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WIRTSCHAFTSMOTOR MITTELSTAND

Aussichten und Herausforderungen für den Mittelstand

Mittelständische Unternehmen sind eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, sie beschäftigen mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer und erwirtschaften rund die Hälfte der gesamten Nettowertschöpfung.

Neben den großen Herausforderungen wie der Digitalisierung, kommen mit den Folgen der Corona-Pandemie möglicherweise tiefgreifende Einschnitte auf den Mittelstand zu. 

Einer der Gründe dafür, dass die Landesregierung von NRW auf ihrem Wirtschaftsgipfel einen Rettungsschirm mit einem Umfang von 25 Milliarden Euro beschlossen hat – als Motor nicht nur der regionalen Wirtschaft benötigen Unternehmen derzeit dringend Unterstützung. 

Wo stehen die deutschen KMU? 

Der Mittelstand gilt als Erfolgsmodell, die Mittelständler stellen mehr als 99 Prozent der deutschen Unternehmen, beschäftigen einen Großteil der Arbeitnehmer und Auszubildenden und sind nicht zuletzt als Innovations- und Technologiemotor international angesehen. 

Die lange Erfolgsgeschichte des Mittelstands kann aber nur fortgesetzt werden, wenn dieser seine Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft erhalten kann: Entsprechend wichtig sind Themen wie Fachkräftemangel und Digitalisierung für mittelständische Unternehmen, wollen sie den Anschluss nicht verlieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich ein nicht unerheblicher Teil des Erfolgs daraus ergibt, dass die Unternehmen Nischen besetzen können oder hochgradig spezialisiert sind. 

Hidden Champions unter den KMU 

Genau das ist für diese Betriebe der Weg zum Weltmarktführer in der jeweiligen Branche. Die „Hidden Champions“, wie mittelständische Unternehmen genannt werden, die unter den Top 3 der Welt liegen, in Nischenmärkten operieren und kaum bekannt sind und weniger als fünf Milliarden Euro Umsatz generieren. 

Ein großer Teil der deutschen „Hidden Champions“ stammen aus dem Kreis der größeren mittelständischen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Mit der Hansgrohe Gruppe oder Sennheiser befinden sich durchaus Namen darunter, die einen gewissen Bekanntheitsgrad vorweisen können.

Kaum weniger beachtlich, aber eben deutlich weniger beachtet, sind die Leistungen der Weltmarktführer unter den KMU:

Cobus Industries sitzt in Wiesbaden-Delkenheim, hat weniger als 50 Mitarbeiter und macht mit der Fertigung spezieller Flughafenvorfeldbusse und damit verbundener Serviceleistungen einen Umsatz von mehr 70 Millionen Euro.

Becker Marie Systems versorgt von Hamburg aus die internationale Schiffsindustrie mit Manövrier- und Energieeinsparsystemen, jährlicher Umsatz ca. 80 Millionen Euro, bei rund 140 Mitarbeitern.

Koziol produziert mit 200 Mitarbeitern in Erbach im Odenwald, die Designartikel und Wohnaccessoires aus Kunststoff gehen von dort in über 50 Länder. Geschätzter Jahresumsatz 25 Millionen, offizielle Zahlen gibt es nicht.

Nur drei Beispiele für international erfolgreiche mittelständische Unternehmen. Je nach Definition gibt es davon – das schließt im Normalfall allerdings auch die größeren Mittelständler ein – zwischen rund 460 und 1.500 in Deutschland. 

In jedem Fall sind die Zahlen beachtlich, die deutschen „Hidden Champions“ machen im weltweiten Vergleich den Großteil dieser Unternehmen aus. Das gilt auch für die Bedeutung, die diese Firmen in vielen Bereichen als Innovationstreiber haben – immerhin gehören stark differenzierte Leistungen zum Erfolgsmodell, innovative Ideen sind somit fester Bestandteil der Firmenstrategie. 

Wirtschaftsmotor Mittelstand 

Ein Blick auf die vergleichsweise aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI) weist, nicht nur wegen der „Hidden Champions“ den Mittelstand als den Wirtschaftsmotor schlechthin aus:

Knapp über 58 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sind in mittelständischen Unternehmen tätig, fast 82 Prozent der Auszubildenden starten in einem KMU in ihr Berufsleben.

