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Bullig, aber mit Glubschaugen - der Jeep Renegade hat einen besonderen Charme.

Fahrbericht

Ein Zylinder weniger - so fährt sich der Jeep Renegade T-GDI im Test

Den Jeep Renegade gibt es auch in der Sparversion mit drei Zylindern. Wir haben ihn im Alltag getestet.

  • Ist der Renegade mit dem Dreizylinder noch ein ganzer Kerl?
  • Wie man mit so einem Sparmotor trotzdem recht flott unterwegs ist.
  • Nur beim Spritverbrauch erlebten wir eine echte Überraschung.

Was haben Jon Bon Jovi, Lady Gaga, Frank Sinatra, Rocky Graciano, Madonna und Leonardo DiCaprio gemeinsam? Sie sind sogenannte Italo-Amerikaner. Das beste aus zwei Welten und äußerst erfolgreich. Der Jeep Renegade hat die gleiche DNA. Hier trifft hemdsärmelige US-Autobaukunst auf italienischen Schick. Anfang 2014 vorgestellt gibt es den "Abtrünnigen", was der Name bedeutet, auch mit einem Dreizylinder. Jeep* und Dreizylinder – wie soll das gehen?

Knackig, bullig, männlich - so wirkt der Jeep Renegade von vorne.

Jeep Renegade: Das leistet er mit nur drei Zylindern

Ja was ist denn das für ein Maschinchen? Da ist die Batterie fast größer als das ganze Aggregat. Beim Blick in den Motorraum des Jeeps Renegade strahlt einem kein standesgemäßer Sechs- oder gar Achtzylinder an. Nein der 1,0 T-GDI verfügt nur über drei Brennkammern. Aber unter Mithilfe des Turboladers blasen Sie immerhin 120 PS heraus. Natürlich kann man damit kein Rennen gewinnen, 11,2 Sekunden lautet die Zeit, die der 1,3-Tonner von 0 auf 100 braucht.

Auch beim Innendesign zeigt der Renegade Kante. Trotzdem bleibt der Look elegant.

Das Drehmoment liegt bei 190 Nm – und wäre da nicht der in den unteren Drehzahlbereichen recht lahme Turbolader, dann könnte der Renegade im reinen Alltagsbetrieb noch mehr Spaß machen. Ab 1.750 Umdrehungen wirkt das maximale Drehmoment von 190 Nm, ab da wird aus dem schläfrigen Kompakt-SUV ein agiles Kerlchen. Wer schaltfaul ist, und meint er könnte den Renegade untertourig wie einen Diesel fahren, der wird sein blaues Wunder erleben. Also immer schön die Drehzahl im Auge behalten, alles unter 1.500 U/min fühlt sich wie eingeschlafene Füße an.

An den Rückleuchten mit dem markanten X erkennt man sofort den Jeep Renegade.

Jeep Renegade: Die Vor- und Nachteile des Dreizylinder-Motors

Aber noch etwas stört beim Motor: Der typische Klang eines Dreizylinders. Er erinnert an die ersten Gebrauchtwagen, die wir uns als 18-Jährige leisten konnten. Gelegentlich fiel da schon mal ein Zylinder aus und genau so hört sich der Turbobenziner an. Aus dem Motorraum nagelt es - drei Töpfe beschweren sich, weil der vierte die Arbeit verweigert. Trotzdem haben Dreizylinder ihre Stärken. Sie kosten weniger in der Herstellung und sollen beim Sprit prinzipiell auch  sparsam sein. Wir wissen nicht woran es lag – aber unser Durchschnittsverbrauch lag bei stattlichen 9,6 Litern. Vier Liter weniger sollten es laut Hersteller eigentlich sein. Aber vielleicht lag es an den vielen Corona-bedingten Kurzfahrten zu Bäcker, Metzger und Drogeriemarkt.

Die Ledersitze sind in der Ausstattungsvariante Limited schon mit dabei. Bequem, aber schwammig bei längeren Fahrten.

Jeep ist ein Kult-Auto

Wer so einen Jeep kauft, tut dies allerdings nicht unbedingt wegen des Motors. Da spielt schon das Image eine Rolle. Schließlich hat Jeep eine lange und ruhmreiche Vergangenheit. Der Name stand einst sogar schon mal als Synonym für eine ganze Fahrzeuggattung. Damals nannte man die G-Klasse nicht G-Klasse, sondern sagte: "Das ist der Jeep von Mercedes". Und auch der Land Cruiser war bloß der Jeep von Toyota. Seine große Karriere machte das geländegängige Fahrzeug einst beim US-Militär. Der Willys war eine Legende – und wer genau hinsieht, entdeckt seine Silhouette sogar auf der Frontscheibe des Renegade. Als stilistische Hommage an eine Ikone.

Bullig, aber mit Glubschaugen - der Jeep Renegade hat einen besonderen Charme.

