+

Zur augenärztlichen Behandlung – trotz Corona-Risiko?

Während der Corona-Pandemie üben viele Menschen aus Furcht vor einer Infektion Zurückhaltung. Vor allem Krankenhäuser oder Arztpraxen werden gemieden – sogar in Notfällen und bei regelmäßig notwendigen Behandlungen. Das Beispiel der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration zeigt, wie gefährlich das Vernachlässigen wichtiger Therapien ist.

Einen Mundschutz tragen, Abstand zu Mitmenschen halten, häufig die Hände waschen: Seit einigen Wochen beherzigen wir die Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus. Besonders wer zu einer Risikogruppe zählt, meidet nach Möglichkeit Orte, an denen er ein höheres Ansteckungsrisiko befürchtet: Krankenhäuser und Arztpraxen. Für einen Laien ist schwer einzuschätzen, ob die dort getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ausreichen – die Skepsis wegen Corona ist groß. Und so unterbrechen Patienten immer häufiger regelmäßig durchzuführende Therapien. Dass damit neue Risiken verbunden sind, wissen sie oft nicht. 

Eine Krankheit, die regelmäßige Arztbesuche erfordert, ist die feuchte altersabhängige Makuladegeneration, ein chronisches Augenleiden der zentralen Netzhaut. Unbehandelt zerstört sie – langsam fortschreitend – die Sehfähigkeit. Die auch feuchte AMD genannte Erkrankung lässt sich medikamentös stark verlangsamen, doch die dafür nötigen Präparate müssen in festem Turnus beim Augenarzt unter klinischen Bedingungen direkt ins Auge verabreicht werden. 

Schutz und Sicherheit vor Ort 

In Fachkreisen wird beobachtet, dass seit Beginn der Corona-Pandemie weniger Patienten zum Augenarzt kommen. Auch in der Praxis von Dr. Mark Tobis in Eckernförde werden viele Untersuchungstermine abgesagt. „Der Vorteil des geringeren Patientenaufkommens ist, dass wir die Abstandsregeln besser einhalten können“, erkennt Dr. Tobis der Situation etwas Positives ab. Sein besonders geschultes Personal reagiert angemessen auf die Ausnahmesituation: „Unser ganzer Praxisablauf hat sich der Pandemie angepasst. Wir sind ständig am Desinfizieren und haben den Praxisdurchlauf umgestaltet“, so Dr. Tobis. 

Besteht trotzdem ein besonderes Risiko, zur Behandlung den Augenarzt aufzusuchen? Der Eckernförder Facharzt kann die mögliche Skepsis der Patienten gegenüber einer Corona-Ansteckung entkräften. Was viele nicht wissen: Augenarztpraxen haben Routine im Umgang mit stark ansteckenden Krankheiten. „Es kommt immer wieder zu einer hochinfektiösen meldepflichtigen Entzündungserkrankung der Horn- und Bindehaut namens Conjunctivitis epidemica“, erklärt Dr. Tobis. „Deshalb wissen wir ganz gut mit leicht übertragbaren Krankheiten umzugehen und den Infektionsschutz zu gewährleisten.“ 

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die generell hohen hygienischen Standards bei Dr. Tobis wie in sehr vielen anderen Praxen um zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen erweitert. Das merken die Patienten spätestens im direkten Umgang mit dem Arzt. Dr. Tobis: „Bei manchen Untersuchungen müssen wir nah an den Patienten heranrücken. Früher habe ich dann in geringer Distanz auch Fragen an den Patienten gestellt, und die Patienten haben geantwortet. Trotz Tragens eines Mundschutzes versuchen wir jetzt überhaupt nicht mehr zu reden, wenn wir uns gemeinsam in kurzem Abstand zueinander befinden, um die Infektionsgefahr zu minimieren.“ 

Niemals Behandlungsabbruch riskieren! 

Nehmen nun die Patienten mit feuchter AMD nach wie vor Behandlungstermine wahr? „Obwohl meist schon hoch betagt, kommen die meisten AMD-Patienten weiter in die Praxis“, schildert Dr. Tobis seine Beobachtung. Und betont: „Es wäre ja auch schade, wenn sie ihren mühsam miterkämpften Erfolg aufs Spiel setzten. Überhaupt sind es eher die jüngeren Patienten, die Termine absagen.“ 

Offenbar ist dieser Patientengruppe nicht bewusst, dass die Unterbrechung der regelmäßigen Medikamentengabe durch den Arzt große Gefahren birgt. Denn „die feuchte altersabhängige Makuladegeneration, kurz fAMD genannt, muss und sollte regelmäßig behandelt werden, weil sonst eine schwerwiegende Sehverschlechterung droht“, erklärt der Eckernförder Augenarzt. „Wir wissen aus Studien, dass eine konsequente Behandlung bei fAMD den größten Nutzen für die Behandlung der Erkrankung hat. Wenn man sich nicht an den Behandlungsplan hält, drohen massive Verschlechterungen bis hin zum kompletten Verlust des Augenlichts.“ Als Auslöser dafür reicht schon eine kurze Unterbrechung der Behandlungsfolge. 

Bestmögliche Vorsorge für alle 

Wer an feuchter AMD leidet, kennt die strengen hygienischen Umstände, unter denen das Medikament injiziert wird. Noch gründlicherer Schutz ist wohl auch während der Corona-Pandemie nicht möglich. Und die Patienten haben keinen Grund, an der Expertise der Augenärzte zu zweifeln – die können die großen Risiken einer Therapieunterbrechung am besten einschätzen. Auch für die Begleitpersonen der Patienten ist Vorsorge getroffen: „Wir haben jetzt die Sitzgelegenheiten für Patienten und ihre Begleitpersonen gekennzeichnet“, erläutert Dr. Tobis, „um die Kontaminierung so gering wie möglich zu halten. Aber wir sind natürlich auch auf die Mitarbeit der Patienten angewiesen, die sich hoffentlich ebenfalls an die Hygieneregeln halten.“ 

Dr. Tobis gibt eine klare Antwort, ob die Angst vor einer Infektion während der Corona-Pandemie die Vernachlässigung von Therapien rechtfertigt: „Wer an einer behandlungsbedürftigen Augenerkrankung leidet, sollte unbedingt weiter seine Kontroll- und Behandlungstermine wahrnehmen. Wir tun alles, um unsere Patienten und Mitarbeiter zu schützen.“ Bei Unsicherheiten sollten die Patienten immer das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Bemerkenswert, wozu der Kanal-Schlamm aus Waltrop jetzt genutzt wird
Bemerkenswert, wozu der Kanal-Schlamm aus Waltrop jetzt genutzt wird
Transfer-Ticker zum S04: Königsblau nimmt offenbar Abstand von drei möglichen Neuzugängen
Transfer-Ticker zum S04: Königsblau nimmt offenbar Abstand von drei möglichen Neuzugängen
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl bleibt weiter unter kritischer Marke von 1,0
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl bleibt weiter unter kritischer Marke von 1,0
Siedler in Marl sauer über Ekel-Gestank - was Müllsortierer Alba dazu sagt
Siedler in Marl sauer über Ekel-Gestank - was Müllsortierer Alba dazu sagt
"Ein ruhender Diamant"   Hochkarätiger Verstärkung  für den 1. FFC Recklinghausen 2003
"Ein ruhender Diamant"   Hochkarätiger Verstärkung  für den 1. FFC Recklinghausen 2003

Kommentare