Mit leicht mehr als 35 Prozent sorgen KMU für ein gutes Drittel des gesamtdeutschen Umsatzes. Wichtiger ist allerdings: Sie erwirtschaften auch 53,5 Prozent der Nettowertschöpfung – und damit jeden zweiten Euro.

Auch Forschung und Entwicklung spielen in Unternehmen mit bis zu 499 Angestellten eine immer größere Rolle, die Ausgaben hierfür machten 2018 rund 12 Prozent der gesamten Investitionen aus.

Positiv außerdem: Der stetige Rückgang von Unternehmensinsolvenzen im Mittelstand, die 2018 auf den niedrigsten Wert seit 1994 gesunken waren.

Ein etwas anderes Bild zeigt der Global Business Monitor 2019 von Bibby Financial Services und Euler Hermes. Grundsätzlich sei die Lage der KMU zwar noch gut und die Stimmung optimistisch, dennoch machten sich konjunkturelle Abschwächungen und Unsicherheiten in der Weltwirtschaft inzwischen bemerkbar. 

Weniger Optimismus, mehr Herausforderungen

Besonders deutlich wird das unter anderem an den Auftragszahlen: Die sind in manchen Branchen zurückgegangen, mit einem Anstieg rechnet eine geringere Zahl der Unternehmen. Entsprechend rückläufig ist auch die Anzahl derer, die eine positive wirtschaftliche Entwicklung für die Zukunft erwarten – die Entwicklungen sind in der gegenwärtigen Situation sogar noch unübersichtlicher und weniger planbar geworden. 

Schon vor der Corona-Verbreitung waren die Prognosen eher verhalten: Der Großteil der deutschen KMU rechnet mit einer unveränderten Entwicklung (45 Prozent), rund ein Drittel (32 Prozent) mit einer Verschlechterung. Nur 17 Prozent gehen hingegen von einer Verbesserung aus. 

Diese Einschätzung ist auch durch verschiedene Herausforderungen bedingt, mit denen sich die KMU derzeit verstärkt auseinandersetzen müssen. Zu den größten werden staatliche Regulierungen (42 Prozent), steigende Betriebskosten (36 Prozent) und der anhaltende Fachkräftemangel (32 Prozent). Daneben werden der Cashflow (26 Prozent) sowie die Bindung von Fachkräften (24 Prozent) als problematisch empfunden. 

Interessant ist hingegen, dass beispielsweise das Management der Online-Reputation (15 Prozent) oder der technologische Wandel (17 Prozent) als eher nachrangige Herausforderungen erachtet werden. Auf der anderen Seite sind 85 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin bereit, mit Investitionen für Verbesserungen zu sorgen – vor allem für Vertrieb und Marketing, IT-Belange und Mitarbeiterschulungen. 

Infolge der nicht absehbaren Folgen, die die Corona-Krise eben nicht nur, aber vor allem auf die kleineren und mittleren Unternehmen hat, werden sich die Prioritäten in Zukunft wohl noch weiter verschieben. 

Ressourcen-Management: Finanzierung, Investitionen und Ressourcennutzung 

Nimmt man die Problematik des Cashflows aus, die durch säumige Kunden entsteht, so sieht es in vielen Bereichen der mittelständischen Finanzen weiterhin gut aus. Sowohl der Global Business Monitor als auch das BMWI erkennen beispielsweise gute Voraussetzungen in Finanzierungsfragen für KMU – wenngleich nicht jedes Unternehmen hierbei die gleichen Zugangsbedingungen zu Krediten hat. Besonders an kleinere Betriebe werden höhere Anforderungen bei der Kreditvergabe gestellt. 

Gleichzeitig ist die Finanzierung von Betriebsmitteln etc. nur ein Aspekt im Bereich Finanzen, der für KMU zum kritischen Erfolgsfaktor werden kann. Grundsätzlich entscheidet das Ressourcen-Management im Allgemeinen darüber, ob der wirtschaftliche Erfolg realisierbar ist oder nicht. In diesem Punkt wiederum ist die Unternehmensgröße nicht ausschlaggebend. 

