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Die V-Klasse vor dem Kloster Andechs.

Fahrbericht

V-Klasse: Der Urlaub beginnt im Auto

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Marl - Die V-Klasse von Mercedes-Benz im Langstreckentest: mit starkem Motor und variablem Innenraum. Auf 2200 Kilometern zeigt der Bulli-Konkurrent, was in ihm steckt.

Der Markt der Großraumlimousinen und Kleinbusse ist überschaubar: Vor allem Volkswagen und Mercedes-Benz buhlen um die Gunst der Käufer. Während der „Bulli“ als klassischer Vertreter des Kleintransporters gilt, schickt Mercedes-Benz seit 2014 seinen Kleinbus wieder als „V-Klasse“ ins Rennen. Dieser löste den Viano ab und erhielt in diesem Jahr ein Facelift. Wir haben die Großraumlimousine mit dem Stern in einem Langstreckentest auf Herz und Nieren geprüft: Dabei ging es aus dem Ruhrgebiet in die bayerischen Voralpen und zurück.

Das Fahrzeug:

Zur Verfügung steht ein Mercedes V250d in der Ausstattungslinie Edition: Damit testen wir die stärkste Motorisierung der V-Klasse. Der Motor bringt es bei 2,2 Liter Hubraum auf 190 PS und verfügt über eine 7-Gang-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad. Die Ausstattung Edition vereint die wichtigsten Assistenten wie Totwinkel-, Park- und Spurhalteassistenten, sowie Komfortmerkmale wie Sitzheizung vorne, Radio mit Touchpad und Rückfahrkamera, Extra-Klimatisierung im Fahrgastraum und einiges mehr. Der Einstiegspreis unseres Testfahrzeugs liegt bei 49.195 Euro, inklusive der Sonderausstattungen kommen wir auf 51.600 Euro.

Die Aufgabe:

Vier Erwachsene und zwei Kinder gehen auf einwöchige Tour ins südlichste Bundesland Deutschlands. Geplant sind dabei auch Wanderausflüge. Das bedeutet: Neben dem üblichen Gepäck müssen auch Wanderschuhe und Co. in den Transporter passen. Die Strecke in Richtung München, wo die erste Zwischenstation liegt, beträgt rund 650 Kilometer. Da will man schon bequem reisen und auf nichts verzichten. Die Sitzkonfiguration in unserer langen V-Klasse bietet auf jeden Fall genug Platz: vorne und in der Mitte jeweils zwei Einzelsitze mit Armlehnen, hinten eine Dreiersitzbank. Die fünf Sitze im Fonds lassen sich auf durchgehenden Schienen individuell verschieben. Dadurch haben wir mit dem Gepäck kein Problem: Zwei Hartschalenkoffer, zwei große Reisetaschen, zwei kleinere Reisetaschen, vier Rucksäcke und ein „Fresskorb“ für das Picknick auf halber Strecke schluckt der Kofferraum.

Die Fahrt:

Nachdem alles im Nu verstaut ist, geht es los auf große Fahrt. Das Ziel haben wir im Navigationssystem eingegeben, was dank des Drehknopfes zügig von der Hand geht. Allerdings staunen wir dann doch, als uns das Navi eine Route vorschlägt mit einem Umweg von mehr als 40 Kilometern. Eine Besonderheit, die uns auf der Reise noch häufiger begegnet: In der Konfiguration genießt die Autobahn als Straße den höchsten Stellenwert, zudem wird versucht, jeden noch so kleinen Stau zu umfahren. Und das ist mitunter nicht immer die beste Route. Die Fahrt selbst ist dann ein angenehmer Auftakt in den Urlaub: Bei Tempo 130 legen wir den Tempomat ein, genießen die Abwesenheit von Fahrgeräuschen und die gute Rundumsicht der V-Klasse. Nach der ersten Pause kurz hinter Würzburg liegen wir gut in der Zeit – und beim Verbrauch. Knapp 7,3 Liter Diesel hat sich unser Reisemobil gegönnt, ein guter Wert für viel Gepäck und Personen an Bord. Nach der Pause erhöhen wir das Durchschnittstempo: Die 190 PS beschleunigen den Turbodiesel gut, so sind auch 170 km/h kein Thema für die V-Klasse. Einziger spürbarer Nebeneffekt: Die Tanknadel geht deutlich schneller nach unten, der Verbrauch steigt auf 8,5 bis 9 Liter. Nach knapp 650 Kilometern erreichen wir das Ziel in der Nähe von München.

Alltagstauglichkeit:

Auf dem Ausflug nach Garmisch-Patenkirchen nehmen wir die Serpentinen über Kochel am See und sind beeindruckt: Enge Kurven sind dank der guten Kurvenlage kein Problem. Die Lenkung ist direkt, ohne auf Komfort zu verzichten. Richtig gut gefällt uns die Möglichkeit, das Automatikgetriebe im Sportmodus zu fahren: Gerade bei den vielen Steigungen und Kurven hält man hier gut mit im Voralpenland. Vor Ort möchten wir den guten Parkassistenten mit Kamera und „Piepsern“ nicht missen – schließlich sind nicht alle Parkplätze für solche Großraumlimousinen ausgelegt. Zu beachten ist aber die große Heckklappe: Diese kann bei Regen fünf Personen Schutz bieten, erfordert aber auch viel Platz beim Öffnen. Am Ende der Wandertour zur Partnachklamm können die Wanderschuhe, -stöcke und Mitbringsel aus Garmisch allesamt wieder im geräumigen Gepäckabteil verstaut werden.

Unser Fazit:

In einer Woche haben wir 2200 Kilometer zurückgelegt und die Vorzüge einer V-Klasse schätzen gelernt. Pluspunkte konnte Mercedes sammeln beim Platzangebot und Komfort, der starken Motorisierung, den Assistenten und der Variabilität im Innenraum. Der Durchschnittsverbrauch lag am Ende bei 8,2 Liter, was angesichts der kurvigen und teilweise steilen Streckenabschnitte mehr als in Ordnung ist. Was uns nicht gefallen hat, war das eigenwillige Navigationssystem und die nicht sehr intuitive Menüführung. Hier ist noch Luft nach oben.

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