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Anonymisierte Nutzerdaten: Wie es um ihre Sicherheit wirklich bestellt ist

Alter, Adresse, Einkaufsgewohnheiten – diese und viele weitere Informationen werden heutzutage von unzähligen Unternehmen gespeichert.

Immer neue Wege lassen sich Facebook und Co einfallen, um die digitalen Aktivitäten ihrer Nutzer möglichst umfangreich zu erfassen. Längst geht es dabei nicht nur um die Verwendung der Daten zu Werbezwecken. Die Auswertung von Gesundheitsdaten im großen Stil soll etwa dabei helfen, Krankheiten besser zu behandeln. Bewegungsdaten sollen der Stadtplanung helfen, den Verkehrsfluss besser zu regeln. Doch die Daten, die zu diesen Zwecken erhoben werden, sind oft hochsensibel. Regelmäßig warnen Datenschützer vor den Gefahren, die von der unüberschaubaren Datenflut ausgehen. Ebenso regelmäßig verweisen die Datensammler darauf, dass die Daten schließlich in anonymisierter Form gespeichert werden, eine individuelle Zuordnung also nicht möglich sei. Gerade diese letzte Behauptung erweist sich leider immer wieder als falsch. Durch das Zusammenführen von Datensätzen aus verschiedenen Quellen gelang es kürzlich Forschern des Londoner Imperial College, 99% der vermeintlich anonymen Subjekte eindeutig zu identifizieren. Ein erschreckendes Ergebnis, denn die Sicherheit solcher Datensätze vor dem Zugriff bösartiger Dritter kann kaum gewährleistet werden. Durch das Ausnutzen von Sicherheitslücken ist es Hackern oft ein Leichtes, sich Zugang zu den Kundendaten eines Unternehmens zu verschaffen. Den wirksamsten Schutz vor dem Missbrauch personenbezogener Daten ist deshalb, sie gar nicht erst preiszugeben. Mit den folgenden Methoden lässt sich der digitale Fingerabdruck im Netz wirkungsvoll reduzieren. 

Einen VPN-Dienst nutzen 

Wer ungeschützt im Internet unterwegs ist, hinterlässt zahlreiche Spuren. Beim Aufruf einer Webseite teilt er deren Betreiber seine IP-Adresse mit. Sie kann eindeutig zugeordnet werden, und wird beispielsweise genutzt um den Aufenthaltsort des Users festzustellen. Häufig wird sie auch gebraucht, um Ländersperren für urheberrechtlich geschützte Inhalte einzurichten. Auch Regierungsbehörden bedienen sich der IP-Adresse, etwa im Rahmen der Strafverfolgung. Wer seine IP-Adresse verbergen möchte, kann sich über einen VPN-Dienst mit dem Internet verbinden. Dieser richtet eine Art Tunnel ein, über den alle Daten zwischen dem Nutzer und dem Internet gesendet werden. Nicht nur die IP-Adresse kann auf diese Weise verschleiert werden. Auch der Internetprovider kann auf diese Weise keine Informationen über die besuchten Internetadressen abgreifen. 

Sichere Browser 

Auch die Wahl des Browsers spielt eine entscheidende Rolle für den Datenschutz im World Wide Web. Denn einige Browser sammeln selbst umfangreiche Daten über das Surfverhalten ihrer Nutzer. Gängige Browser wie Chrome oder Bing bieten mit den Standardeinstellungen nur unzureichenden Schutz. Mit der richtigen Konfiguration und diversen Add-ons können sie aber gegen viele Tracking-Methoden gesichert werden. Wer wirklich unerkannt im Web surfen möchte, der sollte den TOR-Browser installieren. Dieser Browser basiert auf Firefox und bietet ein besonderes Feature. Der komplette Datenverkehr wird verschlüsselt und innerhalb des TOR-Netzwerkes mehrmals umgeleitet. Beobachter haben es so deutlich schwerer, Web-Aktivitäten zum Nutzer zurückzuverfolgen. 

Anonyme Email-Anbieter 

Die meisten großen Email-Anbieter fragen bei der Eröffnung eines Kontos Informationen wie Namen, Anschrift und Geburtsdatum ab. Mit den Daten, die sie aus dem Email-Verkehr des Nutzers gewinnen, können sie so ein umfangreiches Persönlichkeitsprofil erstellen. Anonyme Kommunikation ist auf diese Weise überhaupt nicht möglich. Zum Glück gibt es auch Email-Anbieter wie ProtonMail aus der Schweiz. Sie erlauben die Eröffnung eines Kontos ohne die Angabe personenbezogener Daten. 

Offene WLAN-Netze vermeiden 

Offene WLAN-Netze sind eine der größten Schwachstellen in Sachen Datensicherheit. Wer sich ohne VPN in ein solches Netzwerk einloggt, gibt seine Internetaktivitäten dem Betreiber und anderen Nutzern preis. Dabei gibt es keine Garantie, dass diese nicht für unlautere Zwecke genutzt werden. Auch eine weitere Gefahr besteht bei der Einwahl in ein öffentliches WLAN-Netz. Mit einfachsten technischen Mitteln können Kriminelle ein Doppelgänger-Netzwerk einrichten, das auf den ersten Blick nicht vom legitimen Angebot zu unterscheiden ist. Im schlimmsten Fall können auf diese Weise Zugangsdaten und Passwörter von Onlinediensten abgefangen werden. Auf Online-Banking sollte in öffentlichen Netzwerken daher am besten ganz verzichtet werden. 

Sicherheitseinstellungen nutzen 

Auch das Betriebssystem von Computern und Smartphones übermittelt oft ungefragt Nutzerdaten. Diese sogenannten Telemetrie-Daten dienen nicht nur der Verbesserung des Programms. Ein Großteil dieser Aktivitäten lässt sich zwar abstellen, die entsprechenden Menü-Einträge müssen aber teilweise lange gesucht werden. Wer Windows 10 nutzt, der sollte wenn möglich statt einem Microsoft-Konto ein lokales Konto nutzen. Das erfordert allerdings den Verzicht auf Dienste wie Cortana, den Microsoft-Store oder Onedrive. Außerdem können in den Privatsphäre-Einstellungen die Standort-Dienste und der Zugriff auf Mikrofon und Webcam des Computers eingeschränkt werden. 

Mit den oben genannten Maßnahmen lässt sich die Menge der Datenspuren beim Surfen deutlich reduzieren. Wer seine Online-Aktivitäten auf diese Weise absichert, ist in Sachen Datenschutz dem Normalverbraucher um ein ganzes Stück voraus. Völlig unterbinden lässt sich das Tracking so aber nicht. Zusätzlichen Schutz vor unerwünschter Aufmerksamkeit können die Verschlüsselung von Online-Kommunikation und gespeicherten Dateien bieten. Auch der Umstieg auf alternative Betriebssysteme wie Linux für den PC oder LineageOS für das Android-Smartphone kann die Privatsphäre im Internet stärken. 

Der bewusste Umgang mit den eigenen Spuren im Internet dürfte jedenfalls auf absehbare Zeit ein wichtiges Thema bleiben. Denn ein Umdenken der Digitalwirtschaft ist derzeit nicht in Sicht.

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