Finanzierung im Mittelstand 

Der Global Business Monitor attestiert mittelständischen Unternehmen eine enge Bindung an ihre Hausbank. Zusammenarbeiten über Jahrzehnte sind dabei keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Ein wichtiger Faktor ist dabei die persönliche Beziehung – erst mit zunehmender Größe gewinnen auch andere Partner neben der Hausbank für finanzielle Angelegenheiten an Bedeutung. 

Damit ist bereits ein wichtiger Punkt angesprochen: Die Finanzierung und die damit verbundenen Instrumente können sich nicht nur je nach Unternehmen und Unternehmensstruktur unterscheiden, sondern genauso in Abhängigkeit vom jeweiligen Verwendungszweck. Diese und einige andere kritische Faktoren der Unternehmensfinanzierung hat Deloitte in einer eigenen Untersuchung zusammengetragen

Passgenaue Lösungen 

Individuelle Lösungen auf Grundlage einer Situationsanalyse sind für jedes mittelständische Unternehmen erforderlich. Das beinhaltet selbstverständlich die Frage, wie aktuelle Finanzierungen in die finanzielle Gesamtplanung integriert werden können, ohne zur Belastung zu werden. 

Professionelle Finanzplanung für mehr Effizienz 

Unternehmensplanung muss immer auch professionelle Finanzplanung beinhalten. Es geht darum, die Effekte von Finanzierungsvorgängen auf die gesamte Planung abbilden und besser einschätzen zu können – grundlegende Dinge also, wie den richtigen und effizienten Umgang mit Anlagevermögen und Umlaufvermögen. 

Finanzierungsinstrumente anpassen 

So wie die konsequente Finanzierungsplanung zu mehr Effizienz führen kann – etwa weil vorhandene Potenziale besser erkannt und genutzt werden –, gilt es genauso für die Wahl der passenden Finanzierungsinstrumente, die sich daraus ableiten lässt. KMU sollten daher alle Möglichkeiten ausschöpfen, um einen optimalen Finanzierungsmix zu erhalten. 

Auf diese Weise können langfristige Sicherheit einerseits und ausreichende Flexibilität andererseits miteinander verbunden werden, um etwa durch Leasing Geld zu sparen oder im Rahmen einer Umschuldung die Finanzierungsstruktur in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Das bedeutet unter Umständen auch, nach besseren Optionen bei einem anderen Kreditinstitut als der Hausbank zu suchen. 

Refinanzierungen planen 

Eine abgeschlossene Finanzierung gibt es in dem Sinne für ein Unternehmen eigentlich nicht. Das Risiko eines Misserfolgs bleibt letztlich immer bestehen, weswegen eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Refinanzierungsmöglichkeiten empfehlenswert ist – je kritischer die Folgen für das Unternehmen sein können, desto dringlicher ist die Auseinandersetzung mit möglichen Finanzierungspartnern. 

Vorausdenken 

Laut Global Business Monitor sind KMU deutlich weniger schwer von (welt-)wirtschaftlichen und politischen Trends als Großunternehmen, davon ausgenommen bleiben sie dennoch nicht. Das zeigt sich etwa an ausbleibenden Aufträgen wegen konjunktureller Schwäche, schwankenden Umsätzen oder dem Mangel an Fachkräften, mit dem sich alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe befassen müssen. 

Diese und andere Unsicherheiten machen es daher erforderlich, Finanzierungsprozesse frühzeitig zu planen und zu realisieren. Nur auf diesem Weg können etwaige Probleme bei der Kreditvergabe und ähnliche Probleme umgangen und eine stabile Finanzierungsstruktur geschaffen werden. 

Investitionsverhalten von KMU 

Die Finanzierungsplanung ist nicht zuletzt auch deswegen so wichtig für KMU, weil sie ihre Wettbewerbsvorteile aus Innovationen schöpfen. Dass der Mittelstand in Deutschland beispielsweise einen vergleichsweise hohen Anteil seiner Investitionen in Forschung und Entwicklung fließen lässt, ist daher keine Überraschung. 

Die Windacher Klebstoff-Spezialisten von DELO zeigen auch, warum das so ist: Neben der Diversifizierung und Positionierung in unterschiedlichen Branchen sowie der Internationalisierung basiert der Erfolg des Unternehmens – das mit 770 Mitarbeitern streng genommen nicht mehr in den Kreis der KMU gehört – in erster Linie auf ständiger Innovation. 

