stanley Rous noch immer die gleichen.

Fußballregeln der Neuzeit: Kurios und lokal gebunden

In der Neuzeit finden die Regelanpassungen im kleinen Rahmen statt. So hat sich besonders der DFB-Pokal als Spielwiese für Regel-Experimente herausgestellt. Seit der sah der Fußballverband den Pokalwettbewerb als Generalprobe vor der nationalen und internationalen Marktreife. So wurde der Videobeweis zeitgleich mit der Bundesliga-Saison 2017/2018 eingeführt. Eine kleine Revolution feierte der DFB-Pokal am Ende der Saison 2017, als in den KO-Spielen eine zusätzliche Einwechslung möglich wurde, wenn das Spiel in die Verlängerung ging. Damit setzt der DFB einen Trend um, der bereits seit Jahren international diskutiert wird und den Trainern einen weiteren taktischen Kniff zur Verfügung stellt.

Bereits in den Jahren zuvor war der DFB-Pokal im Fokus der Regelhüter. Zwei Reporter des Bayrischen Rundfunks wiesen den damaligen Nürnberg-Trainer Hermann Gerland darauf hin, dass er einen gelbgesperrten Spieler in seiner Aufstellung hat. Gerland zog daraufhin den Spieler zurück und verhinderte damit, dass eine nachträgliche Entscheidung durch den DFB notwendig wurde. Insgesamt ist die Regelauslegung, obwohl durch internationale Gremien geregelt, immer auch eine lokale Angelegenheit. So ist es auf den Färöer Inseln erlaubt, den Ball beim Elfmeter von einem Mitspieler festhalten zu lassen. Hintergrund für die ungewöhnliche Maßnahme sind die Wetterbedingungen auf der Insel. Die starken Böen sorgen dafür, dass ruhende Bälle schnell wieder in Bewegung kommen. Die Zeit zwischen Elfmeterpfiff und Ausführung ist mehr als ausreichend, um das Spielgerät weit über das Feld rollen zu lassen.

Es zeigt sich, dass die Regel für den Fußball in den letzten Jahren eine revolutionäre Veränderung durchmachen. Mit dem Videobeweis und den Torkameras wird der Einfluss der Schiedsrichter monumental verändert. Die Rate der Fehlentscheidungen nimmt ab, liegt jedoch weiterhin nicht bei Null. Gleichzeitig arbeiten progressive Köpfe an der Zukunft der Fußballregeln. Louis van Gaal wünschte sich in seinem Taktikbuch “Biographie & Vision” eine Verlängerung abseits des Elmeterschießens. Stattdessen sollten nach einer gewissen Zeit immer mehr Spieler den Platz verlassen, um mehr Räume zu schaffen. Das würde dazu führen, dass am Ende nur noch wenige Spieler auf dem Feld stehen und versuchen, dass entscheidende Tor zu schießen. Doch Grundlage für alle Regeln und Entscheidungen im Fußball ist die Rivalität englischer Universitäten, die das Fußball-Spiel mit einem gemeinsamen Regelwerk in Form brachten.

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