 

Das ist kein Zufall. Denn außer dem nicht minder legendären Wrangler verkörpert kein anderes Mitglied aus der Familie die Tugenden des Ur-Jeeps so wie der Renegade. Der kastenförmige Aufbau, die bulligen Kotflügel, die steile Frontscheibe, der freie Blick über die mächtige Motorhaube. Das ist Jeep-DNA pur. Kombiniert mit einem frechen hemdsärmeligen Design kommt da ein echter Kumpeltyp heraus. Mit Ecken und Kanten – und einem treuen Blick aus den runden Scheinwerfern. Einer, der jetzt nicht unbedingt ins Gelände muss, weil der 1,0 T-GDI nur als Frontantrieb angeboten wird. Weshalb es auch die darauf spezialisierten Fahrprogramme nicht gibt. Wer ein Offroad-King sein will, der muss auf die größeren Motorisierungen zurückgreifen. Die haben dann Allrad. Und mit der Version Trailhawk fährt der Fiat-Chrysler-Konzern FCA sogar einen ausgesprochenen Geländeexperten auf.

Das große Panorama-Schiebedach kostet zwar 1.290 Euro, sollte man sich aber gönnen.

Jeep Renegade: Der Jeep für die Stadt

Aber für den Alltag im Großstadtdschungel, ist der Renegade 1,0 T-GDI ein komfortabler Gefährte, der ordentlich Platz bietet. Zum Sitzen sowieso, dank Kastenbauweise hat man ein fast schon luxuriöses Raumgefühl. Und auch beim Laden ist der kleine Kompakt-SUV groß. In den Kofferraum passen, wenn die Rückbank umgeklappt ist, knappe 1.300 Liter. Lob auch für den verstellbare Ladeboden. Unverzichtbar für die Einkäufe – ob am Wochenende in Supermarkt, oder wenn man im Möbelhaus nur ein paar Kleinigkeiten kaufen wollte, aber dann gab es da doch noch die vielen Sonderangebote in den Regalen.

Quadratisch, praktisch, gut - in den Kofferraum passen bis zu 1300 Liter.

Bedienung des Bordcomputers des Jeep Renegade ist einfach

Was die Bedienung angeht – so ist der Renegade ebenfalls ein Haudegen. Gottseidank gibt es noch Knöpfe und Regler, wie zum Beispiel für die Klimaanlage. Da muss man nicht lange auf dem Touchscreen herumtippen, sondern dreht die Heizung oder das Gebläse einfach rauf. Und auch an der Lautstärke wird gedreht und nicht gewischt. Das heißt aber nicht, dass der Renegade nicht digital auf der Höhe der Zeit wäre. Das Menü des zentral und in das Armaturenbrett integrierten Bildschirms ist einfach und sofort bedienbar. Und das Handy ist via UConnect ebenfalls schnell und unkompliziert mit dem Bordcomputer verbunden. Auch hier hat man auf Praxistauglichkeit geachtet. Bei den Fahrzeugassistenten gibt es so ziemlich alles, was der Fiat-Konzern zu bieten hat. Apropos Fiat: Dass unter dem Blechkleid die Architektur des Fiat 500 L steckt, hätte man nie und nimmer vermutet.

Markant, aber nicht klotzig. Auch beim Innendesign sammelt der Renegade Punkte.

Unser Fazit zum Jeep Renegade

Der Jeep-Renegade ist ein waschechter Italo-Amerikaner. Mal kernig, so wie es sich ein texanischer Bullenzüchter wünscht, aber so elegant, dass er auch als Dienstauto für einen Mailänder Modemacher taugen würde. Das mit den drei Zylindern ist nicht unbedingt eine runde Sache. Das ist so als ob man Jeep nur mit einem "e" schreiben würde. Wer allerdings mehr Wert auf Lifestyle und Praxistauglichkeit gleichermaßen legt, für den ist der Dreizylinder eine echte Option.

Lesen Sie auch: Gebrauchtwagen kaufen im Internet: So erkennen Sie Fake-Inserate.

Datenblatt Jeep Renegade Limited 1,0 T-GDI 4x2

Hubraum:

999 ccm

Leistung:

120 PS bei 5.750 U/min

Drehmoment:

190 Nm bei 1850 U/min

Getriebe:

6-Gang-Handschalter

Antrieb:

Front

Länge/Breite/Höhe:

4,24/1,70/1,81 m

Leergewicht (zul):

1320 kg / 540 kg

Kofferraum:

351 - 1.297 l

0 auf 100:

11,2 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

185 km/h

Normverbrauch :

5,4 l

Co2:

123 g/km

Preis:

ab 25.200 Euro

Auch interessant: Auch auf dem Privatgrundstück kritisch: Wo darf man sein Auto selbst waschen?

Rudolf Bögel

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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