Von den Umsätzen, die 2018 bei fast 160 Millionen Euro lagen, werden 15 Prozent in die Entwicklung neuer Rezepturen gesteckt, aus denen jährlich rund 40 neue Produkte entstehen. Auf diesem Weg erhält sich DELO die Chancen im Wettbewerb, mit einem leitfähigen Klebstoff für RFID-Chips hat es das oberbayerische Unternehmen sogar zum „Hidden Champion“ geschafft.

Insgesamt betrachtet unterscheidet sich das Investitionsverhalten von KMU jedoch erheblich von dem, das in Großunternehmen üblich ist. Das hat eine

Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM)

herausgestellt und die möglichen Gründe hierfür genannt:

Die lokale/regionale Verwurzelung eines Familienunternehmens könnte dagegen sprechen, in eine Verlagerung der Produktionsstätten ins Ausland zu investieren.

Firmeninhaber von KMU scheuen womöglich auch die persönlichen Konsequenzen (etwa Haftung mit dem Privatvermögen) risikoreicher Investitionen.

Dazu kommt der oft eingeschränkte (Geschäfts-)Bereich, in den vor allem kleine Unternehmen überhaupt investieren können. Während Großunternehmen Risiken durch eine breitere Streuung ihrer Investitionen kompensieren können, besteht diese Möglichkeit in mittelständischen Betrieben häufig nicht.

Einen weiteren Faktor stellen die Banken dar. Wie schon das BMWI in seiner Übersichtsdarstellung bemerkt hat, sind Kreditvergaben an kleine Unternehmen wegen des geringeren Anteils an Eigenmitteln auch für die Kreditinstitute mit Risiken verbunden – daraus resultieren schlechtere Chancen, notwendige Geldmittel zu erhalten.

Daraus erklärt sich womöglich auch, warum eine beträchtliche Zahl der deutschen KMU nur in begrenztem Umfang in Sachen Online-Marketing – bzw. Marketing im Allgemeinen – tätig ist, obwohl sich daraus erhebliche Chancen ergeben. Das betrifft schließlich nicht allein die Absatzmöglichkeiten, sondern in erster Linie den Bekanntheitsgrad. Hier stehen selbst international erfolgreiche „Hidden Champions“ wie DELO vor Problemen – zum Beispiel beim Anwerben neuer Fachkräfte, die die Firma womöglich noch gar nicht kennen. 

Ressourcenmanagement für Mittelständler 

Im Grunde genommen ist auch ein derartiges Problem – mangelnde Sichtbarkeit außerhalb der eigenen Nische – eine Frage des Ressourcenmanagements. Denn hierbei geht es eben nicht alleine darum, materielle Ressourcen möglichst effizient zu nutzen. Einen elementaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten auch die Ressourcen, die in den meisten Auflistungen unter „immateriell“ aufgeführt werden. 

Schon die Subsumierung eines derart breiten Spektrums unterschiedlicher Ressourcen unter dem Sammelbegriff ist problematisch: Immaterielle Unternehmenswerte umfassen Human-, Kunden-, Beziehungs- und Strukturkapital. Hierzu gehören gut ausgebildete Fachkräfte mit bestem Know-How ebenso wie fundierte Kenntnisse der Kundenbedürfnisse bis hin zu Unternehmenskultur und Image eines Unternehmens bzw. einer Firma. 

Genau wie materielle Ressourcen braucht es allerdings auch hierfür Controlling- und Messverfahren, wie Professor Roman Stoi von der Fakultät Wirtschaft der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in einem Beitrag beim Institut für Wissen in der Wirtschaft (IWW) erklärt. Das gilt umso mehr, weil Wettbewerbsvorteile mehr und mehr von diesen immateriellen Faktoren abhängen. 

Wie drastisch sich das etwa auf den Unternehmenswert auswirken kann, demonstriert Stoi an drei Beispielen. Die Zahlen sind zwar längst nicht mehr aktuell, die dahinterstehende Logik allerdings schon:

SAP konnte dank innovativer Softwareentwicklung und Unternehmenskultur, eines internationalen Kundenstamms und einer Marktführerposition den Buchwert – der vornehmlich materielle Aspekte berücksichtigt – um ein Vielfaches übertreffen.

