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Ärztemangel in NRW: Wie ist die Lage?

NRW - Die medizinische Versorgung in Nordrhein-Westfalen ist ein heikles Thema. Immer mehr Ärzte gehen in den Ruhestand oder stehen kurz davor, während der Nachwuchs auf sich warten lässt. Schon jetzt ist es für Patienten auf dem Land schwierig, einen Arzttermin in der Nähe und ohne lange Wartezeiten zu bekommen. Um die Verschärfung der Situation zu verhindern, werden nun verschiedene Lösungsansätze diskutiert und angestoßen.

Das Altersproblem treibt den Mangel voran

213 Einwohner muss ein berufstätiger Arzt in Nordrhein-Westfalen behandeln. So berichtet es die Bundesärztekammer in ihrer Ärztestatistik aus 2018. Damit gehört das Bundesland nicht zu den am schlechtesten versorgten in der Bundesrepublik. Dennoch zeichnet sich ein bedenklicher Trend ab, der vor allem mit dem Alter der heute niedergelassenen Mediziner zusammenhängt.

Auch hier hilft ein Blick auf die erwähnte Statistik weiter. Von knapp 30.900 niedergelassenen und ambulant tätigen Allgemeinmedizinern in ganz Deutschland waren im Dezember 2018 nur rund 1.052 unter 40 Jahre alt. Demgegenüber stehen mehr als 24.000 Allgemeinmediziner, die älter als 50 Jahre waren, über 5.400 von ihnen haben sogar bereits ihren 65. Geburtstag gefeiert.

Der Ärztemangel wie er sich aktuell zeigt, könnte also nur einen Vorgeschmack auf das darstellen, was die Zukunft bereithält. Schon jetzt ist die Versorgung mit Hausärzten auf dem Land schwierig, in Kliniken wird von Überlastung gesprochen und sogar ein Kollaps der Gesundheitsämter steht möglicherweise an. Es braucht zahllose neue Ärzte, um die in den nächsten Jahren entstehenden Lücken zu schließen und die Versorgung ländlicher Regionen sicherzustellen.

Was gegen den Mangel getan wird

Tatenlos zusehen wollen weder das Land noch der Bund. So gibt es durchaus Maßnahmen, die der drohenden Verschlimmerung entgegenwirken sollen. Angesetzt wird nicht nur im Bereich des Medizinstudiums, sondern auch in der ganz alltäglichen Praxis. Zu den Maßnahmen gehören:

Zugegeben: es kann einige Zeit dauern, bis aus einem Abiturienten ein Facharzt geworden ist. Mindestens sechs Jahre Studium müssen zunächst bewältigt werden. Danach geht es für die Absolventen allerdings noch nicht in die eigene Praxis, denn fachliche Expertise muss sich auch praktisch entwickeln. In der Tätigkeit als Assistenzarzt ist das möglich, weswegen erst danach die Ausbildung zum Facharzt folgt.

Und obwohl Geduld gefragt ist, liegt die Zukunft der medizinischen Versorgung vor allem in den Händen jener, die jetzt ausgebildet werden. Daher schafft Nordrhein-Westfalen zum kommenden Wintersemester rund 145 sogenannte Landarzt-Studienplätze, die an jene vergeben werden, die sich dazu verpflichten, später mindestens zehn Jahre als niedergelassener Hausarzt in einem Gebiet mit mangelnder Versorgung tätig zu werden. Interessierte können sich unter lzg.nrw.de über die Voraussetzungen und das Bewerbungsverfahren informieren. Einher geht die Schaffung der Studienplätze außerdem mit dem Verzicht auf den bislang gültigen Numerus Clausus.

Patienten nicht in der Praxis, sondern per Videotelefonie zu beraten, erscheint futuristisch, ist jedoch längst Realität. Einige Mediziner in NRW haben sich bereits mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet und die Nutzung von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein genehmigen lassen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass auch in datenschutzrechtlicher Sicht modernste Standards gelten.

Das Prinzip ist schnell erklärt: um Ärzte im Bereich der Hausbesuche zu entlasten, können diese Termine in ihrer Praxis wahrnehmen, während eine ausgebildete Assistentin Patienten besucht und beispielsweise Blutdruck misst oder Harnwerte bestimmt. Der Arzt könnte ebenfalls zugeschaltet werden, dies ist aber nur in der Hälfte der Fälle nötig. Alle Ergebnisse werden digital an die Praxis übertragen, sodass eine professionelle und lückenlose Behandlung auch ohne direkte Anwesenheit des Arztes sichergestellt wird.

Bei der ärztlichen Versorgung überschneiden sich nicht selten Kompetenzen. Um lange Wartezeiten zu verhindern und die Behandlung zu erleichtern, wurde das sektorübergreifende, telemedizinische Netzwerk TELnet@NRW erfolgreich eingeführt.

Rund 120.000 Patienten sind inzwischen Teil des Projekts, bei dem sich Ärzte mit Kollegen der Unikliniken Münster sowie Aachen austauschen und von deren Expertenwissen profitieren können. Involviert sind heute rund 134 Arztpraxen sowie 17 Kliniken, die gemeinsam ein Kompetenznetzwerk bilden. Elektronische Fallakten und Videokonferenzen machen Treffen vor Ort überflüssig.

Im Kreis Olpe wurde zudem ein Projekt realisiert, das Medizinern rund um die Tätigkeit als Arzt bei der Niederlassung helfen soll. Ferner wollen die Initiatoren die Attraktivität des ländlichen Raums stärker herausstellen und arbeiten eng mit Gemeinden und deren Bürgermeistern zusammen. Durch die interdisziplinäre Bündelung zahlreicher Kooperationspartner können Ärzte so umfassend informiert und unterstützt werden. Weitere Informationen zum Projekt und seiner Entwicklung finden sich hier.

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