Ähnlich verhält es sich bei Procter & Gamble, deren Marktwert sich auf den Bekanntheitsgrad der vielen Marken stützt, die das Unternehmen unter seinem Dach vereint – darunter etwa Ariel, Lenor, Pampers oder Tempo.

Grundsätzlich gilt natürlich für alle Ressourcen in einem Unternehmen, dass sie ihren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg haben und dementsprechend bestmöglich eingesetzt werden müssen. Vor allem im Mittelstand ist – etwa vor dem Hintergrund des schwierigeren Zugangs zu neuen Finanzmitteln, um nur ein Beispiel zu nennen – deshalb das Ressourcenmanagement ein umso wichtigerer Aspekt

Denn wie Fachkräftemangel und das Thema Nachhaltigkeit zeigen, wird auch der Umgang mit Ressourcen in KMU von globalen Trends betroffen. Im Vergleich mit Großkonzernen sind sie allerdings deutlich stärker darauf angewiesen, ihre Ressourcen zu erfassen und passgenau zu nutzen. 

Digitalisierung 

Das trifft ohne Frage auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung und der Ausbreitung digitaler Wertschöpfungsketten zu. Dies sind die bestimmenden Themen, mit denen selbstverständlich auch kleinere mittelständische Unternehmen – und zwar branchenunabhängig –, auseinandersetzen müssen. Herausforderungen und Möglichkeiten liegen hier nah beieinander, was auch der immer größer werdenden Dynamik in diesem Bereich geschuldet ist. Wettbewerbsfähigkeit hängt deshalb zunehmend mit Digitalisierungsprozessen im Unternehmen zusammen. 

Digitalkompetenzen der deutschen Wirtschaftsunternehmen 

Die offenkundige Frage, die sich dabei stellt: Wie ist es um die digitalen Kompetenzen im Mittelstand bestellt? Der Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2018 des BMWI liefert hierzu durchaus unterschiedliche Antworten:

Positiv ist die stetige Entwicklung, die sich aus der Befragung von über 1.000 Unternehmen aus elf Branchen ergibt, der Gesamtindex konnte dadurch auf 54 Punkte (von 100) angehoben werden.

Zwischen den einzelnen Branchen bestehen allerdings teils erhebliche Unterschiede: Der Digitalisierungsgrad unter den Dienstleistern ist beispielsweise überdurchschnittlich (55 Punkte), bei Industrieunternehmen liegt er deutlich darunter (45 Punkte). Immerhin: In der Industrie wird aufgeholt.

Zum „digitalen Vorreiter“ (81 bis 100 Punkte) schaffen es jedoch nur rund sieben Prozent der deutschen Unternehmen – eine überwältigende Mehrheit hiervon sind Dienstleister.

Kleinstunternehmen liegen mit 54 Punkten genau im Schnitt, laut BMWI-Digital-Monitor sind die Zukunftsaussichten optimistisch. Das gilt genauso für den Mittelstand, trotz des im Vergleich zu den Vorjahren schlechteren Ergebnisses (50 Prozent). Hier sind es ebenfalls die weiteren Aussichten, die von den Unternehmen als gut eingeschätzt werden. 

Etwas anders liest sich das allerdings in der IW Consult-Untersuchung zur Digitalisierung der KMU in Deutschland. Diese verzeichnet besonders im Vergleich mit größeren Unternehmen einen Rückstand, aber auch unter den KMU gibt es Unterschiede – die hängen mitunter damit zusammen, wie groß der Anteil der Umsätze war, der in die Digitalisierung geflossen ist. Im geschäftlichen Alltag äußern sich die Rückstände unter anderem so:

Eine deutlich geringere Nutzung von IKT- und Internettechnologien, nur bei einem Drittel der KMU ist diese hoch oder sehr hoch.

Elektronische Vertriebswege erwirtschaften nur zehn Prozent der Umsätze.

Rund 20 Prozent der KMU sind bereits digitalisiert, der Rest ist noch mit der Computerisierung befasst: Die Technologie ist dort vorhanden, die Virtualisierung von Prozessen und Produkten aber noch nicht möglich.

Entsprechend liegen die Umsätze aus digitalen Geschäftsbereichen bei den meisten KMU in Deutschland bei rund 15 Prozent – die mittelständischen Unternehmen, die mit ihrer Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten sind, erreichen hier deutlich höhere Werte. 

Analyse, Anpassung und Wertschöpfung. Die Umsetzung von Digitalisierung im Unternehmen 

Es lassen sich aber deutschlandweit Positiv-Beispiele in der praktischen Umsetzung von Digitalisierung finden. Eine ganze Reihe von unterstützten Digitalisierungsprojekten hat das BMWI auf der Seite Mittel-Stand Digital zusammengetragen. Sie zeigen die unterschiedlichen Dimensionen, in denen die Digitalisierung mittelständische Unternehmen voranbringen kann.

Gurken 4.0: Kontrollsysteme mittels Sensorik

Auf dem Biohof Schöneiche, 80 Kilometer südlich von Berlin, werden Obst und Gemüse in Bio-Qualität angebaut. Ein kritischer Aspekt ist die Bewässerung – sie nimmt viele Mitarbeiter in Anspruch, ein Ausfall kann die gesamte Ernte gefährden. Das gilt in gleicher Weise für die Kühlräume.

Die Lösung war in gewisser Weise zweistufig: Ein Datennetz für die gesamte Nutzfläche des Betriebs, an das die Sensoren für Wasserpumpen und Kühlräume gekoppelt sind, war nur der erste Schritt. Diese Daten mussten auch zuverlässig und schnell an die Verantwortlichen weitergeleitet werden. 

Siebanlagen 4.0: Effizienz durch digitale Warenannahme 

Ebenfalls in Brandenburg sitzt die Firma Zemmler, die die verschiedene Siebanlagen produziert. Bei Projektbeginn erfolgte die Buchhaltung nur in Papierform, Warenbestände wurden nur per Sichtkontrolle oder Inventur erfasst und Konstruktionsdaten waren nur schwer für alle Mitarbeiter auf dem aktuellsten Stand zu halten. 

Sowohl beim Ressourceneinsatz, als auch in der Lagerhaltung und der Produktion entstanden so Defizite, vor allem ein erheblicher Mehraufwand und Fehler durch veraltete Konstruktionsdaten. 

Durch die Bereitstellung interaktiver Konstruktionszeichnungen sind Pläne jetzt für alle Mitarbeiter jederzeit in der aktuellsten Version verfügbar, ein Kontrollzentrum für das Lager liefert Echtzeitdaten – so kann der Rohstoff- und Warenfluss digital kontrolliert und gesteuert werden. 

Vielfältige Herausforderungen, vielfältige digitale Lösungen 

Einen Eindruck, auf wie viele unterschiedliche Weisen die Digitalisierung mittelständischen Unternehmen in allen Geschäftsbereichen helfen kann, bietet auch die Seite Gemeinsam digital. Hier werden nicht nur laufende oder abgeschlossene Digitalisierungsprojekte vorgestellt, es besteht auch für kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit, mit konkreten Wünschen oder Problemstellungen an das Netzwerk heranzutreten. 

Die Bedeutung der Digitalisierung, das unterschreiben alle Studien, ist dem Mittelstand wohlbekannt. Anders verhält es sich noch mit den Potenzialen, die für den jeweiligen Betrieb bestehen. Insofern sind Förder- und Unterstützungsangebote eine wichtige Hilfestellung, um wiederum die Bedeutung des Mittelstands für die gesamtdeutsche Wirtschaft zu erhalten. 

Ungewisse Zukunft 

Die bisherigen Entwicklungen in Folge der sich ausbreitenden Corona-Infektionen macht konkrete Ausblicke auf die Zukunft des Mittelstands derzeit schwierig. Hilfsmaßnahmen wie der Rettungsschirm für Unternehmen aus NRW mildern die Schwierigkeiten vorläufig zwar ab, wie dauerhafte Lösungen aussehen könnten, ist beim aktuellen Stand der Entwicklung jedoch kaum vorherzusagen. 

Viele Branchen sind zum Stillstand gekommen, ob sie sich wieder erholen, sobald sich die Gesamtlage entspannt – ebenfalls ungewiss. Andererseits ist besonders der Mittelstand für seine Innovationskraft bekannt, die momentan dringender denn je benötigt wird.

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